Jan Philipp Gloger

Regie
Geboren 1981 in Hagen, studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen und Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Während des Studiums assistierte er  der Gruppe Rimini-Protokoll und zeigte Inszenierungen bei der Ruhrtriennale, den Frankfurter Positionen und beim Körper Studio Junge Regie in Hamburg.

Ab 2007 inszenierte er u.A. am Bayerischen Staatsschauspiel München, am Deutschen Theater Berlin, an den Staatstheatern in Mainz, Wiesbaden und Karlsruhe, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Staatsschauspiel Dresden und an der Schaubühne Berlin. Seit der Spielzeit Seit 2010 inszeniert er auch Opern u.A. an der Oper Frankfurt, am Opernhaus Zürich, an der Semperoper Dresden, der Nationale Opera Amsterdam und bei den Bayreuther Festspielen. In der Spielzeit 2016/17 inszenierte er „Così fan tutte“ am Royal Opera House in London sowie die Uraufführungen von Philipp Löhles „Nu (Norma)“ am Nationaltheater Mannheim und von Elfriede Jelineks „Das Licht im Kasten“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. In der Spielzeit 2017/18 inszeniert er u.A. am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und an der Nationale Opera Amsterdam.
2011-2013 war er Leitender Regisseur am Staatstheater Mainz, 2018 wird er Schauspieldirektor am Staatstheater Nürnberg.
Seine Inszenierungen wurden ausgezeichnet mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage, dem Regiepreis der Bayerischen Theatertage, dem Nachspielpreis beim Heidelberger Stückmarkt und eine Nominierung für den Londoner Olivier-Award.

Produktionen

Pressestimmen

»Das Urteil« hat Jan Philipp Gloger zum archimedischen Punkt seines großartigen Theaterabends »Kafka / Heimkehr« gemacht.
(Er) hat am Staatstheater Wiesbaden mit der Dramaturgin Andrea Vilter aus fast einem Dutzend Werke und den Tagebüchern Kafkas einen Text gewebt, der, das ist schon die erste große Freude an diesem düster strahlenden Abend, niemals selbstgebastelt, sondern wie ein einzelner langer logischer und rhythmischer Fluss erscheint.
Gloger setzt das souverän in eine Bühnenwelt, die das Armselige, Gedrängte seiner Existenz und die sprichwörtlich kafkaesken Szenen seiner Romane und Erzählungen in einen soghaften, fast filmischen Kafka-Kosmos verwandelt. Das Trio Janning Kahnert, Stefan Graf und Nils Strunk entfaltet wie ein Orchester, mal leise, mal brüllend, die Widersprüche des »Sohnes«. Rainer Kühn spielt den »Vater«, den echten, erinnerten, und den ins Übergroße verzerrten als lauernden Gegner aller drei Söhne.
Franziska Bornkamm (Die Bühnenbildnerin) hat […] eine Plunder- und Wunderkammer gebaut.
Überhaupt erinnert vieles an Gemälde, Installation, Filme in dieser Kafka-Welt, an der auch das Licht, der Bühnennebel, die Gerüche von Gebratenem oder Seife teilhaben und zumal der Komponist Kostia Rapoport, der am Klavier minutenlang auf einem Ton insistiert, dann wieder einen Tango schmettert oder gebrochene Akkorde zwischen die Suada rieselt. So nähert sich die Sorgfalt dieses Theaterabends der Sorgfalt der Texte, nähert sich das Publikum Kafka.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ, Eva-Maria Magel, 05.11.2015
Jan Philipp Gloger (1981) gehört zu den vielbeschäftigten Regisseuren im Sprech- und auch Musiktheater. Heute versteht man wieder einmal, woran das liegt, und nicht zufällig zeigt es sich auf einer kleinen Bühne mit maximalem Spielraum.

Aus den Texten [...] entwickeln sich elegant kleine Spielszenen, spielerische Lösungen in jeder Hinsicht […]. Sie kommen aus dem Nebel, in dem sie wieder verschwinden, es braucht weder Geschrei noch Verausgabung dazu, bis die Zeit für Geschrei und Verausgabung gekommen ist. Kostia Rapoport liefert am Klavier die ideale Bühnenmusik, bizarr, surreal, unterhaltsam wie die Bilder.

Der stille Schrecken, hier kann man ihn sehen und hören und selbst noch einmal davonkommen. Wie beim Kafka-Lesen.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 05.11.2015
Löhle interessiert keineswegs der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung – sondern die Frage nach dem Sinn von allem. Was werden wir noch tun, wenn wir nichts mehr tun können? Wenn die Welt untergeht? Diesen Moment vor dem Untergang beschreibt der Autor sehr präzise. Regisseur Gloger gelingt es, diese eigenartige Nicht-Zeit musikalisch und atmosphärisch einzufangen. Er inszeniert Löhles Stück als Tänzchen über dem Abgrund aus Klamauk und Tragik. Innehalten und sich in Frage stellen, das leistet das Stück aber schon. Und da ist dieser Theaterabend dann doch nah dran an uns.
SWR, 13.04.2015