Schauspiel

The Hard Problem

Oder: Ist Bewusstsein Materie?
Von Tom Stoppard
Deutsch von Wolf Christian Schröder
Mi, 25.10.2017
Deutschsprachige ErstaufführungKleines Haus19:30 - 21:25
Matze Vogel, Janning Kahnert, Evelyn M. Faber, Karoline Reinke
Foto: Karl & Monika Forster
Tom Gerber, Mira Helene Benser
Foto: Karl & Monika Forster
Mira Helene Benser
Foto: Karl & Monika Forster
Anne Nenzel, Tom Gerber
Foto: Karl & Monika Forster
Janning Kahnert, Matze Vogel
Foto: Karl & Monika Forster
Mayila Ainiwaer
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas Jansen, Mira Helene Benser
Foto: Karl & Monika Forster
Mira Helene Benser
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas Jansen, Tom Gerber, Matze Vogel
Foto: Karl & Monika Forster
Mira Helene Benser
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas Jansen
Foto: Karl & Monika Forster
Mira Helene Benser, Janning Kahnert
Foto: Karl & Monika Forster

Es gibt einen Körper und es gibt eine Seele. Oder? Aber wie hängen beide zusammen? Inwiefern beeinflussen sie einander, und inwieweit können sie unabhängig voneinander betrachtet werden? Wie entsteht Bewusstsein, und kann Geist überhaupt unabhängig vom Gehirn existieren? Ist die Seele eine eigenständige Materie?

Um diese Fragen ranken sich – »idealistisch«, »dualistisch« oder »materialistisch« – verschiedene wissenschaftliche Theorien, über die Neurobiologen wie Philosophen seit Jahrhunderten lebhaft und kontrovers diskutieren. Mit diesen Fragen, jenem »hard problem«, dem Leib-Seele-Problem, dem Körper-Geist-Dualismus oder dem »schwierigen Problem des Bewusstseins« (David Chalmers) beschäftigt sich auch der britische Altmeister Tom Stoppard in seinem jüngsten Theaterstück.

In einem privatwirtschaftlich finanzierten Forschungsinstitut kämpft die junge Protagonistin Hilary für den Idealismus, für die Seele und eine moralische Intelligenz. Dabei muss sie ihre Überzeugungen nicht nur gegen den Materialisten Spike verteidigen, sondern taucht auch mit einst getroffenen Entscheidungen immer wieder in ihre persönliche Vergangenheit ein und hofft auf das Wunder Verhaltenspsychologie, Evolutionstheorie und Neurobiologie werden von Stoppard zu einem klugen, witzigen und packenden Bühnenstück – zu einer »Komödie der kognitiven Konflikte« (DIE ZEIT) – verknüpft und in Wiesbaden (nach der Premiere in London 2015) zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht.

Sir Tom Stoppard (*1937) gilt als einer der weltweit wichtigsten Dramatiker. Seine Werke zeichnen sich durch eine vielschichtig komplexe Dramaturgie wie pointensichere, luftige Sprache aus. Neben zahlreichen Bühnenwerken (wie »Rosenkranz und Güldenstern sind tot« oder »Arkadien«) schrieb er mehrere Drehbücher (u. a. »Anna Karenina«) – für sein Drehbuch zu »Shakespeare in Love« wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet.

PREMIERE 15. September 2017

Besetzung

Spike Janning Kahnert
Hilary Mira Helene Benser
Amal Matze Vogel
Leo Thomas Jansen
Julia Karoline Reinke
Ursula Evelyn M. Faber
Jerry Tom Gerber
Cathy Viktorine Marsolek, Anne Nenzel
Bo Mayila Ainiwaer

Pressestimmen

»Ist doch Hilary, jugendfrisch strahlend gespielt von Mira Helene Benser, nach den Maßstäben Spikes und seinesgleichen dumm: ein guter Mensch, der sich nicht korrumpieren lässt. Altruismus, Teil des ›hard problem‹, erforscht Hilary nicht nur als Psychologin, sie verkörpert ihn innerhalb des Stücks. Spike, dessen lässigen Zynismus Janning Kahnert kaugummikauend demonstriert, beharrt auf einem mechanistischen Weltbild, das sich prima mit designter Forschung verträgt, die Geld und Ruhm bereithält. Hilary hingegen, die am schicken Krohl-Institut für Hirnforschung landet, plädiert für ein Bewusstsein, das mehr ist als die Summe neuronaler Abläufe.«
FAZ, Eva-Maria Magel, 18.09.2017
»Dem Regisseur Uwe Eric Laufenberg ist es gelungen, diesem moralisch bemühten Dauergeplänkel über erste und vielleicht auch letzte Dinge spielerisch leichte Flügel zu verleihen. Er hat diesen Schlagabtausch des Wissens, der Meinungen und Auffassungen in kurze, einander rasch abwechselnde Diskussionssequenzen zerlegt, mittenrein, mittenraus, ohne lange Bedeutsamkeits-Anläufe. Dazu eine elegant-schwerelose Umbaudramaturgie, wodurch die raschen Szenenwechsel im Halbdunkel zum Teil einer geheimnisvollen Verwandlung werden. Vor allem aber lässt er die jungen, beweglichen Schauspieler all die Thesen und Argumente nicht nur wiedergeben und präsentieren, sondern  leidenschaftlich oder distanziert, wuchtig oder lässig verkörpern. [...].
Statt die Figuren zu karikieren und dem Gelächter preiszugeben, hat sich Laufenberg auf die Augenblicke konzentriert, wenn im wortgewandten intellektuellen Geplänkel emotionale, ja existenzielle Treffer fallen. Dann zerbricht für einen Moment die Illusion einer Kontrolle über alles und jedes. Und aus den coolen, sich so unberührbar gerierenden Retortenwissenschaftlern werden zerbrechliche Individuen, bevor sie – nur Sekunden später – in dem flapsig professionellen Experiment-, Daten- und Rivalitätsjargon ihrer Zunft Zuflucht finden. Es ist, als könnten sich die unterdrückten Gefühle ausschließlich im Gefecht der Argumente gefahrlos Bahn brechen.«
Deutschlandfunk Kultur, Cornelie Ueding, 18.09.2017
»In seiner Inszenierung kann sich Intendant Uwe Erick Laufenberg erfreulicherweise auf Mira Helene Benser verlassen, der man abnimmt, dass ihre Hilary mit Herz und Verstand bei der Sache ist. Glaubwürdig verkörpert sie den Widerpart von Spike – und ist eine sehr menschliche Madonna, die auch tapfer durch den etwas melodramatischen Schluss schreitet. Janning Kahnert spielt den aalglatten Smarten, bei dem man nie so recht weiß, ob zynischer Egoismus oder nüchterne Überzeugung aus ihm spricht. Auch die anderen Ensemblemitglieder machen ihre Sache gut [...]. Am Ende: begeisterter Applaus vom Publikum – auch für den Autor, der eigens angereist war.«
Frankfurter Neue Presse, Astrid Biesemeier, 18.09.2017
»›The Hard Problem‹ wurde 2015 in London uraufgeführt, die Übersetzung von Wolf Christian Schröder behält den englischen Titel bei. Die deutsche Erstaufführung am Staatstheater Wiesbaden zeigte sich jetzt in der Regie von Uwe Eric Laufenberg so zugewandt und unaufdringlich, wie es einer ersten Inszenierung zusteht. [...]. Die Darsteller sind eine überzeugende, wenngleich eben auch etwas stereotype Elite, man lässt sich gehen und ist straff zur gleichen Zeit. Dazu braucht es Selbstbewusstsein, eine vorzügliche Ausbildung und ein gutes Einkommen. Janning Kahnert spielt den smarten Darwinisten an Hilarys Seite, aber es gibt auch eine ganze Reihe weiterer gut erkennbarer Figuren: Tom Gerber darunter als noch viel smarterer Kapitalist (und Institutsgründer), Thomas Jansen als gescheiter Abteilungsleiter, Matze Vogel als Superhirn aus Indien, Mayila Ainiwaer als chinesisches Mathegenie. Evelyn M. Faber und Karoline Reinke sind als lesbisches Pärchen sympathisch lässige Beobachterinnen all der Selbstgewissheiten. Ein unterhaltsamer Abend [...].«
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 19.09.2017
»Es ist ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, dieses Schauspiel von Sir Tom Stoppard: „The Hard Problem“. Ein ganzes Stück jener Frage zu widmen, wie Leib und Seele zusammenhängen und ob das Bewusstsein nur Materie ist, wie der Untertitel es in Frage stellt, ohne dass das Ganze in einer wissenschaftlichen Abhandlung erstarrt, das ist schon große Kunst. So durchsetzt der britische Altmeister sein Stück zwar mit neurobiologischen, philosophischen, ethischen und verhaltenspsychologischen Theorien, bettet das aber in eine Geschichte ein, in der auch der Zufall überraschende Lösungen parat hält. Das ist bei aller Komplexität lebendig und auch mal komisch. [...]. Viel Beifall vom Premierenpublikum im Kleinen Haus, zu dem auch der Autor selbst zählte, für einen anregenden, knapp zweistündigen Abend, der vor allem das anspricht, um das er thematisch kreist: Das Gehirn.«
Wiesbadener Kurier, Birgitta Lamparth, 18.09.2017

Termine

Deutschsprachige ErstaufführungKleines Haus19:30 - 21:25
Deutschsprachige ErstaufführungKleines Haus19:30 - 21:25
Deutschsprachige ErstaufführungKleines Haus19:30 - 21:25
Deutschsprachige ErstaufführungKleines Haus19:30 - 21:25