Schauspiel

Es begab sich aber zu der Zeit

Theaterprojekt von Thomas Jonigk
Sa, 21.10.2017
UraufführungKleines Haus19:30 - 21:20
Kruna Savić, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Kruna Savić, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Christina Tzatzaraki, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Christina Tzatzaraki, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Kruna Savić, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Paul Simon, Kruna Savić
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Tobias Lutze
Foto: Andreas Etter
Janning Kahnert, Kruna Savić
Foto: Andreas Etter
Tobias Lutze, Paul Simon
Foto: Andreas Etter
Evelyn M. Faber, Tobias Lutze
Foto: Andreas Etter
Evelyn M. Faber, Tobias Lutze
Foto: Andreas Etter

Ein Mann hat einen anderen auf einer unübersichtlichen Straße überfahren. Es war Nacht und er begreift erst Tage später das Ausmaß seiner Schuld. Kann er sich je vergeben? Und kann die Frau des Opfers ihm verzeihen, gar Trost bei ihm finden? Ein Blinder erlangt wie durch ein Wunder sein Augenlicht zurück, aber sein Leben gerät dadurch gänzlich aus den Fugen. Ist das Gerechtigkeit? Bedeutet Treue in einer Liebesbeziehung nur Verzicht oder ist das die eigentliche Freiheit? Wovon würden Sie gern erlöst werden? Und was ist überhaupt Erlösung?

Gewaltfreiheit und Nächstenliebe, das sind bis heute Leitwörter auch nicht-religiöser Menschen, während andere traditionell christlich konnotierte Schlüsselbegriffe wie Gnade, Vergebung, Versöhnung, Barmherzigkeit oder der verantwortungsvoll handelnde Mensch längst einen abseitigen, verstaubten Beigeschmack erhalten haben.

»Es begab sich aber zu der Zeit« des Autors und Regisseurs Thomas Jonigk lässt in einem Mosaik parabelhafter Szenen mal komisch, mal hochemotional Themen und Figuren auftauchen und wieder verschwinden, an denen ein umfängliches  Spektrum dieser verschwundenen oder nicht mehr sinnlich erfahrbaren Begriffe ganz konkret werden.  Ein Versuch, Fragen aufzuwerfen und die Begriffe und das, was sie eigentlich ausmacht, für unsere Zeit zurückerobern. Wie zentral sind christliche Prinzipien in einer zunehmend gewalttätigen, rachsüchtigen, selbstgerechten und von religiösem Fanatismus geprägten Realität hier und heute?


PREMIERE 17. Juni 2017

Besetzung

Text & Regie Thomas Jonigk
Bühne & Kostüme Lisa Däßler
Dramaturgie Katharina Gerschler
Der eine Narr Evelyn M. Faber
Der andere Narr Tobias Lutze
Der Mann Paul Simon
Die Ärztin / Die Ehefrau Kruna Savić
Der Arzt / Der Täter Janning Kahnert
Der Masseur / Der Penner Matze Vogel
Die moderne Gläubige / Die Pflegerin Christina Tzatzaraki

Pressestimmen

»»Irgendwie finde ich, dass Gott fehlt«, sagt der eine der beiden schlicht großartigen Narren (Evelyn M. Faber und Tobias Lutze). Und darum geht es. Wie der Mensch leben, wie er nicht verzweifeln kann, wenn doch das ganze Weltall stumm ist, wie es bei Pascal heißt. Überhaupt geht es […] um die großen, um die allerletzten Fragen. Jonigk zitiert ausführlich aus der Bibel und aus Augustinus. Und doch wird in keinem Augenblick ein Priesterseminar oder eine Lehrstunde in Metaphysik daraus. Ein Verdienst des Regisseurs, der immer wieder kluge Pausen setzt, mal Stille, mal Bachs: »Erbarme dich, mein Gott« über der Szene stehen lässt, ohne dass es peinlich würde. Ein Verdienst der Schauspieler indes vor allem, die all die Grübeleien um Glaube, Liebe, Hoffnung, Angst, Krise, Verzweiflung, Trauer, Trost, Untröstlichkeit, Vergebung und Barmherzigkeit erst praktisch wenden oder mitunter gar verkörpern wie Kruna Savić als vereinsamte Ärztin, Janning Kahnert als Unfallfahrer und Christina Tzatzaraki als »die Pflegerin«. Und Matze Vogel als Clochard erscheint als des Betrachters figurgewordenes schlechtes Gewissen.«
FAZ, Rhein Main Zeitung, Christoph Schütte, 22.06.2017
Jonigks Stück [...] spürt Grundbegriffen aus dem Neuen Testament in locker miteinander in Verbindung stehenden [...] Episoden hinterher. […] Dann wieder konfrontiert [es] christliche Ideale mit den alltäglichen Bösartigkeiten der Figuren. Die Eifersucht steht der Barmherzigkeit im Weg, der Hass der Gnade. Heraus kommt eine mehrstimmige Meditation über die Frage, was das eigentlich alles soll: wir, das Leben und der Rest. […] Ein wahrer Lichtblick sind die beiden Narren, die Stück wie Inszenierung zusammenhalten. Evelyn M. Faber, die schon seit Jahrzehnten auf der Bühne des Wiesbadener Staatstheaters steht, und Tobias Lutze, der erst zum Ende der Spielzeit engagiert wurde, geben ein wundervolles Gespann ab. [...] In unmöglichen Klamotten und Frisuren verziehen sie ihre Gesichter zu frömmlerischen Grimassen und verstehen es, mit nur einem Blick eine gut sitzende Pointe zu platzieren. Das ist in seiner Narrenfreiheit von einer so kompakt, stilsicheren und großzügigen Komik, dass man die Auftritte der beiden an diesem Abend sehnlicher erwartet als die Ankunft des Herrn.
Nachtkritik, Shirin Sojitrawalla, 22.06.2017

Termine

UraufführungKleines Haus19:30 - 21:20
UraufführungKleines Haus19:30 - 21:20