Schauspiel

Judas

Nach dem Roman von Amos Oz
Deutsch von Mirjam Pressler
In einer Bühnenfassung von Clemens Bechtel

Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst
Foto: Karl & Monika Forster
Rainer Kühn
Foto: Karl & Monika Forster
Rainer Kühn, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Benjamin Krämer-Jenster
Foto: Karl & Monika Forster
Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst, Sólveig Arnarsdóttir, Rainer Kühn
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst, Rainer Kühn
Foto: Karl & Monika Forster
Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Maximilian Pulst
Foto: Karl & Monika Forster

Amos Oz’ neuester Roman spielt im Jerusalem der späten 1950er Jahre. Die Geschichte rankt sich um drei Figuren und drei Generationen: Der junge Schmuel, aus dessen Perspektive erzählt wird, flieht vor einer unglücklichen Liebe und aus dem Universitätsstudium und gerät per Zufall in das Haus eines geistreichen alten Mannes, dem er Pfleger und vor allem ein kluger Gesprächspartner sein soll. Schmuel findet bald heraus, dass Gershom Wald eine wichtige Rolle gespielt hat in den politischen Zerwürfnissen um die Staatsgründung Israels. Zudem trifft er auf Gershoms Schwiegertochter Atalja, Privatdetektivin, Jahre älter als Schmuel und für ihn eine aufregende, faszinierende Frau. So entspinnt sich neben dem historisch-kritischen Diskurs in atmosphärischer Dichte eine wunderbar wilde Geschichte um Begehren und Geheimnis.
 
Parallel zu den Erzählungen von Liebe und der politischen Dimension des Israel-Konflikts führt Oz in eine religionsgeschichtliche Debatte. Denn Schmuel nimmt, inspiriert von der eigenwilligen Wohngemeinschaft, seine Seminararbeit über die Rezeption der Judas-Figur wieder auf. Und er macht sich daran, dunkle Geschehnisse aus der Vergangenheit von Atalja und Gershom zu entwirren. So wird vor der Folie der kulturhistorischen Bedeutung der Titelfigur die Frage nach Verrat im gesellschaftlichen wie im familiären Kontext überraschend neu gestellt.

PREMIERE 1. März 2017

Pressestimmen

Man darf diese Bühnenfassung zu den eher gelungenen unter den allzu vielen bemühten Romanadaptionen am jüngeren deutschen Theater zählen. […] Clemens Bechtels Inszenierung konzentriert sich auf Kernmomente der Gespräche und eine sparsame Handlung im düsteren Haus des greisen, an Krücken gehenden Gershom Wald. […]
Doch sind es nicht zuletzt der ernsthafte Ton und die trefflich reduzierte Spielweise des Trios der Lebenden, die für diese Inszenierung einnehmen. Rainer Kühn gibt den Gershom als verbitterten Grantler wie hellsichtig das Leben verstehenden Greis. Er weiß auch um die Unvermeidlichkeit wie Zwecklosigkeit einer Liebelei zwischen der 45-jährigen kühlen, spröden, verschlossenen und doch fraulichen Kriegerwitwe Atalja von Solveig Arnarsdóttir und dem allweil aufgeregten, ziellos eilenden Schmuel von Maximilian Pulst.
Rhein-Zeitung, Andreas Pecht, 03.03.2017
Wenn er sich aber der starken Vorlage von Amos Oz ganz anvertraut, immer dann ist der […] Abend hoch spannend. Dann vermittelt er Sichtweisen, die ebenso unkonventionell wie vielschichtig und auch auf unsere Gesellschaft übertragbar sind. Großer Applaus des Publikums für diese besondere Einleitung der Fastenzeit.
Wiesbadener Kurier, Brigitta Lamparth, 03.03.2017
Regisseur Clemens Bechtel, bisher eher im politischen Doku-Theater profiliert, zieht die Vorlage als vielschichtiges szenisches Kammerspiel für drei Personen auf. […]
Eindrücklich und berührend über den historischen Kontext hinaus weisen im Schlussakt des anderthalbstündigen Abends die im Wohnzimmer verstreuten toten Soldaten. Passende und starke Charaktere hat der Regisseur für diese Aufgabe im Ensemble gefunden. Maximilian Pulst […] wird auch dem schräg verzweifelten Charakter des Schmuel wunderbar gerecht. Solveig Arnarsdóttir gelingt eine seelisch erkaltete, emotionslose Atalja und wie geschneidert scheint die Rolle des golemhaften, rechthaberischen Altintellektuellen Wald für Rainer Kühn, wenn er seinem Gegenüber wie ein wandelndes Fragenzeichen auf die Pelle rückt.
Strandgut Kulturmagazin, Winnie Geipert, 01.04.2017
Clemens Bechtel hat mit dem israelischen Autor Oz unterschiedliche Perspektiven auf den Nahost-Konflikt in den Blick genommen und für die Bühne bearbeitet. Auch wenn strenggenommen nicht viel passiert, füllt das kleine Ensemble eindrucksvoll das Haus, das mehr von Toten als von Lebenden bevölkert scheint. Allen gelingt es verblüffend, die klug herausdestillierte Essenz des Romans sowie seinen melancholisch-humorvollen Ton in nur 100 Minuten auf die Bühne zu bringen.
Frankfurter Neue Presse, Astrid Biesemeier, 07.03.2017