Oper

The Turn of the Screw

Benjamin Britten (1913 – 1976)
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Oper in einem Prolog und zwei Akten | Libretto: Myfanwy Piper, nach der Erzählung von Henry James | Uraufführung: 1954 in Venedig

Eine Produktion des Theaters an der Wien

Aufführungen 01./10.05.2015 (Internationale Maifestspiele)
und vom 06.06. bis 09.07.2015

Claudia Rohrbach, Stella An, Yorick Ebert
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Yorick Ebert, Claudia Rohrbach
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Stella An, Claudia Rohrbach
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Helen Donath, Claudia Rohrbach
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Thomas Piffka
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Claudia Rohrbach, Helen Donath
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Claudia Rohrbach
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Victoria Lambourn, Claudia Rohrbach
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Thomas Piffka, Yorick Ebert
Foto: Karl-Bernd Karwasz
Claudia Rohrbach, Thomas Piffka
Foto: Karl-Bernd Karwasz

Als ob man eine Schraube immer weiter drehte, tiefer und tiefer, fester und fester, so setzt sich im Kopf der jungen Gouvernante aus Henry James Novelle die Idee fest, die von ihr gehüteten Kinder seien böse, hätten einen Pakt mit zwei Toten geschlossen. »A turning of the screw«, das war auch Henry James’ dramaturgischer Ansatz, demzufolge er es dem Zuschauer immer »unangenehmer« machen wollte bei der lustvoll schaudernden Lektüre seiner finsteren Erzählung. Benjamin Brittens Kammeroper steht dem an Spannung, Psychologie und Vergnügen in nichts nach.
 
Die Partie des Verführers Quint, der die Vorgängerin der Gouvernante ins Unglück stürzte und nun den Jungen Miles zu sich ins Totenreich holen will, schrieb Britten für seinen Lebensgefährten, den Tenor Peter Pears. Nur vier Monate arbeitete er an der Musik, die Uraufführung erfolgte 1954 in Venedig. Henry James’ Novelle enthält eines der zentralen Themen Brittens: die Korruption der Unschuld. Immer wieder wob er in die Handlungen seiner Opern den Gegensatz von Gut und Böse ein, sei es in »Billy Budd« oder »The rape of Lucretia«. Für die Welt der Lebenden entwirft er denn auch eine klare, simple Musik, während die Geister der Toten mit verführerischen, komplexen Klängen zu locken wissen. Aus dem Zwölfton-Thema des Anfangs, Klangbild für die Drehbewegung, entstammt fast das ganze musikalische Material der Oper – eine hohe Konzentration, die die Klaustrophobie der kleinen Gesellschaft auf dem englischen Landsitz spürbar macht.
Britten fühlte sich lebenslang als Außenseiter. Heute zählt der Begründer des Aldeburgh Festivals zu den wichtigsten und meistgespielten Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts – als würdiger Nachfolger von Henry Purcell.
 

Besetzung

Musikalische Leitung Zsolt Hamar
Inszenierung Robert Carsen
Spielleitung Maria Lamont
Bühne & Kostüme Robert Carsen, Luis Carvalho
Licht Robert Carsen, Peter van Praet
Video Finn Ross
Associate Video Designer Leo Flint
Dramaturgie Ian Burton
Peter Quint Thomas Piffka
Gouvernante Claudia Rohrbach
Mrs. Grose Helen Donath
Miss Jessel Victoria Lambourn
Flora Stella An
Miles Knabensopran der Chorakademie Dortmund
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Eine zentrale Bedeutung kommt dem Bühnenbild zu, das tatsächlich ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk ist. Zusammen mit dem Bühnen- und Kostümbildner Luis Carvalho, dem Lichtregisseur Peter van Praet, dem Filmer Pinn Ross und dem Videodesigner Leo Flint hat Robert Carsen einen Illusionsraum geschaffen, in dem die Grenzen zwischen Sein und Schein, Ereignis und Traum, realen Personen und filmisch eingeblendeten Figuren verschwimmen und schließlich verschwinden. Unter der Leitung von Zsolt Hamar trägt das aus Mitgliedern des Hessischen Staatsorchesters gebildete Kammerensemble viel zum exzellenten Gesamteindruck bei. Hamar disponiert souverän, gestaltet umsichtig den Kontrast zwischen unheimlicher Handlung und einnehmendem Schönklang. Eine sehr überzeugende Leistung bieten die Sängerdarsteller. Ein Festspielauftakt nach Maß,stürmischer Schlussapplaus. 
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Benedikt Stegemann, 04.05.2015
Die subtil leidenschaftliche Darstellung wird durch die festspielwürdige Besetzung beglaubigt: Claudia Rohrbach, Mitglied im Ensemble der Oper Köln, ist eine ideale Gouvernante, jung und angenehm. Man glaubt sofort, dass sie von Liebe träumt, und man glaubt es auch ihrem weichen Sopran, der nie forciert oder hysterisch wirkt, und so selbstverständlich hofft und leidet und sich wieder fasst, dass die Schauspielqualitäten in der Musik Brittens wahrlich Gestalt annehmen. Als Gaststar und nobel undivenhaft tritt die große US-amerikanische Sängerin Helen Donath auf, die in diesem Sommer ihren 75. Geburtstag feiert und tadellos singt. Ausgezeichnet gelang die Besetzung der heimgesuchten Geschwister, mit Yorick Ebert (Knabenchor der Chorakademie Dortmund) und der kein Jahr älter wirkenden Sopranistin Stella An, einem glockenreinen Duo. Als Stummfilm-Bilderbuchgeist mit weißem Antlitz, langen schwarzen Haaren und schwarzen Lippen tritt Victoria Lambourn als tote Miss Jessel auf. Das personifizierte Böse ist Thomas Piffka als Quint. Generalmusikdirektor Zsolt Hamar dirigiert blitzsauber die stark geforderte Kammerformation, die am Ende der bejubelten Premiere ebenfalls und zu Recht auf der Bühne erschien.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 04.05.2015
Benjamin Brittens Kammeroper hat zum Auftakt der Internationalen Maifestspiele der Landeshauptstadt das Publikum im Wiesbadener Staatstheater begeistert. Die 1954 uraufgeführte Oper ist ein Klassiker des 20. Jahrhunderts, der es in sich hat. Das zeigt die suggestive Inszenierung kongenial und überzeugt am Ende wohl auch die letzten Skeptiker von ihrer Festspielwürdigkeit. Mit Bravorufen werden zudem Generalmusikdirektor Zsolt Hamar, seine Musiker und ein vorzügliches Sänger-Ensemble gefeiert.
Der Star des Abends ist Yorick Ebert, Solist der Chorakademie Dortmund, mit blitzsauberer Knabenstimme. Der junge Mann verfügt nicht nur über alle vokalen Qualitäten für diese Partie, er meistert sie auch szenisch mit beeindruckender Sicherheit. Als Schwesterchen Flora macht die zierliche, aber durchaus erwachsene Sopranistin Stella An eine gute Figur. Starke Sympathieträgerin ist die wunderbare Helen Donath, die ihre Stimme auch im 75. Lebensjahr noch erstaunlich präsent gehalten hat. Sie hat einst auch die Partie der Gouvernante gesungen, deren wachsende Verzweiflung nun von Claudia Rohrbach eindringlich nachvollzogen wird. Auf der Gespenster-Nachtseite singt Victoria Lambourn Miss Jessel. Thomas Piffka widmet sich mit bezwingend klarer Diktion dem Prolog, bevor er seine Stimme dem Dämon Peter Quint leiht und bedrohliche Schatten wirft.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 04.05.2015