Johanna Wehner

Regisseurin
Johanna Wehner, geboren 1981 in Bonn, begann während ihres Philosophie- und Germanistik-Studiums in Bonn und St. Andrews, Schottland, mit ersten Inszenierungen in der freien Szene. Nach dem Staatsexamen studierte sie Opern- und Sprechtheaterregie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Ihr Studium schloss sie mit der Uraufführung des preisgekrönten Romans »Kürzere Tage« am Staatstheater Stuttgart ab. Es folgten Opern- und Schauspiel-Inszenierungen u. a. in München, Heidelberg, Jena, Freiburg. Für ihre Inszenierung von Schimmelpfennigs »Der goldene Drache« am Staatstheater Stuttgart wurde sie von der Fachzeitschrift »Theater heute« mehrfach als beste Nachwuchsregisseurin nominiert. Johanna Wehner war fest im Regiestudio des Schauspiels Frankfurt tätig. Dort inszenierte sie unter anderem »Die Geierwally« mit Constanze Becker in der Titelrolle, »Macht nichts« von Elfriede Jelinek sowie »Nachtasyl« von Maxim Gorki. Von 2013 bis 2017 war sie Oberspielleiterin am Theater Konstanz, wo sie u. a. »Das Geisterhaus« von Isabel Allende, »Der Vater« von Strindberg, »Faust 1« und »Faust 2« sowie zuletzt „Wilhelm Tell“ auf die Bühne brachte. In der Spielzeit 2015.2016 arbeitete Johanna Wehner mit ihrer Inszenierung von »Die Kinder bleiben« von Alice Munro zum ersten Mal am Hessischen Staatstheater. 2016.2017 eröffnet sie mit »Egmont!« nach Johann Wolfgang von Goethe und Heiner Müllers »Leben Gundlings« die Spielzeit im Schauspiel. In der aktuellen Spielzeit bringt sie in Wiesbaden in der Oper den Kompositionsauftrag »Schönerland« zur Uraufführung.

Produktionen

Inszenierung in »Schönerland«

Pressestimmen

Man könnte meinen, dass die zarten, ein gewisses nüchternes Understatement pflegenden Stories Munros sich nicht eignen, auf eine Bühne gebracht, mithin notgedrungen vergröbert zu werden. Doch für das Staatstheater Wiesbaden haben nun Johanna Wehner, auch Regie, und Anna-Sophia Güther, auch Dramaturgie, zwei Short Stories […] zu einem zweieinhalbstündigen Theaterabend zusammengestellt, der einleuchtet.
»Die Kinder bleiben« ist ein Abend, der einerseits entschlossen durchgeformt, stilisiert wirkt, andererseits der schwebenden Atmosphäre Munroscher Geschichten weitgehend treu bleibt.
Frankfurter Rundschau, Sylvia Staude, 26.09.2015
So spektakulär das schräg gestellte, spiegelnde Bühnenbild im ersten, die Steinwüste im zweiten Teil der Aufführung (verantwortlich Elisabeth Vogetseder), so exakt durchchoreographiert der Text und das sechsköpfige Ensemble.
„Klug verzahnt Regisseurin Johanna Wehner diese beiden Stücke nicht nur mit, sondern ineinander und nutzt die verblüffende Ähnlichkeit ihrer beiden Hauptdarstellerinnen Kruna Savic und Judith Bohle für intelligentes Spiegelbild-Spiel. Ebenbürtig sind beide in ihrer jeweils starken Präsenz. Das Ensemble mit Evelyn M. Faber, Uwe Kraus, Stefan Graf und Janning Kahnert ist ihre präzis alerte Begleitung.
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 26.09.2015
Aus zwei kurzen Geschichten von Alice Munro, die ebenso nüchtern wie spannend vom Fortgehen erzählen, generiert dieser Abend ein Untergangsszenario, das keinen Stein auf dem anderen lässt. Während sich bei Munro das Unheil oft in Nebensätzen versteckt, wie die Literaturkritikerin Verena Auffermann einmal treffend schrieb, stürzen die Figuren auf der Bühne in ihr Unglück wie in eine Naturkatastrophe. Drastisch, düster und beinahe unausweichlich entgleisen hier die Leben der beiden Mütter.

Beide Mütter begleiten wir über viele Jahre, und es gehört zu der Könnerschaft von Alice Munro, wie sie die Zeit versetzt und zusammenschnurren lässt. Johanna Wehner dehnt sie eher, lässt schon mal anhalten und in Zeitlupe spielen. Aus den beiden Geschichten macht sie einen Abend über die Sehnsucht und über den Schmerz, der nicht vergeht.
Nachtkritik, Shirin Sojitrawalla, 24.09.2015