Digitales Programmheft zu
Leonce und Lena:
Lustspiel von Georg Büchner
Super Rich Kids:
Königliche Hochzeiten sind immer ein Spektakel. Zur Jahreswende von 1833 zu 1834 heiratete der hessische Thronfolger Erbgroßherzog Ludwig III die bayerische Prinzessin Mathilde in München. Die Feierlichkeiten vor Ort und der öffentliche Einzug des Brautpaares in Darmstadt dienten Georg Büchner als Inspiration für sein satirisches Lustspiel „Leonce und Lena“.
Prinz Leonce von Popo und Prinzessin Lena von Pipi kennen sich zwar nicht, doch sind sie Geschwister im Geiste: Ihr Leben ist von Luxus und Langeweile, Melancholie und Maßlosigkeit, Zeremoniell und Zerstreuungsverlangen gepeinigt. Immer nur dasselbe: „Ich stülpe mich jeden Tag vier und zwanzigmal herum, wie einen Handschuh. O ich kenne mich, ich weiß was ich in einer Viertelstunde, was ich in acht Tagen, was ich in einem Jahre denken und träumen werde“ (Akt 1, Szene 3). Worin liegt nur ihr Lebenssinn? Sicherlich nicht in der anstehende Zwangsvermählung der beiden Königskinder im Königreich Popo. Unabhängig voneinander beschließen Leonce und Lena ihrem Schicksal zu entgehen. Sie fliehen Richtung Italien – ganz im Sinne der zeitgenössischen „Grand Tour“, die seit der Renaissance Italien als einen Sehnsuchtsort für junge Adlige verklärt. Auf ihrer Reise kommen sie allerdings nicht weit. Zufällig begegnen sie sich und – ohne die Identität der oder des anderen zu kennen – verlieben sie sich. Es muss ein Plan her, um das junge Glück zu schützen und so schlagen Leonce‘ Begleiter Valerio und Lenas Begleiterin Valeria eine maskierte Rückkehr in das Königreich Popo vor. Dort sollen die Verliebten stellvertretend für das (vermeintlich) geflohene Brautpaar verheiratet werden. Ein ganz eigens Happy End nimmt seinen Lauf.
In Stefan Puchers Inszenierung sind zwei super-reiche Kinder auf der Flucht vor ihren eigenen Privilegien und der damit einhergehenden Verantwortung. Doch ihr Ausbruch in die Natur hält nicht das, was er verspricht: „Wir haben Alles wohl anders geträumt mit unseren Büchern hinter den Mauern unseres Gartens, zwischen unseren Myrthen und Oleandern. – O die Welt ist abscheulich!“ (Akt 2, Szene 1). Das wohlige Nest des Hofes steht ihnen zum Glück jederzeit zur Verfügung, sie haben quasi ein Open Return Ticket. Über diese Art der Absicherung können sich nur einige wenige Menschen freuen. Leonce und Lena beschließen das Theaterstück mit einer Traumvorstellung einer nahenden Zukunft: „Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, daß es keinen Winter mehr giebt und die uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren, und wir das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeern stecken“ (Akt 3, Szene 3). Kein Ausbruch mehr nötig, kein Eindringen mehr möglich.
Prinz Leonce von Popo und Prinzessin Lena von Pipi kennen sich zwar nicht, doch sind sie Geschwister im Geiste: Ihr Leben ist von Luxus und Langeweile, Melancholie und Maßlosigkeit, Zeremoniell und Zerstreuungsverlangen gepeinigt. Immer nur dasselbe: „Ich stülpe mich jeden Tag vier und zwanzigmal herum, wie einen Handschuh. O ich kenne mich, ich weiß was ich in einer Viertelstunde, was ich in acht Tagen, was ich in einem Jahre denken und träumen werde“ (Akt 1, Szene 3). Worin liegt nur ihr Lebenssinn? Sicherlich nicht in der anstehende Zwangsvermählung der beiden Königskinder im Königreich Popo. Unabhängig voneinander beschließen Leonce und Lena ihrem Schicksal zu entgehen. Sie fliehen Richtung Italien – ganz im Sinne der zeitgenössischen „Grand Tour“, die seit der Renaissance Italien als einen Sehnsuchtsort für junge Adlige verklärt. Auf ihrer Reise kommen sie allerdings nicht weit. Zufällig begegnen sie sich und – ohne die Identität der oder des anderen zu kennen – verlieben sie sich. Es muss ein Plan her, um das junge Glück zu schützen und so schlagen Leonce‘ Begleiter Valerio und Lenas Begleiterin Valeria eine maskierte Rückkehr in das Königreich Popo vor. Dort sollen die Verliebten stellvertretend für das (vermeintlich) geflohene Brautpaar verheiratet werden. Ein ganz eigens Happy End nimmt seinen Lauf.
In Stefan Puchers Inszenierung sind zwei super-reiche Kinder auf der Flucht vor ihren eigenen Privilegien und der damit einhergehenden Verantwortung. Doch ihr Ausbruch in die Natur hält nicht das, was er verspricht: „Wir haben Alles wohl anders geträumt mit unseren Büchern hinter den Mauern unseres Gartens, zwischen unseren Myrthen und Oleandern. – O die Welt ist abscheulich!“ (Akt 2, Szene 1). Das wohlige Nest des Hofes steht ihnen zum Glück jederzeit zur Verfügung, sie haben quasi ein Open Return Ticket. Über diese Art der Absicherung können sich nur einige wenige Menschen freuen. Leonce und Lena beschließen das Theaterstück mit einer Traumvorstellung einer nahenden Zukunft: „Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, daß es keinen Winter mehr giebt und die uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren, und wir das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeern stecken“ (Akt 3, Szene 3). Kein Ausbruch mehr nötig, kein Eindringen mehr möglich.
Briefe von Georg Büchner:
An Gutzkow, Straßburg 1835:
Ich werde ganz dumm in dem Studium der Philosophie; ich lerne die Armseligkeit des menschlichen Geistes wieder von einer neuen Seite kennen. Meinetwegen! Wenn man sich nur einbilden könnte, die Löcher in unseren Hosen seien Palastfenster, so könnte man schon wie ein König leben, so aber friert man erbärmlich.
An Wilhelm Büchner, Straßburg 1836:
Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie gelegt, und werde in Kurzem nach Zürich gehen, um in meiner Eigenschaft als überflüssiges Mitglied der Gesellschaft meinen Mitmenschen Vorlesungen über etwas ebenfalls höchst Überflüssiges, nämlich über die philosophischen Systeme der deutschen seit Cartesius und Spinoza, zu halten. – Dabei bin ich gerade daran, sich einige Menschen auf dem Papier totschlagen oder verheiraten zu lassen, und bitte den lieben Gott um einen einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit so wenig Geschmack, als möglich.
An die Braut, Zürich 1837:
Ich werde in längstens acht Tagen Leonce und Lena mit noch zwei weiteren Dramen erscheinen lassen.
Super Rich Kids – Frank Ocean:
Start my day up on the roof
There's nothing like this type of view
Point the clicker at the tube
I prefer expensive news
New car, new girl
New ice, new glass
New watch, good times, babe
It's good times, yeah
She wash my back three times a day
This shower head feels so amazing
We′ll both be high, the help don′t stare
They just walk by, they must don't care
A million one, a million two
A hundred more will never do
Real love
I'm searching for a real love
Oh, real love
I′m searching for a real love
Oh, real love
We end our day up on the roof
I say I'll jump, I never do
But when I'm drunk, I act the fool
Talking ′bout, "Do they sew wings on tailored suits?"
I′m on that ledge, she grabs my arm, she slaps my head
It's good times, yeah
My silver spoon has fed me good
A million one, a million cash
Close my eyes and feel the crash
Too many bottles of this wine we can′t pronounce
Too many bowls of that green, no Lucky Charms
The maids come around too much
Parents ain't around enough
Too many joyrides in daddy′s Jaguar
Too many white lies and white lines
Super rich kids with nothing, but loose ends
Super rich kids with nothing, but fake friends
Real love (ain't that something rare?)
I'm searching for a real love (talking ′bout real love)
Real love, yeah
Real love (real love)
I′m searching for a real love
Talking 'bout real love
There's nothing like this type of view
Point the clicker at the tube
I prefer expensive news
New car, new girl
New ice, new glass
New watch, good times, babe
It's good times, yeah
She wash my back three times a day
This shower head feels so amazing
We′ll both be high, the help don′t stare
They just walk by, they must don't care
A million one, a million two
A hundred more will never do
Real love
I'm searching for a real love
Oh, real love
I′m searching for a real love
Oh, real love
We end our day up on the roof
I say I'll jump, I never do
But when I'm drunk, I act the fool
Talking ′bout, "Do they sew wings on tailored suits?"
I′m on that ledge, she grabs my arm, she slaps my head
It's good times, yeah
My silver spoon has fed me good
A million one, a million cash
Close my eyes and feel the crash
Too many bottles of this wine we can′t pronounce
Too many bowls of that green, no Lucky Charms
The maids come around too much
Parents ain't around enough
Too many joyrides in daddy′s Jaguar
Too many white lies and white lines
Super rich kids with nothing, but loose ends
Super rich kids with nothing, but fake friends
Real love (ain't that something rare?)
I'm searching for a real love (talking ′bout real love)
Real love, yeah
Real love (real love)
I′m searching for a real love
Talking 'bout real love
Diesen Auszug aus dem Song „Supoer Rich Kids“ von Frank Ocean singt das „Leonce und Lena“-Ensemble live auf der Bühne.
Glossar:
in effigie:
in effigie – bildlich, symbolisch, stellvertretend. Im 19. Jahrhundert gab es die rechtsgültige Praxis, dass beispielsweise die Exekution eines flüchtigen Straftäters stellvertretend durchgeführt werden konnte. Dafür wurde zumeist eine Puppe öffentlich geköpft, gehängt oder verbrannt. Durch die Vermählung zweier Puppen (oder Automaten) zu Ende des Lustspiels „Leonce und Lena“ wird also eine rechtkräftige Ehe geschlossen.
Lazzaroni:
Lazzaroni – Mit dem Begriff Lazzaroni wurden vom 17. bis 19. Jahrhundert obdachlose Menschen vor allem in der Region um Neapel bezeichnet. Unter anderem haben die Philosophen und Schriftsteller Hegel, Fichte und Goethe über die Lazzaroni in Italien berichtet. Lazzaroni waren dafür berüchtigt sich in Aufständen gegen den Adel zu wenden. Wenn Prinz Leonce ausruft, dass er ein Lazzaroni werden möchte, so stellt er sich damit auch gegen seine eigene Klasse.
Weiterführende Inhalte:
„Lob der Melancholie“ von László F. Földényi:
Der ungarische Schriftsteller László F. Földényi spricht in dem Interview über die Melancholie in Kunst, Literatur, Architektur und im heutigen Leben.
Rainald Goetz und die Jugend:
Der Autor Rainald Goetz proklamiert in seiner Dankesrede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2015, dass das Werk Georg Büchners gleichzusetzen sein mit „Jugend“.