Foto: Simon Hegenberg
Hinterland – das ist das Gebiet abseits der Metropolen, in den USA nennt man es Fly-Over-Country, und ein Versprechen: weniger Regeln, weniger Sicherheit, mehr Freiheit – ein Wasteland. Hier gilt das Gesetz der Stärkeren; wer nicht standhält, wird verdrängt. Hier ist es unwirtlich, dreckig und unaufgeräumt. Platz gibt’s genug. Utopien werden gelebt und verworfen. Moralische Gewissheiten und Gesetze sind weit weg. Es könnte die Keimzelle sein für den kommenden Aufbruch oder die Brutstätte für Gewalt und Verbrechen. Wollen Sie es kennenlernen? 

Hinterland ist längst mehr als ein geografischer Ort, es ist die Rückseite der politischen Korrektheit. Es ist die aufgestaute Wut über die scheinbar unveränderbaren Zustände, die als ungerecht und bedrückend empfunden werden. Hinterland ist eine mentale Haltung, die sich ausbreitet. Wenn die Innenstädte zum Wasteland werden,steigende Mieten Bewohner*innen an die Ränder verdrängen, dann ist Hinterland die Erfahrung der Ohnmacht, die Resignation vor dem Unabänderlichen der alltäglichen Erfahrung. Wer trifft die gesellschaftlich relevanten Entscheidungen? Sind es noch politische Repräsentant*innen oder schon längst multinationale Investmentfonds mit Briefkästen im Steuerparadies? 

Wie wäre es, das Hinterland zu besetzen? Es sich einfach anzueignen? Ein Neustart mitten im Dreck des Ungewissen. Würden wir es aushalten, der eigenen Wut zu begegnen? Haben wir den Mut, dem angeschossenen wütenden Tier des gefallenen Stolzes ins Auge zu sehen? Was, wenn es wirklich das Ende einer alten Zeit ist und der Westen als das gute, große Vorbild für alle ausgedient hat? Kommen die Sünden der Vergangenheit nun aus ihren Löchern und fordern uns heraus? Welchen Preis werden sie von uns verlangen? Welcome to Hinterland! Die Zukunft hat längst begonnen!