Vesselina Kasarova

Mezzosopran
Vesselina Kasarova ist in Bulgarien geboren und diplomierte Konzertpianistin, gab die angestrebte Laufbahn aber auf, um Sängerin zu werden. Nach ihren ersten Engagements an den Opernhäusern Wien und Zürich gastierte sie 1991 erstmals bei den Salzburger Festspielen. Sie sang seither an allen internationalen Opernhäusern wie Mailänder Scala, Royal Opera House London, Metropolitan Opera New York, Opéra Bastille & Garnier Paris, Liceu Barcelona, Staatsoper Hamburg und München, Deutsche Oper Berlin, Opernhaus Zürich, um nur einige zu nennen. Durch ihre Interpretationen der Mozart-Opern, des Belcanto-Fachs und der französischen Oper wurde Vesselina Kasarova weltberühmt. Sie arbeitete mit den bedeutendsten Dirigenten. Auch Liederabende und Konzerte führten sie in alle großen Musikzentren der Welt.
Zahlreiche Aufnahmen sind erschienen: »Tancredi«, »Werther«, »I Capuleti e i Montecchi«, »La favorite«, »L'Italiana in Algeri«, »La clemenza di Tito«, Arien-CDs und eine Aufnahme mit bulgarischen Liedern. Für ihre Einspielungen wurde sie mehrfach mit dem Echo-Klassik ausgezeichnet und erhielt von der internationalen Kritik Auszeichnungen für ihre herausragenden Leistungen auf der Opernbühne. 2012 ist Vesselina Kasarovas Buch »Ich singe mit Leib und Seele« erschienen, das Einblick gibt in die Höhen und Tiefen des Sängerberufs und das eine von Marianne Zelger-Vogt verfasste Biografie der Künstlerin enthält. Am Staatstheater Wiesbaden wird sie ihr Rollendebüt als Judith (»Herzog Baubarts Burg«) geben.

Galerie

Foto: Karl & Monika Forster
Die menschliche Stimme / Herzog Blaubarts Burg
Gerd Grochowski, Vesselina Kasarova

Pressestimmen

Generalmusikdirektor Zsolt Hamar trägt im Großen Haus, wo das Publikum die Premiere feiert, die Verantwortung für die gleißende Pracht der großen Orchester-Tableaus und das hartnäckige Blut-Motiv, das Judit und Blaubart durch den Versuch einer Annäherung folgt.
Der ungarische Dirigent ist hier bei Bartók ganz in seinem Element und sorgt im Orchestergraben für eine konzentrierte Intensität (...) Auf der Bühne stehen für Bartók freilich auch zwei Sängerdarsteller zur Verfügung, bei denen er nicht den Schongang einlegen muss: Stargast Vesselina Kasarova ist mit ihrem kraftvoll glühenden Mezzo eine großformatige Judit von starker Bühnenpräsenz. An ihrem Blaubart, den der vorzüglich gestaltende Gerd Grochowsld für den erkrankten Johannes Martin Kränzle übernommen hat, klebt nicht nur das Blut der Exfrauen und anderer Opfer seiner Macht, sondern auch das Bürograu eines Funktionärs. (...) Hier ersticht Blaubart die Frau, die, ähnlich wie Lohengrins Elsa, zuviel wissen wollte. Wie das in der Oper immer mal wieder passiert, darf Vesselina Kasarova trotzdem noch weitersingen in einer szenisch wie musikalisch eindringlichen Interpretation, an deren Erfolg auch Susanne Füllers Kostüme und Matthias Schallers Bühne ihren Anteil haben. Atemberaubend ist der synästhetische, auch orchestral glanzvoll illustrierte Ausblick auf Blaubarts weite, wüste Seelenlandschaft, für die sich die Bühnenarchitektur weit öffnet. (...) Julia Migenes, Jahrgang 1949, fasziniert in einer Filmfassung der Monooper, die sie vor einem Vierteljahrhundert mit George Prêtre, dem Dirigenten der Uraufführung, eingespielt hat. (...) Der Regisseur Thorleifur Örn Amarsson sozusagen aus dem Verfall Konzept macht, das Altern einer Künstlerin selbst: thematisiert: Schallplatten liegen in ihrer beengten, ausweglosen, von Susanne Füller gestalteten Guckkasten-Garderobe auf dem Boden verstreut. Sie künden von glanzvolleren Zeiten. (...) Die anrührendsten Passagen aber zeigen in großformatigen Videoprojektionen des Gesichts von Julia Migenes, dass diese Sängerin immer noch eine große Darstellerin ist – mit einem Ausdruck in den Augen, um den sie auch Stummfilmstars wie Gloria Swanson beneiden müssten.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 21.04.2015
Julia Migenes verleiht der Verlassenen Gestalt, weiß zudem die titelgebende menschliche Stimme mit Ausdruck und Inhalt aufzuladen. Beste Wortverständlichkeit , verbindet sich bei Migenes mit mannigfachen Färbungen, rhythmischen Nuancen, dynamisch beatmeten Sprachfragmenten zu einem faszinierenden Bedeutungsgeflecht, dessen fiktiver Charakter mit zunehmender Gesprächsdauer schonungslos ans Licht tritt. (...) Das Staatsorchester Wiesbaden nutzt dies unter der Leitung von Zsolt Hamar zur Vergegenwärtigung des für Poulenc charakteristischen Amalgams aus Charme und hintergründigem Humor Inmitten der zunehmenden Tristesse kann man sich ein Schmunzeln über dessen Kommentierung nicht immer verkneifen. (...) Gerd Grochowski spielt den Herzog als Charakterschwächling, der sich seiner Vergangenheit nicht stellen kann und sich schließlich nur durch tödliche Gewalt zu helfen weiß. (...) Vesselina Kasarova spielt dafür mit allen Möglichkeiten ihrer Stimme. In der Höhe findet sich bei ihr die Klarheit seelischer Reinheit wie das Schrille hysterisch aufgipfelnder Forderung, die Mittellage schimmert gern warm und sinnlich, kann aber auch gefährlich dunkel sein. Das passt zu Laufenbergs Deutung, welche sich einseitiger Bewertungen enthält. (...) Die Vergegenwärtigung der niemals gezeigten sieben Kammern gelingt dem Staatsorchester Wiesbaden ausgezeichnet. Von Öffnung zu Öffnung findet sich die impressionistische Fülle der bildhaften Klangvisionen weiter gesteigert. Prädikat: sehr sehens- und hörens! wert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Benedikt Stegemann, 21.04.2015