Oper

Peter Grimes

Benjamin Britten (1913 – 1976)
Oper in drei Akten und einem Prolog | Libretto: Montagu Slater, nach »The Borough« (1810) von George Crabbe
Uraufführung: 1945 in London
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Johanni van Oostrum, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Johanni van Oostrum, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Johanni van Oostrum
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas de Vries
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas de Vries, Johanni van Oostrum, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Johanni van Oostrum, Ensemble
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Lance Ryan
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Katharina Konradi, Finn Braklow, Sarah Jones
Foto: Karl & Monika Forster

Ein Opernkrimi: Wie kam der Lehrling des eigenbrötlerischen Fischers Peter Grimes ums Leben? Gerüchte und üble Verleumdungen verbreiten sich unter den Bewohnern des kleinen Fischerdorfs. Aber auch Grimes hat obskure Interessen: Besessen von der Idee, durch Reichtum endlich gesellschaftliche Aufnahme zu finden, treibt er auch seinen nächsten Lehrjungen hart zur Arbeit an und riskiert einen weiteren Toten.

Das Werk mit seinen großen Chören und bewegenden sinfonischen Meerespanoramen war Brittens zweites Werk fürs Musiktheater. Der Komponist war selbst ein Kind der englischen Küste, er kam in dem Küstenstädtchen Lowestoft in der englischen Grafschaft Suffolk zur Welt. Auch die Entstehung der Oper ist untrennbar mit dem Ozean verwoben: Der Entwurf zu »Peter Grimes« entstand auf der Atlantik-Überfahrt von den Vereinigten Staaten zurück in die Heimat Großbritannien. Es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs, und die Zukunft für den bekennenden Pazifisten Britten war mehr als ungewiss. Das spiegelt sich auch in seiner Oper: Peter Grimes ist ein Mensch, der durch gesellschaftlichen Druck und traumatische Erlebnisse nachhaltig beschädigt und letzten Endes vernichtet wird. Benjamin Britten findet für diese mysteriösen Vorgänge eine faszinierende Tonsprache, die auch die unberechenbare Kraft der Wellen und Sturmwinde, aber auch die wilde Schönheit der Küstenlandschaft wiedergibt. Ein sensationell-schwebendes Bühnenbild von Rolf Glittenberg und Lance Ryan, einer der gefragtesten Tenöre im deutschen Fach weltweit in der Titelpartie, machen den Wiesbadener »Peter Grimes« zu einem Erlebnis.


PREMIERE 4. Februar 2017


Besetzung

Musikalische Leitung Albert Horne
Inszenierung Philipp M. Krenn
Bühne & Kostüme Rolf Glittenberg
Chor Albert Horne
Licht Andreas Frank
Dramaturgie Katja Leclerc
Peter Grimes Lance Ryan
Ellen Orford Johanni van Oostrum
Balstrode Thomas de Vries
Auntie Andrea Baker
1. Nichte Katharina Konradi
2. Nichte Sarah Jones
Boles Benedikt Nawrath
Swallow Benjamin Russell
Mrs. Sedley Romina Boscolo
Pastor Adams Aaron Cawley
Ned Keene Alexander Knight
Hobson Hans-Otto Weiß
Chor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Der Regisseur Philipp M. Krenn erzählt Benjamin Brittens düsteres Seestück vom verdächtigen, verdächtigten Außenseiter als packendes Passionsdrama, das im Staatstheater Wiesbaden ein gespannt lauschendes, schließlich heftig applaudierendes Publikum findet. Mit Lance Ryan ist im Zentrum des Geschehens ein wirklicher Sängerdarsteller zu erleben, der das Gebrochene des Charakters nicht nur im stimmlichen Spektrum abbildet. (...) Der Bühnenbildner Rolf Glittenberg hat dafür einen großartig ungemütlichen Seelen-Raum geschaffen: Peters Container, der Hafen-Assoziationen weckt und, wie die Psyche des Protagonisten, bedenklich Schlagseite bekommt, schwebt in einem riesigen Kasten auf und ab. (...) Eine große Partie und ein großer Abend für den Chor, der sich, wenn die Menge zum Mob wird, auch als bedrohlich kraftvolles, choreografisch bewegtes Kollektiv erweist. Seiner Führung kommt zugute, dass mit Albert Horne der Chordirektor höchstselbst am Pult des Staatsorchesters steht, mit deutlichem Einsatz seines Amtes waltet und auch Brittens Zwischenspiele zum maritimen Glitzern und Rauschen bringt. (...) Herausragend im Ensemble neben dem balsamischen Bariton von Benjamin Russell als Swallow, Andrea Bakers resoluter Auntie und dem markanten Balstrode von Thomas de Vries: Johanni van Oostrum mit leuchtendem Sopran als überfürsorgliche Lehrerin Ellen Orford.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 06.02.2017
In seiner Wiesbadener Neuinszenierung des 1945 in London uraufgeführten Werks führt Philipp Krenn die inneren Konflikte der Hauptfigur mutig und unerbittlich ins Offene. Der Ausstatter Rolf Glittenberg hat ihm dafür eine Einheitsbühne errichtet, auf der das Maritime einzig und allein in einem hoch über dem Bühnenboden schwebenden Schiffscontainer gegenwärtig ist, der auf der Vorderseite offen ist. (...) In der Titelpartie prägt der kanadische Heldentenor und erfahrene Wagner-Sänger Lance Ryan die Premiere, vokal mit Öffnungen ins bezwingend Lyrische bei szenisch drückender Enge. (...) Wie leicht könnte das alles in eine peinliche laienpsychologische Darstellung kippen. Doch davor schützt die hohe Regiekunst Krenns, der jede expressive Geste, jeden Schmerzensblick und jeden Gewaltmoment beklemmend genau platziert. Davor schützt auch der großartige Sängerdarsteller Ryan, dem in grauer Unterwäsche beim Turnen durch den geschlossenen Bewegungsraum des am Ende fast ins Vertikale gekippten Containers Äußerstes abverlangt wird. Er vermittelt alles hochauthentisch, ringend, leidend. Als Ellen (...) steht ihm Johanni van Oostrum gegenüber, eine Bühnenpartnerin, die Peter als Mann, als Kind und als Bestie auf darstellerischer Augenhöhe und mit intensiv reinem Sopran begegnet. (...) Ein Hauptdarsteller ist die Menge, also der von Albert Horne präzise einstudierte Chor des Hessischen Staatstheaters. Konsequenterweise ist ihm auch die musikalische Premierenleitung anvertraut, was sich als Glücksfall erweist. Der Südafrikaner bewegt den Chor zu einem präzisen und durchschlagenden Auftritt, der in den aggressiven »Grimes!«-Rufen des Volkes einen kaum mehr auszuhaltenden Druck aufbaut. Das Orchester folgt ihm mit aller Gestik und Genauigkeit, mit allen Farben und Facetten, die Brittens Musik bis in die Orchesterzwischenspiele, die »Sea Interludes«, verlangt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Axel Zibulski, 06.02.2017
Wiesbadens auch dirigierender Chordirektor Albert Horne entfesselt mit dem Orchester und dem exzellent aufgestellten (auch stark spielenden, was für die Regie spricht) Chor Meer, Sturm, Angst und Mob. Die Solisten sind hervorragend besetzt, allem voran der Coup, dass der kanadische Wagner-Tenor Lance Ryan, eine Art Siegfried vom Dienst, ein fulminantes Debüt als Grimes gibt. (…) Johanni van Oostrum ergänzt ihn als milde und opulent aufsingende Lehrerin, Thomas de Vries ist ein fundamentaler Balstrode.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 07.02.2017
Ja, es gibt sie noch, die Sternstunden! Opernabende, an denen alles stimmt und die sich unauslöschlich in das Bewusstsein des Zuschauers einprägen!

Die Neuproduktion ist DER Paukenschlag in der noch jungen Saison 2017/2018! Eine Inszenierung von seltener vorzüglicher Qualität mit einem Schauwert und einer Bildintensität, die extrem selten ist!
Der neue Merker, Dirk Schauß, 05.02.2017
Ein gelungener Ausflug in die Psyche eines Zerrissenen. (…) Dass die mutige Inszenierung Philipp Krenns derart beklemmt, liegt an ihrer großartigen Präzision, ihrem genauen Timing zwischen Außenwelt und Innerem, auch an der szenisch wie vokal faszinierenden und vielseitigen Darstellung Lance Ryans. (…) Albert Horne, Wiesbadens Chordirektor und Premierendirigent, hält dabei zahlreiche Kollektivszenen ungemein sicher im Griff und ist ohnehin ein weiterer Star des Abends, der auch in den Partien etwa von Andrea Baker als Wirtin Auntie oder Aaron Cawley als Pastor Adams charaktervoll ausgefüllt und am Ende einhellig umjubelt wird.
Langener Zeitung, Jörg Sander, 07.02.2017
Lance Ryan, der diese Partie in Wiesbaden mit Bravour singt, zeigt hier auch eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung – ihm wird im Laufe des Abends viel abverlangt. (…) Albert Horne, der Chor und Orchester zugleich leitet, lässt die in der Partitur angelegten Stimmungsbilder hörbar und fühlbar werden und so gerät auch der Sturm in der Natur überzeugend zu des Volkes Sturm, in dem die Ortsbewohner zum Mob zu mutieren drohen. Der Chor hält das Geschehen auf der Bühne in steter Bewegung, auch die kleineren Partien waren passend besetzt, etwa Romina Boscolo als bigotte, klatschsüchtige Mrs. Sedley. Die Chorleistung wie die des Orchesters und der Sängerinnen und Sänger wurden zurecht mit anhaltendem Beifall bedacht.
Weltexpress, Jürgen Pyschik, 08.02.2017

Termine

NeuinszenierungGROSSES HAUS19:30 - 22:30
19:00 Einführung im Foyer Großes Haus
NeuinszenierungGROSSES HAUS19:30 - 22:30
19:00 Einführung im Foyer Großes Haus
NeuinszenierungGROSSES HAUS19:30 - 22:30