Handlung:
Die verfeindeten Familien Montague und Capulet sorgen in Verona für (Straßen-)Kämpfe und heftige Auseinandersetzungen, sobald sie aufeinandertreffen. Romeo Montague, sein Cousin Benvolio und Mercutio bekommen mit, dass bei den Capulets ein Fest stattfindet. Heimlich gehen sie dorthin und Romeo trifft auf Julia Capulet. Die beiden verlieben sich sofort ineinander und werden kurz darauf heimlich von Lorenzo, mit Hilfe von Anne, getraut. Nach der Hochzeit kommt es zu einem schlimmen Streit, bei dem Tybalt, Julias Cousin, Mercutio tötet und Romeo Tybalt umbringt. Daraufhin wird Romeo aus Verona verbannt. Bevor er die Stadt verlässt, verbringen die beiden Liebenden eine erste und letzte Nacht miteinander. Am Morgen danach erfährt Julia, dass sie den Adligen Paris heiraten soll und wendet sich in ihrer Verzweiflung an Lorenzo. Die beiden schmieden einen Plan: Damit Julia nicht Paris heiraten muss, soll sie ein Mittel nehmen, das sie wie tot erscheinen lässt. Lorenzo soll dafür sorgen, dass Romeo darüber informiert wird. Doch der Plan geht schief: Romeo erhält nur die Nachricht, dass Julia tatsächlich tot sei, und kauft sich bei einem Apotheker ein Gift, um sich selbst zu töten. Er kehrt zurück nach Verona, um bei Julia in ihrer Gruft zu sterben. Dort angekommen, tötet er Paris, der neben Julias scheinbar leblosem Körper trauert, und nimmt das Gift. Als Julia erwacht, sieht sie den toten Romeo neben sich liegen und bringt sich um.
Text: Cosma Corona Hahne
Über die Inszenierung:
„Krieg! Krieg herrscht zwischen unsern Herrn und uns, den Knechten!“:
Willkommen in Verona, einer Stadt im Ausnahmezustand, in der eine Extremsituation der nächsten folgt. Hier wird der Alltag von den (Straßen-)Kämpfen zwischen zwei Familien, den Montagues und Capulets, überschattet. Die beiden Patriarchen steuern diese Auseinandersetzung aus ihren Hinterzimmern und heizen den Konflikt an. Das Leben in der Stadt ist ein fragiles Gefüge; Kommunikation zwischen den beiden Fronten findet fast ausschließlich über physische und verbale Gewalt statt.
Partys, Sex und Drogen werden zum Zufluchtsort einiger Figuren, dennoch kann sich niemand dem Kontrollbereich der Machthaber und dem allgegenwärtigen Konflikt entziehen: Nicht nur wegen einer sich schnell verbreitenden Krankheit werden Beziehungen verhandelbar und zu hohen Risiken. (Falsch-) Informationen verbreiten sich zwischen Schönheitswerbung und Kriegsszenerien wie ein Lauffeuer. Von dem Hass und der Kontrolle zweier Machtzentren geprägte junge Menschen ohne Rückzugsort werden zu tickenden Zeitbomben – jederzeit bereit zu explodieren.
Trotz ihrer Feindschaft verlieben sich Romeo und Julia ineinander – kompromisslos und überzeugt von ihrer Liebe, versuchen sie gegen jenes System anzusteuern, das auf Kontrolle und Unterwerfung basiert. Sie stellen sich gegen den Hass und gehen für die Freiheit ihrer großen Liebe bis in den Tod.
Partys, Sex und Drogen werden zum Zufluchtsort einiger Figuren, dennoch kann sich niemand dem Kontrollbereich der Machthaber und dem allgegenwärtigen Konflikt entziehen: Nicht nur wegen einer sich schnell verbreitenden Krankheit werden Beziehungen verhandelbar und zu hohen Risiken. (Falsch-) Informationen verbreiten sich zwischen Schönheitswerbung und Kriegsszenerien wie ein Lauffeuer. Von dem Hass und der Kontrolle zweier Machtzentren geprägte junge Menschen ohne Rückzugsort werden zu tickenden Zeitbomben – jederzeit bereit zu explodieren.
Trotz ihrer Feindschaft verlieben sich Romeo und Julia ineinander – kompromisslos und überzeugt von ihrer Liebe, versuchen sie gegen jenes System anzusteuern, das auf Kontrolle und Unterwerfung basiert. Sie stellen sich gegen den Hass und gehen für die Freiheit ihrer großen Liebe bis in den Tod.
Text: Lamees Kanmaz
„Die Pest auf eure beiden Häuser.“:
William Shakespeare, einer der berühmtesten Dichter der Weltliteratur, schrieb „The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet“ vermutlich zwischen 1591 und 1596. In dieser Zeit wütete die Pest in England: Im Jahr 1593 kam es zu einer besonders schweren Pestwelle, während der auch die Theater schließen mussten. Seine Schilderung der sozialen Unruhen und der omnipräsenten Unsicherheit, die sich durch die Pest geschädigte Gesellschaft zog, überträgt Charlotte Sprenger in ihrer Inszenierung in eine festgefahrene, materialistische Welt, in der alle Figuren unter Druck stehen und das Schicksal immer wieder zuschlägt. Julia ist hier keine Vierzehnjährige, die im Nachtkleid auf Romeo wartet und am Balkon steht, sondern eine junge Frau, die sich bewusst für die Liebe zum Feind entscheidet und sich mit ihrem eigenen Nagelstudio unabhängig machen will, während Romeo seinen Platz in der Welt nicht zu finden vermag und in den Strudel der Gewalt gerät.
Aleksandra Pavlović entwickelt mit ihrer Bühne und ihren Kostümen ein eigenes Universum, in dem die Brücke als Symbol für Straße und Krieg im Kontrast zur klaren Ästhetik des Nagelstudios steht. Max Schlehuber verwendet Live-Video und weitere Videomittel, die die Sehgewohnheiten von Social Media, Werbung und Filmen aufgreifen und neu interpretieren. So entstehen mehrere Ebenen, die auf unsere Gegenwart verweisen. Philipp Plessmanns surrealer und dynamischer Soundtrack zu „Romeo und Julia“ erschafft eine Musik, welche die zerrissene Welt von „Romeo und Julia“ gestaltet.
Aleksandra Pavlović entwickelt mit ihrer Bühne und ihren Kostümen ein eigenes Universum, in dem die Brücke als Symbol für Straße und Krieg im Kontrast zur klaren Ästhetik des Nagelstudios steht. Max Schlehuber verwendet Live-Video und weitere Videomittel, die die Sehgewohnheiten von Social Media, Werbung und Filmen aufgreifen und neu interpretieren. So entstehen mehrere Ebenen, die auf unsere Gegenwart verweisen. Philipp Plessmanns surrealer und dynamischer Soundtrack zu „Romeo und Julia“ erschafft eine Musik, welche die zerrissene Welt von „Romeo und Julia“ gestaltet.
Text: Cosma Corona Hahne
Stoffgeschichte:
Die Geschichte der beiden Liebenden aus feindlichen Häusern, die mit dem verbreiteten Märchenmotiv der zwei Königskinder verwandt ist, wurde in der italienischen Novellenliteratur des 16. Jahrhunderts mehrfach gestaltet. Die bekannteste Version, Matteo Bandellos „Romeo e Giulietta“ (1554), hat bereits im Wesentlichen den gleichen Handlungsverlauf und das gleiche Figurenensemble wie Shakespeares „Romeo and Juliet“. Auch in Frankreich und England war die Geschichte durch mehrere Übersetzungen und Bearbeitungen bekannt.
Shakespeares Hauptquelle ist ein Werk seines Landsmannes Arthur Brooke, „The Tragicall Historye of Romeus and Juliet“ (1562), ein langes und langatmiges Versepos. Shakespeare lässt die Umrisse der Geschichte intakt, erfindet kaum etwas hinzu und übernimmt sogar mitunter Formulierungen von Brooke.
Shakespeares Hauptquelle ist ein Werk seines Landsmannes Arthur Brooke, „The Tragicall Historye of Romeus and Juliet“ (1562), ein langes und langatmiges Versepos. Shakespeare lässt die Umrisse der Geschichte intakt, erfindet kaum etwas hinzu und übernimmt sogar mitunter Formulierungen von Brooke.
Aus: Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer, Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2015, S. 309–310.
Arthur Brooke: The Tragicall Historye of Romeus and Juliet, 1562
„Wenn wir uns entscheiden zu lieben, entscheiden wir uns dafür, uns gegen die Angst zu stellen – gegen Entfremdung und Trennung. Die Entscheidung zu lieben ist die Entscheidung, sich zu verbinden – uns selbst im Anderen zu finden.“
Aus: bell hooks: All About Love. New Visions, New York, 2000, S. 93.
Romeo-und-Julia-Effekt:
Warum haben Dinge oft dann den größten Reiz, wenn sie verboten sind? Warum wächst Begehren häufig nicht trotz, sondern wegen eines Widerstands? Die Psychologie kennt dieses Paradoxon unter dem Begriff Reaktanz. Psychologische Reaktanz bezeichnet einen Zustand, der in der Regel durch psychischen Druck, z. B. durch Drohungen oder durch die Einschränkung von Freiheitsspielräumen ausgelöst wird.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen am sogenannten „Romeo-und-Julia-Effekt“. Studien belegen, dass romantische Anziehungen oft intensiver erlebt werden, wenn äußere Instanzen sie spürbar ablehnen, etwa durch elterliche Verbote oder die Missbilligung des sozialen Umfelds. Durch das Gefühl der Einengung und den Verlust der Autonomie verstärkt der äußere Widerstand die emotionale Bindung, da die Beziehung zu einem symbolischen Freiheitskampf wird.
Auch Romeo und Julia stellen sich gegen die Zwänge des gesellschaftspolitischen Kontexts, in dem sie leben. Sie kämpfen durch ihre Liebe gegen jenes System an, das vom Hass ihrer mächtigen Eltern geprägt ist und sich in die gesamte Gesellschaft hineinfrisst. Romeo und Julia werden sowohl in ihrer Liebe zueinander als auch in ihrem individuellen Lebensalltag einer extremen Kontrolle und Freiheitseinschränkung ausgesetzt. Der Kampf um ihr Liebesglück wird zum Kampf um Freiheit und Emanzipation.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen am sogenannten „Romeo-und-Julia-Effekt“. Studien belegen, dass romantische Anziehungen oft intensiver erlebt werden, wenn äußere Instanzen sie spürbar ablehnen, etwa durch elterliche Verbote oder die Missbilligung des sozialen Umfelds. Durch das Gefühl der Einengung und den Verlust der Autonomie verstärkt der äußere Widerstand die emotionale Bindung, da die Beziehung zu einem symbolischen Freiheitskampf wird.
Auch Romeo und Julia stellen sich gegen die Zwänge des gesellschaftspolitischen Kontexts, in dem sie leben. Sie kämpfen durch ihre Liebe gegen jenes System an, das vom Hass ihrer mächtigen Eltern geprägt ist und sich in die gesamte Gesellschaft hineinfrisst. Romeo und Julia werden sowohl in ihrer Liebe zueinander als auch in ihrem individuellen Lebensalltag einer extremen Kontrolle und Freiheitseinschränkung ausgesetzt. Der Kampf um ihr Liebesglück wird zum Kampf um Freiheit und Emanzipation.
Text: Lamees Kanmaz
Weiterführende Inhalte:
Das Leben des William Shakespeare:
Shakespeare ist einer der wichtigsten und berühmtesten Dramatiker der Weltliteratur. Allerdings ist von ihm kein einziges Manuskript erhalten. Seine Stücke liegen ausschließlich in gedruckter Form vor. Diese Tatsache hat zu mancherlei Spekulation Anlass gegeben - zum Beispiel über die wahre Autorenschaft seiner Werke. Auch die lückenhafte Vita lässt reichlich Raum für die wildesten Vermutungen hinsichtlich der wahren Identität Shakespeares. So heißt es mitunter etwa, er sei Spion oder Propagandaminister gewesen.
Oligarchen: Wenn reiche Männer nach der Macht greifen:
Beobachter sehen eine Oligarchisierung der US-amerikanischen Gesellschaft in der zweiten Amtszeit von Präsident Trump. Das Phänomen, dass Superreiche auch nach politischer Macht streben, ist in der Geschichte nicht neu.
„Er überlebte die Nazis, aber nicht die Kapitalisten“: Die Brücke, die Belgrad auf dem Wasser im Weg stand:
In Aleksandra Pavlovićs Bühnenbild befindet sich eine Brücke, deren Vorbild die 2025 abgerissene Save-Brücke in Belgrad ist. Der Abbau führte zu großen Protesten, da er das Verkehrschaos vergrößert und mit dem Prestige-Projekt „Belgrad am Wasser“ verbunden ist.
„Generation Corona?“ Jugend und (mentale) Gesundheit:
Die Pandemie lenkt Aufmerksamkeit auf ein bereits zuvor aktuelles Jugendthema.
Das Orakel spricht:
Wir leben in einer Kultur, die sich immer obsessiver mit der Optimierung unserer Gesundheit beschäftigt. Bisher haben wir aber immer noch keine Antwort darauf, warum wir überhaupt so lange wie irgend möglich auf diesem Globus herumturnen sollten. In ihrem neuen Buch untersucht Liv Strömquist sieben „Influencer“ und ihre Ratschläge für ein besseres Leben.