Fr, 20.03.2020
GROSSES HAUS19:30
Igor Strawinskys »Le sacre du printemps« ist als Skandalstück in die (Tanz-)Geschichte eingegangen. Die Uraufführung in einer choreografischen Version von Vaslav Nijinsky mit dem Ballet Russes in Paris wurde von tumultartigen Protesten, Pfiffen und Buhrufen quittiert. Es folgten weitere getanzte Versionen dieser Musik durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch – so etwa von Mary Wigman, Pina Bausch, Sasha Waltz und John Neumeier, in dessen Version aus dem Jahr 1972 das letzte Solo von einer nackten Tänzerin getanzt wurde. Der Doppelabend »Le sacre du printemps« stellt nun in der Spielzeit 2019.2020 die Frage, was das Frühlingsopfer für uns heute bedeuten kann. Edward Clugs 2012 in Maribor uraufgeführte Choreografie lässt die ursprüngliche Thematik der Musik – das heidnische Ritual, das ein Mitglied der Gemeinschaft nicht überleben wird – gewissermaßen über aller zeitlichen Verortung schweben: Zwischen der brachialen Wucht einer natürlichen Urgewalt und einer beinahe hypnotischen Hingabe an die Musik entspannt sich Clugs Version und verschleiert dabei weder die archaische Energie der Vorlagen noch die vielschichten Traditionen und die Rezeptionsgeschichte dieses Stoffes. Eigens für das Hessische Staatsballett wird der aus Puerto Rico stammende Bryan Arias mit »29 May 1913«, dessen Titel auf das Uraufführungsdatum des Werkes anspielt, ein neues Stück auf Basis des Frühlingsopfers kreieren. Als Fortführung wird er grundlegende Motive dieser europäischen Tanzgeschichte einmal mehr ins 21. Jahrhundert überführen, in der alles erlaubt ist – außer Strawinskys Musik, die an diesem Abend nur zu Edward Clugs Choreografie erklingen wird.

Besetzung

Le sacre du printemps

Choreografie Edward Clug
Licht Tomaž Premzl
Bühne Marko Japelj
Kostüme Leo Kulaš

29 May 1913

Choreografie Bryan Arias
Projektionen / Bühne Tabea Rothfuchs
Kostüme Carlijn Petermeijer
Licht Yu-Chen Hung
Musik Dmitri Savchenko-Belski