Magisches Kaleidoskop - Die Weihnachts-Edition
Choreografien von Stephan Thoss und Jiří Kylián
Testing Machine / La Chambre Noire / Sechs Tänze
Großes Haus
Aufführungsdauer 2 Stunden 10 Minuten. Zwei Pausen.
Das ‚Magische Kaleidoskop‘ der vielgefragte und höchst abwechslungsreiche Ballettabend mit ‚Testing Machine‘ und La Chambre Noire‘ von Stephan Thoss und Jiří Kyliáns Klassiker ‚Sechs Tänze‘ steht im Dezember und Januar wieder auf dem Spielplan. Und passend zu den Festtagen erstrahlt ‚Testing Machine‘ in weihnachtlichem Glanz: mit neuen Kostümen, vielen Überraschungen und neuen Choreografien hat Stephan Thoss das Stück exklusiv für diese Weihnachts-Edition umgestaltet. Weihnachtsmänner und –engel sind garantiert. Schöne Bescherung!
Testing Machine
Musik von Frank London’s Klezmer Brass Allstars, Perez Prado, Tango Crash, Los Panchos u.a.
| Choreografie / Bühne / Kostüme | Stephan Thoss |
| Mit: |
| Showmaster | Kihako Narisawa, Sandro Westphal |
| Tester / Weihnachtsmänner / Engel | Fione A. Darby-Rettenberger, Maria Eckert, Ezra Houben, Sandra Huber, Ludmila Komkova, Rena Narumi, Albert Garell, Matthew Bade, Russell Lepley, Frank Fannar Pedersen, Anton Rudakov, Taulant Shehu, Matthew Tusa, Daniel Whiley, Tenald Zace |
| Models | Laia Garcia Fernandez, Sabine Groenendijk, Ludmila Komkova, Valeria Lampadova, Ayumi Sagawa, Giuseppe Spota, Florian Teatiu |
Willkommen zur fiktiven Wohndesign- und Innovationsmesse! Wer sagt denn, dass ein Teppich auf dem Boden liegen muss? ‚Testing Machine‘ ist eine augenzwinkernde und satirische Show-Präsentation der angesagtesten Möbel, Kleider und Wohnaccessoires durch unser internationales Top-Testensemble, begleitet von heißer Tanzmusik, von Bossa Nova bis Balkan-Pop. Maschinelle Testmaschinen können lediglich die Haltbarkeit Ihres Sofas beweisen, unsere Tester dagegen zeigen das wirklich kreative Potential, das in den Möbeln steckt. Zugegeben, unsere Möbel sind nicht ganz einfach zu benutzen und stellen durch die Form mitunter ihre Funktion auf den Kopf. Für unsere Tester ist das die wahre Herausforderung!
La Chambre Noire
Musik: Klangcollage von Stephan Thoss
Im Großen wie im Kleinen umgibt uns Bewegung. Wenn wir nach oben blicken, sehen wir die größte denkbare Bewegung: die der Himmelskörper. Doch das meiste dort bleibt unsichtbar: dunkle Energie und dunkle Materie. ‚La Chambre Noire‘, das dunkle Zimmer, funktioniert wie ein Schwarzes Loch, es saugt durch seine Rotation alles auf, was in seine Nähe kommt. Drinnen gelten andere Gesetze als die des Lichts. An die Stelle der Gewissheit treten Unsicherheit und Geheimnis, die Angst vor dem Unbekannten. Aber die Dunkelheit schärft auch das Bewusstsein. Bewusstsein für Nähe und Entfernung und für die Autonomie des Menschen, über Nähe und Distanz zum anderen selbst zu entscheiden – ganz im Gegensatz zu Himmelskörpern. Die Musik- und Klangcollage von ‚La Chambre Noire‘, entwickelt Stephan Thoss selbst. Die Tänzer sind einem Spannungsfeld von unsichtbaren Kraftfeldern und Anziehungen ausgesetzt. Wieviel hält sie in der Dunkelheit gefangen und wieviel treibt sie an? Ein Zeitstopp im Sog der Materie.
Sechs Tänze
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Sechs Deutsche Tänze, KV 571
| Choreografie / Bühne / Kostüme | Jiří Kylián |
| Einstudierung | Yvan Dubreuil |
| Mit: |
| | Ezra Houben, Florian Teatiu, Sandra Huber, Taulant Shehu, Ayumi Sagawa, Matthew Tusa, Fione A. Darby-Rettenberger, Daniel Whiley, Russell Lepley, Anton Rudakov, Sandro Westphal, Sabine Groenendijk, Ludmila Komkova |
Mit dem dritten Werk kommt ein zeitgenössischer Tanz-Klassiker auf die Bühne. Jiří Kylián, ehemals Künstlerischer Leiter des Nederlands Dans Theater und einer der größten und stilbildenden Choreografen unserer Zeit, schuf ‚Sechs Tänze‘ auf Mozarts ‚Deutsche Tänze‘ KV 571 im Jahr 1986 – es sollte unter seinen rund 100 Werken zu den erfolgreichsten und meistgespielten werden. In dieser frech-frivolen Mozart-Hommage erleben wir vier junge Rokoko-Paare auf höchst virtuose und musikalische Weise in Beziehungen und Verstrickungen. Kylián bezieht sich dabei auf die berühmten ‚Bäsle‘-Briefe, die ein ganz eigenes Bild des großen Genies geben: derb und drastisch, ungehemmt albern aber auch ebenso abgründig wie seine musikalische Kunst. ‚Mozart ist das beste Beispiel für jemanden, dessen Leben schmerzvoll kurz war‘, so Kylián, ‚der aber trotzdem das Leben in seiner Fülle, Fantasie, Clownerie und Verrücktheit verstanden hat. Es sind sein Esprit und seine Erkenntnis, dass unser Leben nichts weiter als eine Maskerade oder eine Generalprobe für etwas viel Tieferes und Bedeutungsvolleres ist, die mich zu diesem Werk inspiriert haben.‘
Das Ende des 18. Jahrhunderts durchs Kaleidoskop betrachtet.
Die Bühne im Staatstheater Wiesbaden rockt, weil Stephan Thoss (auch Bühnenbild und Kostüme) mit seiner Choreografie ‚Testing Machine‘ so richtig Gas gibt. Die Uraufführung hat Drive, Temperament, überzeugt mit hinreißenden Ideen – und wenn man sich vor Lachen den Bauch hält, passt das genau ins Konzept. Diese furiose Tanz-Show ist aber nur der Auftakt eines Premierenabends, der mit ‚Magisches Kaleidoskop‘ überschrieben ist und in zwei Stunden exemplarisch belegt, wie facettenreich, kurzweilig und anregend Ballett sein kann.
Und das Publikum spürt bei jeder Drehung, jeder Pose, jedem Sprung zwischen Bett und Sitzmöbel, dass die Tänzer mit großer Freude bei der Sache sind. Kein Wunder also, dass der Funke überspringt.
Kontrastprogramm: ‚La Chambre Noire‘, die zweite Uraufführung, auch diese ein Gesamtkunstwerk von Thoss (Choreografie, Bühne, Kostüme).
Physisch stark gefordert, auch eigenwillig, agiert das kleine Ensemble aus acht Tänzern, die immer wieder von einem schwarzen Vorhang verschluckt und wieder ausgespuckt werden.
Mit Jiří Kyliáns Klassiker ‚Sechs Tänze‘ aus dem Jahr 1986 nach der gleichnamigen Musik von Mozart, einstudiert von Yvan Dubreuil, präsentiert Thoss ein echtes Schmankerl. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie sich die vier Pärchen an die barocke Wäsche gehen, wie aus den Perücken vor lauter lüsterner Raserei jede Menge Puder staubt, die Zuschauer in Wiesbaden sind mindestens genauso aus dem Häuschen wie die Tänzer – was für ein Spaß. Tosender Applaus ist der verdiente Lohn.
Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 31.10.2011
Stephan Thoss lockt in einem neuen dreiteiligen Programm unter dem Gesamttitel ‚Magisches Kaleidoskop‘ mit gleich zwei Zuckerln. Eine wunderbare Choreografie Jiří Kylián, lange Jahre Leiter des Nederlands Dans Theaters, hat er an Land gezogen, den herrlich respektlosen Mozart-Spaß ‚Sechs Tänze‘ von 1986. Dazu stellt Thoss eine eigene Möbelhaus- und Modenschau-Persiflage, eine lustvolle Akrobatik über Stuhllehnen und schiefe Tische, unter dem Titel ‚Testing Machine‘. Und in die Mitte des Abends eines seiner dunklen Stücke, das sich gleich bekennt: ‚La Chambre Noire‘, das schwarze Zimmer.
Es ist eine Art Unterwelt, die er hier aufruft, ein Schattenreich, in dem freilich immer wieder animalische Lebensenergie aufblitzt. Elegisch ist das Stück, doch der Tanz zeigt auch die vertraute Thoss’sche Kraft und Expressivität, die verwinkelten, abgewinkelten Figuren und Körperskulpturen. Freilich zeigt das Wiesbadener Ensemble in seiner Funktion als Möbeltester schon mal, was es alles kann. Und eine noch größere Bewährungsprobe kommt am Ende des Abends mit Kyliáns äußerste Präzision erforderndem Komödientanz: Hier kommt es nicht auf die Sekunde an, es kommt auf die Zehntelsekunde an. Auf das keck geknickte Handgelenk, auf das Wackeln des Kopfes und das Rollen der Augen, auf das rechtzeitige Stauben der Perücken und Vom-Degen-Schnellen eines Apfels, auf das große Springen und kleine Grimassieren.
Frankfurter Rundschau, 31.10.2011
Der neue Tanzabend im Hessischen Staatstheater Wiesbaden stimmt fröhlich. Die erste Ballettpremiere der Spielzeit wurde ein herzlich beklatschter Erfolg. Fragte man sich beim ersten Teil des Dreierprogramms ‚Magisches Kaleidoskop‘, wieso das Schmankerl diesmal am Anfang steht und nicht wie sonst am Ende, kam in Teil drei eine weitere leichte Muse dahergeflattert. Wobei sie beide Male nicht das dumme Blondchen mimte, sondern Intelligenz und Geschick zeigte. Selbst der Mittelteil, so ernst er gemeint war, hatte Flügel.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2011
[e]