»Und was ist Zufall anders, als der rohe Stein, der Leben annimmt unter Bildners Hand? Den Zufall gibt die Vorsehung – zum Zwecke muss ihn der Mensch gestalten.« Don Karlos, Friedrich Schiller
Worauf gründe ich mein Leben? Was davon hat Bestand? Und was davonbegreife ich als wahrhaftig sinnstiftend? Wo kollidiert mein Rechtauf Entfaltung mit der Freiheit eines Anderen? Und zuwas führen diese Kollisionen? – Uns bleibt oft kaum Zeit zum Reflektieren und Hinterfragen unserer Grundsätze und Handlungen. Oder die Undurchschaubarkeit der Welt im Großen führt zum Rückzug auf den kleinsten noch beherrschbaren Nenner: Wie ernähre ich mich? Wo und was kaufe ichein? Nach welcher revolutionären Pädagogik erziehe ich meine Kinder? In der neuen Spielzeit wollen wir Fragen nach Sinnsuche, Ideologiebildung und Bedingungen gesellschaftlichen Zusammenlebens nachgehen.

Persönliche Moral im Konflikt mit rechtsstaatlichen Prinzipien untersucht Ferdinand von Schirachs »Terror«. Bedingungslose Hingabe oder radikale Austauschbarkeit in Liebesbeziehungen thematisieren Kleists »Käthchen von Heilbronn« und Schnitzlers »Reigen«. Basierend auf Heinrich Hoffmanns »Struwwelpeter« deckt »Shockheaded Peter« komödiantisch-schrill die schwarzpädagogische Ursuppe unserer Erziehung auf, während Bov Bjerg in seinem Erfolgsroman »Auerhaus« eine Gruppe junger Menschen herzzerreißend unsentimental auf die Suche nach dem Sinn ihres Lebens schickt.
Die Verquickung von Religion, Politik, Freiheit und persönlichsten Empfindungen ist ein wesentlicher Gedankenfaden der kommenden Spielzeit. Angesichts des Näherrückens einer gewalttätigen und von Fanatismus geprägten Realität ein bedrückend aktuelles Thema. In höchst unterschiedlichen Ausprägungen begegnen wir ihm in den niederländisch (-protestantischen) Freiheitskämpfen gegen die spanisch (-katholische) Herrschaft sowohl in Goethes »Egmont!« als auch in Schillers »Don Karlos«, aber auch am israelisch-palästinensischen Dauerkrisenherd: Amos Oz’ aktueller Roman »Judas« beleuchtet die Staatsgründung Israels und verknüpft die politische Dimension des Konflikts mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und zugleich mit einer religionsgeschichtlichen Reflexion. Thomas Jonigks »Das Neue
Testament (at)« schließlich versucht herauszufinden, welche Gültigkeit christliche Prinzipien in unserer konfliktgeladenen Gegenwart noch (oder gerade wieder?) haben.

Wie wollen wir leben – und warum so?

Wir freuen uns auf eine spannende Spielzeit mit Ihnen.
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