Schauspiel

Die Dreigroschenoper

Von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill

Tom Gerber, Barbara Dussler
Foto: Andreas Etter
Tom Gerber, Barbara Dussler, Schauspielstudenten
Foto: Andreas Etter
Barbara Dussler, Tom Gerber, Schauspielstudenten
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Sólveig Arnarsdóttir, Schauspielstudenten
Foto: Andreas Etter
Andreja Schneider, Uwe Kraus
Foto: Andreas Etter
Barbara Dussler
Foto: Andreas Etter
Barbara Dussler, Schauspielstudenten
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Sólveig Arnarsdóttir, Schauspielstudenten
Foto: Andreas Etter

Man verrät, schachert und verkauft. Den Geliebten, den Freund, den Feind sowieso und nicht zuletzt gar den eigenen Körper. Aus allem will man Kapital schlagen.

»Die Dreigroschenoper«, entstanden und uraufgeführt 1928, ist eine bitterböse Analyse der Gesetze des Marktes:
 
Auf der einen Seite steht Großunternehmer Peachum, der ein florierendes Geschäft führt, indem er seine »Mitarbeiter« als möglichst bemitleidenswerte Bettler ausstaffiert und inszeniert, um möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Die Devise dieses Lebens lautet kurzerhand: »Ein guter Mensch sein! Ja, wer wär’s nicht gern?«

Auf der anderen Seite agiert Mackie Messer als Chef der Gangsterplatte: Seine »Angestellten« besorgen für ihn Mord und Diebstahl, denn »nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm«.
Jetzt hat Mackie einmal selbst einen (ganz besonderen) Coup gelandet und Peachums nicht nur seligstes, sondern auch einträglichstes Gut – die schöne Tochter – geraubt. Und zudem geheiratet! Er wird ihr Luxus bieten – und pure Romantik, so denkt es sich Polly. Doch für ihren Vater ist diese Verbindung untragbar. Und Peachum ist gerissen, er weiß, die Welt zu lenken. Mackie wird büßen müssen.

Denn, ja: »Das Leben ist kurz und das Geld ist knapp.«

Mit Kurt Weills Musik, die Elemente aus Jazz und der Unterhaltungsmusik sowie Chorälen und Opernmelodien verschmelzen lässt, hat »Die Dreigroschenoper« Weltruhm erfahren.

Besetzung

Macheath, genannt Mackie Messer Tom Gerber
Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma »Bettlers Freund« Uwe Kraus
Celia Peachum, seine Frau Andreja Schneider, Chris Pichler
Polly Peachum, seine Tochter Barbara Dussler
Brown, oberster Polizeichef von London Janning Kahnert
Lucy, seine Tochter Heather Engebretson, Gloria Rehm
Die Spelunken-Jenny Sólveig Arnarsdóttir
Filch, Matthias, Smith Nils Strunk
Bettler, die Platte, Huren Charlotte Bachon, Oda Bergkemper, Larissa Krause, Theresa Faßbender, Elena Packhäuser, Clarissa Schneider, Pierre Balasz, Charlotte Will / Larissa Robinson, Sina Weiß
Musiker Lennart Fleischer, Hyunji Lee, Herike Genieser / Tino Schmidt, Polina Grishaeva, Péter Kett, Sebastian Mann, Philipp Schwarz / Norwin Hahn, Moritz Thiele, Nicola Vock, Dieter Kociemba / Chistoph Stadtler

Pressestimmen

Uwe Eric Laufenberg löst Manfred Beilharz ab, und Thorleifur Örn Arnarsson wird Hausregisseur in der Hessischen Landeshauptstadt. Das ist zweifellos ein Gewinn, denn mit bildgewaltiger Unverfrorenheit und theatraler Lässigkeit überspielt der aus Island stammende Regisseur selbst manche Länglichkeit. Brechts V-Effekt erweist sich an diesem Abend als running gag mit doppeltem Boden. Und Thorleifur Örn Arnarsson fabriziert Bilder: bunte, versaute, romantische, wilde, kitschige, geile, alberne, schöne Theaterbilder. Und ja: Hier geschieht etwas Neues.
www.nachtkritik.de, Shirin Sojitrawalla, 13.09.2014
»Das war ein sehr kluges Nachdenken darüber, was Theater machen kann, was es für Möglichkeiten gibt und auch wie man die Brisanz dieser Thematik gerade auch in Wiesbaden [auf die Bühne bringen kann]: es geht um Geld, es geht um die, die im Lichte sind, und die, die man im Dunkeln eben nicht so sieht, das war sehr schön gemacht und hat mir ausgesprochen gut gefallen.«
Hr2 Frühkritik, 16.09.2014
Regisseur Thorleifur Öm Arnarsson hat für seine Inszenierung ein vor Lebendigkeit strotzendes Ensemble und ein exzellentes kleines Orchester für die Kurt-Weill-Gassenhauer-Musik unter der Leitung von Christoph Stiller. Ein Sängerfest für Schauspieler!
Großer Applaus für einen mitreißenden Parforceritt durch die Möglichkeiten einer Theatermaschinerie, die sich selbst auf den Arm und Brecht doch auch noch ernst nehmen kann. Ein Brecht-T-Shirt nicht nur für die Mitwirkenden, sondern bitte für alle!
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 15.09.2014
Das Ensemble spielt nicht einfach Dreigroschenoper, sondern zeigt, dass es so tut, als spiele es Dreigroschenoper. Das Werk und der Kult darum werden kritisch beäugt, dabei entstehen auch neue Lesarten und mannigfach knuffige Momente.
Lucy und Polly treten zum Sängerinnen-Wettstreit an; Erstere, Heather Engebretson, im schönsten Opernsopran Mozarts Königin der Nacht singend; Letztere, Barbara Dussler, die gleiche Partie so famos schnoddernd, knarzend, kreischend wie die Brecht'schen Songs. Bettler, Gaunerplatte und Huren werden von einer frechen Girlie-Truppe gespielt. Überhaupt ist hier Frauenpower Trumpf - was die Wandlung des pittoresken Freudenhauses zur Leib und Seele der Huren verelendenden Anstalt einschließt. Woraus logisch folgt: Es ist an der Zeit, dass sich, diese Frauen von Abhängigkeit und Ausbeutung durch verbrecherische Lebemänner und verlogene Showmaker à la Macheath (Tom Gerber) befreien.
Rheinzeitung, Andreas Pecht, 16.09.2014