Schauspiel

Das Leben in Fragen und Ausrufen

Zettelkasten über die Ehe
Von Anton Tschechow
Deutsch von Peter Urban

Sólveig Arnarsdóttir, Tom Gerber, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber
Foto: Andreas Etter
Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Andreas Etter
Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Nils Strunk, Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Nils Strunk, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Andreas Etter
Sólveig Arnarsdóttir, Tom Gerber
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir, Nils Strunk
Foto: Andreas Etter
Nils Strunk, Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Andreas Etter

»Sie sagen, Sie hätten über meine Theaterstücke geweint. Sie sind nicht der einzige. Dazu habe ich sie aber nicht geschrieben«, kritisiert Anton Tschechow in einem Brief allzu »rührselige« Inszenierungen seiner Stücke. Bevor er der große Dramatiker wurde, als den wir ihn heute kennen und lieben, verfasste der junge Arzt Tschechow eine Fülle von Humoresken, Satiren und Anekdoten, die gesammelt u. a. in dem »Band Das Leben in Fragen und Ausrufen« erschienen sind. Ausgehend von diesen ungeschliffenen Perlen, die wir in einer angemessen respektlosen Collage mit Tschechows komödiantischen Einaktern und herzzerreißenden späteren Erzählungen kurzgeschlossen werden, wird dem seltsamen Phänomen Ehe auf den Grund gegangen: der potentiell lebenslangen Partnerschaft zweier Menschen als nicht selten wackliges Fundament der Gesellschafts-Keimzelle Familie. Das Leben ist die Ehe ist das Leben, in Fragen und Ausrufen. Mit Lust an Albernheit und Absurdität wollen wir – ganz im Sinne des frühen Spaß- und Spottvogels Tschechow – voller Humor »einfach und ehrlich sagen: schaut euch an, seht doch, wie schlecht und langweilig ihr euer Leben führt!« Und dabei nicht in Rührseligkeit am Samowar verweilen, sondern lustvollen Theaterspaß zelebrieren.

PREMIERE 5. Dezember 2015

Pressestimmen

Regisseurin Ulrike Arnold spitzt den Komödianten Tschechow zu, entwirft passend absurde, doch sehr genaue Bilder und hat drei Ensemblemitglieder, die sichere Balance halten zwischen Witz und Akkuratesse.

Nils Strunk ist ein Ausbund an Flexibilität unter den Darstellern. Autor, Braut, Bruder, Bube, Samowarträger, Gutsbesitzer, Gattin,Grieche... und sieht in seinen verschiedenen Rollen immer irgendwie auch anders aus...

Tom Gerber macht auch im männlichen Smoking mit Taschenuhr und Damenkette noch bella figura, wobei in seinem Auf- und Anzug zum »Heiratsantrag« ein bravourös nervöses Hemd steckt.

Sólveig Arnarsdóttir singt fein und schreit derb, strahlt socinemascopeweit, wie sie hinterm weißen Brautschleier belämmert klein in sich zusammensinkt und spricht sachte und sanft den Epilog.

Diese Tschechow-Produktion packt das Aufgedeckte konsequent in eine Schlag-auf-Schlag-Szenenfolge und lacht sich ins Fäustchen, wenn die Liebesblüten rieseln. Unterhaltsam, witzig, Beifallsstürme.
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 07.12.2015
Mehr grauer Himmel als in einem russischen Theaterstück? Von wegen: In Wiesbaden gibt es einen fröhlichen Tschechow-Abend.

Auf der Bühne geht es hier zu wie im Bewusstsein des Dichters. Da taucht ein Gedanke kurz auf, eine knappe Beobachtung menschlichen Verhaltens wird am Rande registriert, notiert und gerinnt zu einer drei, vier Minuten dauernden Szene.

In Wiesbaden steht endlich mal der urkomische Satiriker Tschechow, der menschliche Schwächen mit leichter Hand karikiert und verspottet, auf dem Programm. Nichts findet sich in den bisweilen geradezu ausgelassenen Blödeleien auf der kleinen Bühne von der gepflegten Melancholie wieder, mit der Tschechow sich hierzulande in die Herzen des Publikums gespielt hat.

Sólveig Arnardsóttir, Tom Gerber und Nils Strunk schlüpfen neunzig Minuten lang nur von Lichtwechseln unterbrochen in die verschiedenen Rollen und genießen es sichtlich, nach Herzenslust übertreiben zu dürfen.

Hier wird eher mit dem Hammer gespielt, was aber nicht zuletzt den Charme dieser kleinen Tschechow-Revue ausmacht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Matthias Bischoff, 08.12.2015