Schauspiel

Hamlet, Prinz von Dänemark

Von William Shakespeare

Christian Erdt, Barbara Dussler
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler, Christian Erdt, Nils Strunk, Moritz Buch
Foto: Karl & Monika Forster
Christian Erdt
Foto: Karl & Monika Forster
Tom Gerber
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler, Ulrich Rechenbach
Foto: Karl & Monika Forster
Christian Erdt, Tom Gerber
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Matze Vogel, Rainer Kühn, Marek Sarnowski
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Christian Erdt
Foto: Karl & Monika Forster
Christian Erdt, Tom Gerber
Foto: Karl & Monika Forster
Christian Erdt, Tom Gerber
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Barbara Dussler, Felix Mühlen
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Tom Gerber, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Lukas Benjamin Engel, Christian Erdt
Foto: Karl & Monika Forster
Christian Erdt
Foto: Karl & Monika Forster
Sólveig Arnarsdóttir, Christian Erdt
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Rainer Kühn, Matze Vogel
Foto: Karl & Monika Forster
Tom Gerber, Christian Erdt, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster

Dänemark nach dem Machtwechsel: Der alte König ist tot, die Todesumstände vage und die Witwe eilends wieder verheiratet – mit ihrem Schwager. Dessen Führungsqualitäten braucht das krisengeschüttelte Land. Denn äußere Feinde bedrohen es ebenso, wie es von innen heraus fault. Zur Trauerfeier vom Studium heimgekehrt, gerät Prinz Hamlet in den Strudel politischen Umbruchs und gleichzeitig in einen tiefen inneren Konflikt. Der Geist des Vaters bezichtigt seinen Nachfolger des Mordes und fordert Rache. Im Netz von Spitzeln, die der neue Herrscher um sich schart, scheint für Hamlet überall Gefahr zu lauern. Vonseiten alter Freunde wie von seiner geliebten Ophelia. Alles nur Wahn? Fremd geworden im eigenen Land, entwurzelt, der eigenen Sinne nicht mehr sicher, wird Hamlet zum Beobachter seiner selbst und einer Gesellschaft, zu der er nicht mehr gehört. Kann er handeln – muss er gar? Und zu was führt eine mögliche Aktion? Hamlet tut lange gar nichts, um schließlich seine ganze aus den Fugen geratene Welt in den Abgrund zu reißen – auf dass eine bessere entstehe?

Kaum ein Stück, das den Menschen und die Welt tiefgreifender, schonungsloser erforscht. Der Rest ist Schweigen.

PREMIERE 6. September 2015

Besetzung

Hamlet Christian Erdt
Ophelia Janina Schauer
Gertrud Sólveig Arnarsdóttir
Vatergeist/Claudius Tom Gerber
Horatio Nils Strunk
Laertes Ulrich Rechenbach
Polonius Michael Birnbaum
Rosencrantz Felix Mühlen
Güldenstern Lukas Benjamin Engel
1. Schausp. (König) / 1. Totengräber Rainer Kühn
Reynaldo / 2. Totengräber Benjamin Krämer-Jenster
Voltemand / Lucianus / Priester Marek Sarnowski
Marcellus / 2. Schausp. (Königin) / Osric Matze Vogel
Cornelius Moritz Buch
Schauspieler / Diener Patrick Isermeyer

Pressestimmen

Was für ein Saisonstart am Staatstheater Wiesbaden: Ein Hamlet-Darsteller, der sich rückhaltlos in die Rolle wirft; ein Bühnenbild, das mit düsterer Wucht bezwingt, und eine Regie, die sich für die Charaktere begeistert und Shakespeares Sprache feiert. (…)
Altmeister Nicolas Brieger zeigt Shakespeares familiäre Rachtragödie als düsteres Endspiel. (…) Christian Erdt in der Titelpartie ficht einen aussichtslosen Kampf um die Wahrheit gegen eine abgehobene Politikerkaste, die sich moderner Überwachungskameras bedient. Wie er unermüdlich an den Gittern seines Käfigs rüttelt, wie er Kameras zerschlägt und verzweifelt an den Menschenmasken zerrt, geht spürbar unter die Haut.
Tom Gerber als Brudermörder Claudius ist sein dunkler Gegenspieler, ein Machtmensch, der Hamlet bereits zusammenzucken lässt, wenn er ihn nur beim Namen nennt. Sólveig Arnarsdóttir als seine charmante Königin Gertrud lässt bis zum letzten offen, ob sie von der Ermordung ihres Mannes wusste. (…) In jeder Szene ist spürbar, wie tief sich Nicolas Brieger in die Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch gekniet hat. Seine Figuren sin Charaktere, die Zeit haben, sich zu entwickeln. Da sorgt Michael Birnbaum als zwangsloser Polonius ebenso für Heiterkeit wie Urgestein Rainer Kühn als hohlwangiger Mime und grotesker Totengräber in Personalunion. Hamlets Alter Ego Horatio (Nils Strunk) rundet einen überragenden Theaterabend ab, an dem es einfach nicht auszusetzten gibt. Jubel für alle Beteiligten.
Gießener Allgemeine Zeitung, Bettina Boyens, 08.09.2015
Da verschafft ein spielfreudiges Ensemble diverse Aha-Momente zu der Motivation der einzelnen Figuren; da sieht man plötzlich manche Zusammenhänge wie neu. Dicht ist das, gut erzählt, virtuos gespielt.
Wiesbadener Kurier, Birgitta Lamparth, 08.09.2015
(Hier) zeigt sich, wie ein Theater zu gewinnen vermag, wenn es aufs Ganze geht. Der Jubel am Ende steht dem eines Popkonzerts nicht nach.
Frankfurter Rundschau, Stefan Michalzik, 08.09.2015
Alles ist hier groß. Ein wuchtiger Turm wie aus einem alten Stahlwerk dominiert die Bühne, überall liegen mächtige Rohre kreuz und quer, Edelrost überzieht Autowracks und Eisenträger. Und alles dreht sich, eine effektsichere Lichtregie und viel Dampf aus der Nebelmaschine schaffen immer neue Perspektiven, machen den Raum mal eng, um dann wieder die ganze große Bühne zu einem wirklich durch und durch faulen, verrotteten Dänemark werden zu lassen. Kein Zweifel, dieser „Hamlet“, der auch mit seinen über vier Stunden Spielzeit auf das Recht zur Größe pocht, ist ein visuelles Fortissimo, ein Fest für die Augen, denen bis kurz vor Mitternacht niemals langweilig wird. (…) man hat sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, den „Hamlet“ in bisweilen recht brachial gekürzten Fassungen zu sehen, die angesichts der zahlreichen populären Stellen kaum mehr waren als ein Zitat-Potpourri mit Action-Einsprengseln. Nicolas Brieger setzt dagegen mit nur wenigen Strichen ganz auf den Text. (…) Besonders Christian Erdt in der Titelrolle stattet seinen Hamlet mit einer stupenden jugendlichen Frische aus, die über vier Stunden nicht nachlässt und den Abend auf jeden Fall für ihn zu einem großen macht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Matthias Bischoff, 08.09.2015
Nachdem sich der aus einer anderen Zeit stammende Theatervorhang gehoben hat, erweckt Brieger seine wie aus einer anderen Welt erwachenden Figuren zum leben. Sein Ensemble spielt gewissermaßen auf unterschiedlichen Zeit- und Realitätsebene. Gegenwart, Zukunft, Theater- oder Spielebene sowie mahnende Geister. Die Kostüme von Andrea Schmidt-Futterer unterstreichen das: Stilisierte elisabethanische Kostüme sind ebenso zu sehen wie heutige (Politiker-)Anzüge. Wie die Truppe, mit der Hamlet Claudius entlarvt, zeigen Brieger und sein Team, was wohin führt. Da ist es nur konsequent, dass Christian Erdts Hamlet nicht in einen einzigen Ton und Gestus verfällt. Mal scheint er an der Welt verrückt zu werden, mal ist er ruhig und erwachsen. Was soll man auch tun, wenn die Welt ist, wie sie ist, schon so viele Menschen Hamlet gesehen haben und sich doch nichts ändert?
Frankfurter Neue Presse, Astrid Biesemeier, 08.09.2015