Schauspiel

Wir werden unter Regen warten

Von Ihsan Othmann
So, 15.10.2017
UraufführungWartburg19:30 - 21:40
Atef Vogel, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Kaval S. Haji
Foto: Karl & Monika Forster
Christina Tzatzaraki, Paul Simon
Foto: Karl & Monika Forster
Sinan Aslan
Foto: Karl & Monika Forster
Heli Amresh Senka, Christina Tzatzaraki
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Christina Tzatzaraki, Heli Amresh Senka
Foto: Karl & Monika Forster
Paul Simon, Heli Amresh Senka
Foto: Karl & Monika Forster
Paul Simon
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Benjamin Krämer-Jenster
Foto: Karl & Monika Forster
Christina Tzatzaraki, Paul Simon
Foto: Karl & Monika Forster
Tobias Lutze
Foto: Karl & Monika Forster
Heli Amresh Senka
Foto: Karl & Monika Forster

Auf der Bühne: Sieben Tote. Sieben im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge.
Sie alle – die jüdische Somalierin, der armenische Iraker, der transsexuelle Afghane, die in Syrien geborene Palästinenserin, der staatenlose Kurde, die Opernsängerin aus Teheran und der Derwisch-Tänzer aus der Türkei – erzählen Geschichten von zerspliterten Identitäten, von kulturellen Missverständnissen, Konfliktherden und Tabus. Ebenfalls auf der Bühne: Ein Lebender. Ein Landtagsabgeordneter der AfD, der mit seiner Yacht über den Ertrunkenen segelt und von der »Diktatur der Minderheiten« redet.

»Wir werden unter Regen warten« ist ein Projekt über Flucht, Heimat und Zugehörigkeit des kurdischen Theatermachers Ihsan Othmann, der selbst 1992 als Deserteur der irakischen Armee nach Deutschland gekommen ist. Aus einem Mosaik von Einzelschicksalen entsteht darin ein Panorama verschiedenster Themen: Die Frage nach der Existenz Gottes wird ebenso kontrovers diskutiert wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft oder die Ächtung von Homosexualität.

Woher kommst du? Warum bist du geflohen? Wie wirst du nach Europa gehen? Was wünschst du dir von der Zukunft? Aus diesen einfachen Fragen entwickelt sich ein berührender Text: bildstark, schmerzhaft, komisch und surreal.

PREMIERE 13. September 2017

Besetzung

Regie Ihsan Othmann
Bühne & Kostüme Susanne Füller
Musik Nurhak Kilagoz
Choreografie Serhat Kurhal
Dramaturgie Wolfgang Behrens
Halimo, Jüdin aus Somalia Heli Amresh Senka
Ricardos, armenischer Iraker Atef Vogel
Awroz, Mann aus Afghanistan Paul Simon
Darwish, kurdischer Staatenloser Tobias Lutze
Atosa, iranische Opernsängerin Christina Tzatzaraki
Coshkun, türkischer Derwish-Tänzer Sinan Aslan
Auda, Palästinenserin Kaval S. Haji
Wolfgang Gedeon, Ex AfD-ler Benjamin Krämer-Jenster

Pressestimmen

»›Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie!‹. Schiller. [...]. ›Wir werden unter Regen warten‹ erzählt sieben Geschichten von sieben Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrunken sind. Die Bühne (Ausstattung: Susanne Füller) ist hinter einem schleierhaften Vorhang der Meeresboden, auf dem sich die Gestorbenen gar nicht tot fühlen: Nie könnte ein Muslim, sagt einer der Muslime, im Jenseits eine Jüdin treffen. Die Jüdin ist aus Somalia, der Muslim ein türkischer Soldat, der die Getöteten nicht los wird. Es gibt einen armenischen Christen aus Mossul, eine Iranerin, die Mozart singen will, einen homosexuellen Afghanen, einen staatenlosen Kurden, eine Palästinenserin, deren Heimat ein syrisches Lager war. [...]. Die Erzählungen erschüttern [...].«
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 15.09.2017
»Das Stück ist absurd, komisch, überdreht. Man tut Othmann gewiss nicht unrecht, wenn man ihm attestiert, dass er mehr Märchenerzähler als Sozialdokumentarist ist. Engagiert ist sein Text trotzdem, auch vor Religionskritik scheut er nicht zurück. Die jüdische Somalierin Halimo erzählt davon, wie das Leben in ihrer Stadt zum Horror wurde, nachdem Islamisten die Macht übernommen hatten. ›Unter der Burka sieht man alles nur in eckiger Form. Man sieht keine Kreise, Ovale, Dreiecke oder andere Umrisse‹, sagt sie. Besser lässt sich der Irrsinn der religiösen Fanatiker kaum in Worte fassen.«
FAZ, Alexander Jürgs, 19.09.2017
»Regenländer. So nennen Menschen aus dem arabischen Raum die Staaten in Europa. Längst sind aus den Regenländern Zufluchtsländer für Millionen von Flüchtlingen geworden, oft verbunden mit einer gefährlichen Reise übers Meer. [...].
Choreografie (Serhat Kurhal) und Musik (Nurhak Kilagoz) zählen zu der ambitionierten und vom Publikum mit Beifall aufgenommenen Produktion, die mit über zwei Stunden Dauer (ohne Pause) keinen Wohlfühlabend zum Zurücklehnen bietet, sondern ein emotionales Stück klug analysierter Zeitgeschichte. [...].
Dass dies sich so unmittelbar vermittelt, liegt auch an den Schauspielern, von denen einige spielen, als ob es um ihr eigenes Leben ginge. Allen voran Christina Tzatzaraki. Eben noch ist sie der unbarmherzige Richter, der beim Möhrenzerbröseln gerade mal über das Urteil für den kurdischen Staatenlosen Darwish (liebenswert fiebrig und schrullig: Tobias Lutze) befindet, da ist sie im nächsten Moment als iranische Opernsängerin Atosa, deren Traummann Mozart ist, willfähriges Opfer von Verhörmethoden mit Wasserfolter. Eine grandiose Leistung.
Berührend auch Heli Amresh Senka als somalische Jüdin Halimo, die ihre Geschichte von Verfolgung und Vergewaltigung in ihrer Sprache erzählt, mit deutscher Übertitelung. Atef Vogel spielt mit Hingabe den armenischen Iraker Ricardos, der seine Familie an den Glaubensterror verloren hat. Paul Simon ist der schwule Awroz aus Afghanistan und Kaval S. Haji die Palästinenserin Auda. Als türkischer Derwisch-Tänzer Coshkun ist Sinsan Aslan eingesprungen für Oza Dagara. Der türkische Schauspieler bekam keine deutsche Einreisegenehmigung. Das ist eine weitere Geschichte.«
Wiesbadener Kurier, Birgitta Lamparth, 15.09.2017