Schauspiel

Kaspar

Von Peter Handke
Übernahme einer Produktion des Staatstheaters Mainz

Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Felix Mühlen
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Felix Mühlen, Janning Kahnert, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Felix Mühlen, Stefan Graf
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Stefan Graf, Felix Mühlen
Foto: Andreas Etter
Stefan Graf
Foto: Andreas Etter

»Kaspar zeigt nicht, wie es wirklich ist oder wirklich war mit Kaspar Hauser. Es zeigt, was möglich ist mit jemandem«, schreibt Peter Handke. Der historische Fall des geheimnisvollen Findlings wird in seinem Stück zum Modell für einen Zivilisierungsprozess, der in Zerstörung der Identität mündet. Es »könnte auch Sprechfolterung heißen«, bringt er weiter auf den Punkt: Der schmerzhafte Vorgang der Sozialisation wird sichtbar als Prozess des Spracherwerbs durch Manipulation von außen. Sprache ist dabei nicht nur Zugang zur Welt, indem sie Strukturen bietet und bildet, sie vermittelt gleichzeitig wünschenswerte Denkmuster und Ideologien, bereitet vor zur Tauglichkeit in der Massengesellschaft.

Das Stück, uraufgeführt 1968 am Tag der Verabschiedung der Notstandsgesetze, passte in die Zeit gesellschaftlicher Fundamentalkritik. Die »handwerklich exakte, psychologisch überzeugende, abgründig kabarettistische, naiv clowneske« (Frankfurter Neue Presse) Inszenierung von Jan Philipp Gloger schafft den Spagat zwischen bitterböser Zeitdiagnose und hochvergnüglichem Sprach-Spiel. Denn bei aller Abstraktion stecken die Litaneien, die Handke über seinen Kaspar herfallen lässt, voller unerwarteter Nonsens-Funde, führen lustvoll die Geburt der Phrase aus dem Geist der Konsensfähigkeit vor.

Pressestimmen

Der Handke-Kaspar lernt Sprache als Domestizierungsmittel. Die Gloger-Inszenierung pustet die staubtrockene Suada mit Fantasie und Witz in den gesamten Raum des Kleinen Hauses.
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 11.03.2016
Das Trio liefert einen sehr witzigen Schlagabtausch der Worte und Sätze, führt kleine Spiele von Zwang und Manipulation vor, treibt die Geschichte aus der Biedermeier-Wohnstube vom Schulzimmer in die Uni, an der plötzlich drei Handkes auftauchen, um im komischen Kampf mit dem Mikrofon dem Sprechzwang zu trotzen, und als die Sprache die Identität geformt hat, singen sie säuselnd in der großen Show der Anpassung. Da sitzen die Bügelfalten der Sprache wie die im Anzug, und so komisch das ist, zeigt es auch, dass sich der angeklagte Hintersinn von Handkes »Kaspar« im Laufe der Jahrzehnte seine Schärfe kaum verloren hat.
Darmstädter Echo, 25.09.2013
Da ist man schon mitten in der Inszenierung, die, perfekt temporeich strukturiert und rhythmisiert, aus Papier Theater macht. Das fabelhafte Spielertrio bietet virtuose Sprachjonglage und Sprechakrobatik, spießt Biedermeier und Banker, Psychiatrie und Lifestyle auf, spricht, schweigt, singt, tanzt und ringt, dass es eine Wonne ist. Der Sieg des lebendigen Spiels über den toten Text.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.09.2013, 11.03.2016
Mit Theaterlust und -handwerk zelebriert das Trio Clownerien. Ein nicht vorhandenes Fensterglas wird unter vokal produziertem Geräusch geputzt: Kabinettstückchen, die vom Publikum lachend goutiert werden. Ein laustarker Protestler aus der hintersten Reihe beschwört den Tumult studentischer Versammlungen der 68er Jahre. Der Autor selbst tritt als Parodie in Erscheinung. [...] Handkes sprachphilosophisch motivierte Sprechpartitur, gespickt mit groteskem Witz und sprachlichem Slapstick, erscheint erneuter Befragung wert.
Frankfurter Rundschau, 23.09.2013, 11.03.2016
Gloger, der immer aus einem musikalischen Geist heraus arbeitet und dabei den Texten auf den Grund zu gehen versucht, arbeitet die Modulationen, den Rhythmus heraus, die Reime und Fugen. Und so können seine drei Darsteller auch das hervorholen, was dem »Kaspar« so oft zu fehlen scheint: eine bitterböse, hoch unterhaltsame Komik. Das Publikum war begeistert.
FAZ Rhein-Main, 23.09.2013, 11.03.2016