Oper

Rigoletto

Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
Melodramma in drei Akten
Libretto Francesco Maria Piave,
nach dem Versdrama »Le Roi s’amuse« (1832) von Victor Hugo
Uraufführung 1851 in Venedig
In italienischer Sprache.
Mit deutschen Übertiteln.
Sa, 26.01.2019
GROSSES HAUS19:30 - 22:00
Trailer: Ullrich Bohn
Ioan Hotea, Frederic Mörth, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Silvia Hauer
Foto: Karl & Monika Forster
Gloria Rehm
Foto: Karl & Monika Forster
Ioan Hotea, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky, Elisabeth Bert
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky, Gloria Rehm
Foto: Karl & Monika Forster
Silvia Hauer, Ioan Hotea
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky, Cristina Pasaroiu
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky
Foto: Karl & Monika Forster
Cristina Pasaroiu
Foto: Karl & Monika Forster
Cristina Pasaroiu
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas de Vries
Foto: Karl & Monika Forster
Ioan Hotea, Isolde Ehinger
Foto: Karl & Monika Forster
Ioan Hotea, Cristina Pasaroiu, Frederic Mörth
Foto: Karl & Monika Forster
Vladislav Sulimsky, Cristina Pasaroiu
Foto: Karl & Monika Forster
Young Doo Park
Foto: Karl & Monika Forster

Einzig der Narr darf dem Herrscher die Wahrheit ins Gesicht sagen. Der scharfzüngige Rigoletto teilt auf Kosten aller aus. Dabei ist er so vermessen zu glauben, er könne seine eigene kleine Welt von allem Übel frei halten. Seine Tochter Gilda hält er daher versteckt. Trotzdem verliert sie ihr Herz an den lasterhaften Herzog. Als Rigoletto aus Rache diesen beseitigen will, opfert sich Gilda für den Lüstling. In einer Welt, in der Liebe auch Manipulation bedeutet, werden die Menschen zermalmt. »La Donna è mobile«, Frauen sind flatterhaft, ist ein Hit dieser Oper voller genialer Einfälle, die Verdis Weltruhm endgültig manifestierte.


Diese Produktion wird theaterpädagogisch betreut.

Besetzung

Musikalische Leitung Will Humburg
Inszenierung Uwe Eric Laufenberg
Bühne Gisbert Jäkel
Kostüme Andrea Schmidt-Futterer
Licht Andreas Frank
Chor Albert Horne
Dramaturgie Katja Leclerc
Der Herzog von Mantua Ioan Hotea
Rigoletto Vladislav Sulimsky
Gilda Cristina Pasaroiu
Sparafucile Young Doo Park
Maddalena Silvia Hauer
Graf von Monterone Thomas de Vries
Marullo Daniel Carison
Borsa Erik Biegel
Graf von Ceprano Frederic Mörth
Gräfin Ceprano Isolde Ehinger
Giovanna Elisabeth Bert
Gerichtsdiener Aldomir Mollov
Page des Herzogs Izumi Shibata
Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Intendant Uwe Eric Laufenberg siedelt seine Inszenierung von Verdis Rigoletto in der Gegenwart an. Es ist eine düstere sexorientierte Männergesellschaft, die ihre Exzesse auslebt. Es gibt im ersten Bild reichlich Gelegenheit, Latex und Lackstiefel bei diversen Damen zu sehen, die dann als fleischgewordenes Mobiliar, z.B. als Stuhl oder Tisch fungieren.
Rigoletto trägt wie alle Herren schwarz, kein Narrenkostüm und ist auch nicht (wie im Libretto formuliert) missgestaltet. Dafür muss er permanent eine Clownspuppe als zweites Ego mit sich herum tragen. In seinem Habitus und seiner Körpersprache wirkt dieser Rigoletto eher wie ein Mafiosi oder ein Preisboxer. Offenkundig macht diese Clownspuppe die Höflingen auf die Dauer so aggressiv, dass zur Verhöhnung von Rigoletto jeder Höfling im 2. Akt einen Clownskopf vor dem eigenen Gemächt trägt! Was für ein böser, genialer Einfall!
Der Herzog ein Sexbessesener, reißt sich vor lauter Geilheit sein Hemd vom Leib und schmettert dann halbnackt seine Cabaletta, als er zuvor Gilda auf einer Bühne als Sexbeute präsentiert bekommen hat. Auch das hat eine große Grausamkeit, wird doch Gilda vor einer großen phallischen Skulptur bloß gestellt. Auf, auf zu Herzogs Schäferstündchen. Und das soll Liebe sein?
Zwischen den Personen gibt es reichlich spannungsvolle Abläufe. Immer wieder werden die Protagonisten exakt zu Verdis genialer Musik geführt.
Auftragskiller Sparafucile haust in einem herunter gekommenen Wohnwagen nebst Müllhalde mit seiner Schwester Maddalena. Alles reichlich schäbig und „garniert“ durch einige spärlich bekleidete Stricherinnen, die mit Schirmen anzeigen, ob sie zu haben sind, als der Herzog seinen Schlager „La donna e mobile“ anstimmt.
Gilda wird nach dem Mord in die Mülltonne gesteckt. Schon Verdi musste sich mit der Zensur herumschlagen, weil diese den Sack verbieten wollte, in den Gildas Leiche gesteckt wird. Auch das spitzt Laufenberg im Sinne Verdis zu. Und wenn sie „Lassu in ciel“ (Lass mich in den Himmel) anstimmen, geht Gildas Seele mit den himmlischen Tönen Verdis nach hinten ins Schwarze, während Rigoletto an der Mülltonne bei Gildas Leichnam bleibt.
Es ist einfach großartig, wie sehr Laufenberg diesem Werk vertraut und es in gültig auf die Bühne bringt!
Ein Abend, der den Zuschauer berührt. Ein Rigoletto für die Gegenwart und die Zukunft!
Das großartige Bühnenbild, dass den Palast von Mantua tatsächlich auf die Bühne bringt, stammt von Gisbert Jäkel und die anschaulichen Kostüme von Andrea Schmidt-Futterer. Auch hier vollste Entsprechung zum Bühnengeschehen, pure Erfüllung.
Auch musikalisch war das Niveau überdurchnittlich.
Als Gilda war Cristina Pasaroiu zu erleben und überzeugte mit einer recht guten Leistung, obwohl sie langsam diesem Fach entwachsen ist. Sicher bewältigt sie die Höhen bravourös, wenngleich die Koloraturen nicht immer präzise wirkten. Als Figur wirkte sie manchmal überdreht, was der Extremsituation der Gilda, ihr eingesperrt sein signalisieren soll, dann aber auch hingebungsvoll verzweifelt.
In der Titelpartie agierte Vladislav Sulimsky mit imponierend kernigem, raumgreifenden Bariton, der sich im Fortissimo steigerte und dann immer wieder zu wundersamen Piani fand. Ausdauernd in der fordernden Partie zog er alle stimmlichen Register, um seinem Rigoletto intensiven stimmlichen Raum zu geben. Sehr wütend und aufbrausend schmetterte er sein „Cortigiani“, als gäbe es kein Morgen mehr.
Als Herzog gefiel der frisch drauf los singende Ioan Hotea. Beeindruckend, wie leicht er die vielen Anforderungen seiner Partie mühelos bewältigte. Immer wieder differenzierte er seinen Gesang aus.
Eine sehr gute Rolle für Young Doo Park ist der Sparafucile. Hier kann er die Vorzüge seines klangvollen Basses gut zur Geltung bringen. Ihm zu Seite sang Silvia Hauer zuverlässig eine schöne, sehr jugendliche Maddalena. Eine Klasse für sich war wieder einmal der großartige Thomas de Vries, der als Monterone stimmliche Dominanz bestechend ausagieren konnte.
Chordirektor Albert Horne hat seinen Herrenchor exakt vorbereitet, so dass dieser durch seine klangliche Prägnanz und stimmliche Vollmundigkeit erfreute.
Am Pult des Hessischen Staatsorchesters stand mit Will Humburg ein sehr erfahrener Dirigent des Verdi Repertoires. Im Verlaufe des Abends gewann das Orchester immer weiter an Spannung, Raffinesse und Klasse, die Balance stimmte schlussendlich und führte zu einem großen Abend.
Am Ende gab es im ausverkauften Haus bei Laufenbergs Erscheinen laute Bravostürme. Lediglich ein einzelnes, kaum zu hörendes Buh aus dem dritten Rang zielten auf den Regisseur. Ansonsten stürmische Begeisterung.
Opernforum Frankfurt, Detlev Schausten, 22.01.2019
Zu den klassischen Attributen eines Hofnarren gehört der Narrenstab. Wie ein Zepter wird er in der Hand gehalten. Typischerweise ist eine kleine Figur an seiner Spitze angebracht, die en miniatur den Narren verdoppelt. In traditionellen Aufführungen von Rigoletto, Verdis traurig-schauriger Geschichte um einen höfischen Spaßmacher, gehört der Narrenstab zur unverzichtbaren Ausstattung des Protagonisten. Uwe Eric Laufenberg nimmt diese Tradition in der Neuproduktion von Verdis Erfolgsstück am Staatstheater Wiesbaden auf und aktualisiert sie. Rigoletto spielt nun in der Gegenwart. Sein Titelheld führt an Stelle des Stabes eine Bauchrednerpuppe in Gestalt eines Clowns mit sich. Schon in der ersten Szene wird deutlich, wie symbiotisch der Titelheld mit diesem Alter Ego verbunden ist. Noch bevor Rigoletto ein Wort gesungen hat, plappert die Puppe an seiner Hand lippensynchron mit, was die anderen so sagen. Rigoletto lebt durch den Clown, und er lebt in ihm. Wenn er später als verzweifelter Vater nach seiner entführten Tochter suchen wird, verhöhnen ihn die Schergen des Herzogs auch dadurch, daß sie sich Clownspuppen um die Hüfte schnallen, die den Schein erwecken, als trügen die Figuren die Menschen auf ihren Rücken. Das optische Leitmotiv wird konsequent bis zum bitteren Ende geführt, wenn Rigoletto aus dem Leichensack seiner Tochter nicht diese, sondern eben eine Clownspuppe herauszieht: Mit dem Tod seines Kindes ist auch ein wesentlicher Teil seiner selbst abgestorben.Ansonsten hält sich die Inszenierung mit Deutungen zurück und spielt recht plausibel durch, wie die alte Geschichte in modernen Kulissen ausschauen könnte. Der Hof des Herzogs von Mantua ist ein Edelbordell, in dem die Animierdamen in knappe Lackröckchen gekleidet sind. Das sieht ein wenig nach Altmännerphantasie aus. Die Kulissen dazu erinnern daran, daß die Ausstattung zur Uraufführung des Stücks seinerzeit insbesondere dadurch Aufmerksamkeit erregte, daß man anstelle von aufgemalten Kulissen zum ersten Mal mit räumlichen Bauten eine tiefengestaffelte, dreidimensionale Wirkung erzeugte. Bühnenbildner Gisbert Jäckelknüpft an diese Aufführungsgeschichte an. Von einem zentralen Salon aus wird der Blick immer wieder auf angrenzende Zimmer freigegeben, die Ausstattung ist mit viel Liebe zum Detail recht aufwendig ausgefallen. Ein weiterer Gruß an die Aufführungstradition ist der geradezu exzessive Einsatz von Blitzen in der Gewitterszene des dritten Aktes. Verdi selbst hatte auf derartige Effekte großen Wert gelegt. Von ihm ist die Anweisung überliefert: „Ich wünsche mir, daß die Blitze auf dem Bühnenhintergrund aufleuchten.“ Diesen Wunsch erfüllt die Wiesbadener Produktion und erweist sich dadurch in eigener Weise als werktreu. Daß dieser letzte Akt auf einem heruntergekommenen Campingplatz spielt und die Hütte des Auftragsmörders Sparafucile ein schäbiger Wohnwagen ist, mag Traditionalisten stören, ist aber beim gewählten Gegenwartsbezug nicht unpassend.Wie üblich liefert Laufenberg überwiegend plausible Personenregie und arrangiert eben das, was die Handlung so hergibt. Dabei hat er es gerne deutlich, nicht selten auch überdeutlich. Daß etwa Gilda nach ihrer Entführung in den Palast des Herzogs dort ihre Unschuld verliert, weiß das Publikum ohnehin. Des Blutfleckes auf ihrem Unterrock im Bereich des Schoßes hätte es zur Illustration nicht bedurft. Zu dieser Deutlichkeit gehören auch Details wie eine mannsgroße Penisskulptur im Herzogspalast oder Schattenrisse von Sexstellungen, welche das Ziffernblatt einer Uhr dort bilden.Lediglich an einer Stelle will die Regie dem Libretto nicht folgen, und zwar völlig zu Recht: Mit einem aus der Filmregie bekannten Kniff gelingt es ihr, die Absurdität der Vorlage zu umschiffen, daß am Ende die eigentlich bereits ermordete Gilda noch munter eine gar nicht so kurze Abschiedsarie vor sich hinträllert. Bei Laufenberg singt nicht mit letzter Kraft die erstochene und bereits minutenlang im Leichensack verstaute Tochter, da geht vielmehr ihre Seele - oder profaner: ihr Geist - singend in die Ewigkeit ein. So hatte sich bereits vor Kurzem Hendrik Müller in der Frankfurter Rigoletto-Inszenierung geschickt aus der Affäre gezogen. Die verklärte Gilda tritt langsam schreitend ab, während Rigoletto mit dem Leichensack in den Händen zurückbleibt. Dazu spendiert man ihr noch ein wenig Bühnennebel, damit auch der letzte Zuschauer merkt, daß Transzendentes gemeint ist.
Insgesamt präsentiert sich die szenische Umsetzung also gediegen und handwerklich sicher. Mit dem Clownsmotiv wird ein deutlicher roter Faden durch alle drei Akte gelegt, jedoch wirkt die Inszenierung nicht mit Deutungen überfrachtet. Gerade dadurch ist sie repertoiretauglich.Hinsichtlich der musikalischen Umsetzung kann von einem weitgehend geglückten Abend berichtet werden. Mit Vladislav Sulimsky hat man einen ausgezeichneten Bariton für die Titelrolle gewinnen können. Seine in allen Lagen tadellos ansprechende Stimme läßt er gerne auftrumpfen. Den brutalen Zyniker des Beginns zeichnet er überzeugend. Die zärtlichen Töne gegenüber seiner Tochter könnten noch inniger sein. Sehr ergreifend gelingt ihm die Verzweiflung der Schlußszene. Als seine Tochter Gilda weiß auch die in Wiesbaden gerne engagierte Christina Pasaroiu mit mädchenhaft süßem Timbre zu gefallen. Ihre Stimme ist in den letzten Jahren gereift, was die Sopranistin dazu nutzt, ihrer Figur mit abgestuften Zwischentönen mehr Tiefe zu verleihen, als man es von anderen Darstellerinnen gewohnt ist. Die Kehrseite dieser Reife ist, daß Koloraturen nicht immer mit der nötigen Leichtigkeit gelingen. Wenig Zwischentöne dagegen läßt Ioan Hotea, der Wiesbadener Spintotenor vom Dienst, als Herzog von Mantua erklingen. Er schmettert seine Wunschkonzertarien im Dauerforte, daß einem mitunter die Ohren klingeln. Im übrigen läßt er kaum ein Klischee über Tenöre aus – von absurd lange gehaltenen Spitzentönen bis hin zu schluchzenden Tonverschleifungen. Nach dem Schlußapplaus zu urteilen, hat dem Publikum gerade das sehr gefallen. Young Doo Park, auch dieses Wiesbadener Ensemblemitglied darf in keiner Produktion fehlen, läßt seine sonore Stimme als Sparafucile in angemessener Schwärze ertönen. Daneben macht Thomas de Vries auf sich aufmerksam, der den für Rigoletto fatalen Fluch Monterones mit kalter Schärfe ausstößt und dieser kleinen Nebenrolle ein klares Profil verleiht.Wenn Will Humburg dirigiert, ist gerade im italienischen Repertoire die Vorfreude groß. An diesem Abend kann das Orchester unter seiner Leitung nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen. Gleich bei den ersten Tönen der Ouvertüre schwächeln die Trompeten. Im weiteren Verlauf klingt einiges ungeschliffen, manches verhuscht, und insgesamt stellt sich der Eindruck ein, daß der im Zuschauerraum gut sichtbare Dirigent mitunter weit feuriger agiert als seine Orchestermusiker.Der Premierenapplaus ist freundlich ohne Überschwang und bezieht ohne Mißfallensbekundungen auch das Regieteam in den wohltemperierten Beifall ein.
Der Opernfreund, Michael Demel, 04.02.2019
Nach sehr viel Zwischenapplaus folgte am Ende starker Schlussapplaus und zahlreiche Bravo-Rufe.
kulturfreak.de, Markus Gründig, 19.01.2019
Prädikat, unbedingt hörenswert!
Rhein-Zeitung, Axel Zibulski, 21.01.2019
Brillant der von Albert Horne perfekt einstudierte Herrenchor in ebenso schlagkräftiger wie artistisch ausgetüftelter Schönheit.
Frankfurter Rundschau, Bernhard Uske, 22.01.2019

Termine

Internationale Maifestspiele 2019GROSSES HAUS19:30 - 22:00
GROSSES HAUS19:30 - 22:00
GROSSES HAUS19:30 - 22:00
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