»Startbahn I«
Manon Andral, Kristin Bjerkestrand
Foto: De-Da Productions
»Startbahn I«
Kristin Bjerkestrand, Ramon John, Masayoshi Katori
Foto: De-Da Productions
»Startbahn I«
Masayoshi Katori, Manon Andral
Foto: De-Da Productions
»Startbahn I«
Isidora Markovic
Foto: De-Da Productions
»Startbahn I«
Margaret Howard, Daniel Myers, Kristin Bjerkestrand
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Tatsuki Takada
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Greta Dato, Vanessa Shield
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Jiyoung Lee
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Rita Winder, Marcos Novais
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Jorge Moro Argote, Isidora Markovic
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Rita Winder, Marcos Novais
Foto: De-Da Productions
»Startbahn II«
Greta Dato
Foto: De-Da Productions

In einer Tanzkompanie von der Größe des Hessischen Staatsballetts kommen in seinem 28-köpfigen Ensemble viele künstlerische Einzelstimmen zusammen. Dieser Reichtum an Kreativität findet besonderen Ausdruck im Projekt Startbahn 2020.

Nach einer sehr erfolgreichen ersten Auflage des Formats im Jahr 2017, starten dieses Mal 12 Tänzer*innen als Choreograf*innen durch. Das Startbahn-Konzept sieht vor, einen Möglichkeitsraum zu schaffen, in dem Mitglieder des Ensembles erste choreografische Schritte unternehmen. Die dabei entstehenden Kurzchoreografien sind thematisch wie ästhetisch individuell. Getragen von einer großen Experimentierfreude probieren die Choreograf*innen eigene Konzepte aus, entwickeln persönliche Tanzstile und kultivieren neue Formen tänzerischen Ausdrucks.

Aufgrund der beispiellosen Ausnahmesituation, die uns bedingt durch das Corona-Virus seit nunmehr zwei Monaten begleitet und die Kulturlandschaft nachhaltig prägt, ist Startbahn 2020 die letzte Premiere des Hessischen Staatsballetts in dieser Spielzeit 2019/20. Das Projekt wurde größer angelegt als ursprünglich geplant und lässt sich nicht unabhängig sehen von seinem Entstehungskontext in einer Zeit, in der Social Distancing die Bewegungskunst wortwörtlich auf »Dis-Tanz« hält.

Das Hessische Staatsballett nimmt die große Herausforderung an, den Tanz ganz neu zu denken. In zwei Teilen an zwei Abenden wird am 5. Juni mit Startbahn I und am 6. Juni mit Startbahn II der Tanz im Kleinen Haus umso vielseitiger auf die Wiesbadener Bühnen zurückkehren.
Startbahn I
In »Deep art, yours …« von Ramon John steht die Menschheit kurz vor dem Aufbruch zu einem neuen Planeten. Am Vorabend der Abreise findet leicht melancholisch eine letzte Feier auf Erden statt, denn welche Gesellschaftsform folgt steht in den Sternen. Dem wechselseitigen Verhältnis von Präsenz und Abwesenheit folgt Masayoshi Katori in »Prelude to Act 1«. Bezogen auf die gegenwärtige Situation fragt er nach dem, was schon immer gewesen ist und gleichzeitig noch nicht einmal begonnen hat. Auf Kollisionskurs mit der Fantasie geht die Realität in »The Circle« von Daniel Myers, wenn Sicherheit sich ins Risiko mischt und der Tod das Leben umarmt. Ein symbolischer Akt der Selbstzerstörung im Spannungsfeld von Macht und Schuld wird in »went walking through paradise« von Ezra Rudakova thematisiert. Dort versiegt ein Mann die einzige Einkommensquelle, um seine Familie und sich selbst zu retten. Im Dialog mit sich und dem sie umgebenden Raum steht Isidora Markovic im Selbstsolo »As small as a world, as large as alone«. Zur eigens komponierten Musik von Sara Stevanović geht es um den Versuch auszubrechen auf der Suche nach Begegnung.
Startbahn II
In »Mask 1522« fragt Alessio Damiani danach, wie Gewalt in der Liebe existieren kann? Dieses Oxymoron untersucht er vor dem Hintergrund einer häuslichen Gewaltzunahme gegenüber Frauen während des sogenannten »Lockdowns«. Um das gegenseitige Miteinander, die kleinen Gesten der alltäglichen Kommunikation, um das Du und das Ich geht es in »Two, This« von Meilyn Kennedy. Gaetano Vestris Terrana setzt sich in »Courante« mit Johann Sebastian Bachs »Cello-Suiten« auseinander. Der Gesellschaftstanz der späten Renaissance und des Barocks erfährt in seiner Choreografie eine moderne Deutung. Die Bestrafung des Narziss mit unstillbarer Selbstliebe durch Nemesis nimmt Ludmila Komkova zur Grundlagein ihrer choreografischen Interpretation »Narcissus« von Nicolai Tscherepnins »Narcisse et Echo«, das sie in einem Solo für einen Tänzer inszeniert. Marcos Novais wird in »Bento de Almeida« von der Geschichte seiner Großeltern inspiriert. In seinem Stück geht es um den sehnsuchtsvollen Verlust einer lebenslangen Liebe und deren Wiedervereinigung im Tod. Das Thema Verlust in einem allumfassenden Sinn bewegt auch Rita Winder in ihrem Stück »Threshold«. Sie beschreibt darin den Umgang des Menschen mit Veränderung als einen von Zerrissenheit geprägten lebenslangen Schwellenzustand und Prozess des Werdens. In »Nuance« behandelt Greta Dato in einem für sie selbst choreografierten Solo die Farbenvielfalt in einer variationsreichen und komplexen Welt. Im Zuge ihrer tänzerischen Innenschau setzt sie sich dabei mit »ihrem Rotton« auseinander.

Besetzung

Choreografie Tänzerinnen & Tänzer des Hessischen Staatsballetts
Dramaturgie Lucas Herrmann