Konzert

2. Sinfoniekonzert

Johann Sebastian Bach »O Ewigkeit, du Donnerwort«, BWV 60
Bernd Alois Zimmermann »Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne«
Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 WAB 109
Mi, 25.10.2023
SinfoniekonzertKurhaus19:30
18:45 Einführung im Friedrich-von-Thiersch-Saal
Foto: Anna Meuer
» Die ›Kugelgestalt der Zeit‹, von der Zimmermann gerne sprach, wird in diesem Programm hör- und greifbar. Alle drei Stücke stellen gleiche Fragen, nach Ewigkeit, nach letzten Dingen… Die Zeit ändert sich, die Musiksprache ändert sich, es ändert sich nicht die Suche nach dem Metaphysischen. Das geht unter die Haut, unsere Haut von heute.« – Johannes Klumpp
Wenn es einen Gott gibt, warum lässt er dann all das Unrecht in der Welt zu? Diese Frage beschäftigte Bernd Alois Zimmermann, der sein Leben lang mit der Schuldfrage nach dem Holocaust rang. Seine »Ekklesiastische Aktion« mit dem Titel »Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne« ist Ausdruck von Zimmermanns Verzweiflung über das ewig wiederkehrende menschliche Leid und den Machtmissbrauch der katholischen Kirche. Texte aus dem Kohelet und Dostojewskis Roman »Die Brüder Karamasow« sind hier miteinander verwoben. Der Höhepunkt besteht im simultanen Aufeinandertreffen aller Ebenen: Sprache und Gesang, Bibeltexte und Dostojewski. Zum Schluss zitiert Zimmermann den Schlusschoral der Kantate »O Ewigkeit, du Donnerwort«: »Es ist genug; Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus!« Die tröstliche Fortsetzung »Mein Jesus kömmt« spart Zimmermann aus. Fünf Tage nach Abschluss der Partitur beging er Suizid. Er hatte genug Unrecht gesehen. Auch Anton Bruckners »dem lieben Gott« gewidmete 9. Sinfonie ist ein letztes Werk. Vor Fertigstellung der Partitur starb Bruckner 1896, wesentliche Teile des 4. Satzes sind verschollen. Und doch wirkt die Sinfonie mit dem tief bewegenden Adagio des 3. Satzes abgeschlossen. Es ist ein Abschiedsgesang, wie ein Übergang in eine andere Welt.

Termine

SinfoniekonzertKurhaus19:30
18:45 Einführung im Friedrich-von-Thiersch-Saal