Schauspiel
Schauspielhaus Graz | Graz | Österreich

Merlin oder Das wüste Land

Tankred Dorst, Mitarbeit Ursula Ehler
Uraufführung: 1981 in Düsseldorf

Foto: Lupi Spuma
Foto: Lupi Spuma
Foto: Lupi Spuma

An der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit versucht der visionäre König Artus zusammen mit dem Zauberer Merlin durch die Erfindung seiner Tafelrunde eine neue Ordnung und ein friedlicheres Miteinander zu etablieren. Aber Merlin wurde vom Teufel mit einer frommen Hure gezeugt, und so streiten sich in ihm das Böse und das Gute, und alle Versuche, das »wüste Land« zu zivilisieren, enden in neuer Konfusion.

Tankred Dorsts monumentales Drama, uraufgeführt 1981, verwebt verschiedene mittelalterliche Mythen zu einer großen Erzählung von Anfang und Ende einer Zivilisation und es berichtet in nicht weniger als 97 Szenen von einer Zeitenwende, in der die alten Götter abgelöst worden sind von einer neuen Religion, deren Gott sich nirgendwo manifestiert. Ein Spiegelbild unserer Gegenwart, die dringend neue Werte und Orientierung benötigt.
 
Tankred Dorst, einer der bedeutendsten Autoren der neueren deutschen Dramatik, ist in Wiesbaden auch als Mitbegründer der Biennale eine bekannte Größe. Es hat Tradition, seine Stücke am Hessischen Staatstheater aufzuführen. »Merlin oder Das wüste Land«, das als sein Opus magnum angesehen werden kann, war hier jedoch noch nicht zu sehen – ein Glücksfall, dies nun mit einer von Presse und Publikum begeistert aufgenommenen Inszenierung nachholen zu können.
 
»Bildmächtige Szenerien, lustvolle Gruppen-Improvisationen, eine durchaus draufgängerische Mixtur aus dick aufgetragener Hintersinnigkeit und naiv ausgespieltem, gelegentlich ins Kraut schießendem Klamauk.«
(nachtkritik.de)
 
»Regisseur Gockel reduziert den gewaltigen Kosmos der Menschheit mit entwaffnendem Charme, […] Parzivals Mutter wird urkomisch von Franz Solar gespielt und Parzival grandios von der blutjungen, behänden Anfängerin Julia Gräfner. Pietsch changiert mit nonchalanter Souveränität zwischen Puppenspieler, Konferencier und Mitspieler in vielen Rollen, eine grandiose Leistung! Auch Shakespeares Sommernachts-Handwerker und manch’ anderes Welttheater werden zitiert. Das macht diesen opulenten, überraschend kurzweilig unterhaltsamen Theaterabend zum großen Ereignis, dem das Publikum ostentativ begeistert und animiert folgte.« (Theaterpur)

Besetzung

Inszenierung Jan-Christoph Gockel
Bühne Julia Kurzweg
Kostüme Sophie du Vinage
Licht Thomas Trummer
Puppenbau Michael Pietsch
Musik & Hörspiel Matthias Grübel
Dramaturgie Karla Mäder
Julia Gräfner, Benedikt Greiner, Fredrik Jan Hofmann, Florian Köhler, Raphael Muff, Michael Pietsch, Evamaria Salcher, Franz Solar, Sumaiya Akhter (Statistin)