Uwe Eric Laufenberg

Intendant, Regisseur & Schauspieler
Uwe Eric Laufenberg, geboren in Köln, war als Schauspieler und Regisseur am Schauspiel Frankfurt, am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Zürich tätig, anschließend als Oberspielleiter am Maxim Gorki Theater in Berlin. Schauspiel-Gastinszenierungen waren ab 1993 unter anderem am Deutschen Theater Berlin, Residenztheater München und Burgtheater Wien zu sehen. Operninszenierungen erarbeitete er u. a. am Landestheater Linz (»Der Ring des Nibelungen«), an der Wiener Staatsoper (»Elektra«), Semperoper Dresden und am Gran Teatre del Liceu Barcelona (»Der Rosenkavalier«), Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel, an der Komischen Oper Berlin sowie an der Staatsoper Hamburg. 2004-2009 war er Intendant des Hans Otto Theaters Potsdam und 2009-2012 Intendant der Oper Köln.
Seit Beginn der Spielzeit 2014.2015 ist Uwe Eric Laufenberg Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Dort eröffnete er mit Richard Strauss’ »Die Frau ohne Schatten« und »Herzog Blaubarts Burg« und inszenierte im Schauspiel Thomas Manns »Buddenbrooks«. Auch adaptierte er seine Inszenierung von Mozarts »Die Entführung aus dem Serail« für Wiesbaden, die bereits in Potsdam, Köln und im Irak (Sulaymaniyah) zu sehen war. Die Spielzeit 2015.2016 begann in der Oper mit seiner Neuinszenierung »Otello«, anschließend führte er bei »Così fan tutte« sowie im Schauspiel bei »Hedda Gabler« Regie. Die Bayreuther Festspiele 2016 eröffneten mit seiner Inszenierung des »Parsifal«. In der Spielzeit 2016.2017 standen in Wiesbaden neben der Neuinszenierung von Friedrich Schillers Drama »Don Karlos« Richard Wagners kompletter Zyklus »Der Ring des Nibelungen« auf dem Wiesbadener Spielplan.
In der Spielzeit 2017.2018 folgen neu Inszenierungen der Opern »Tannhäuser« und »Arabella« sowie im Schauspiel die Deutsche Erstaufführung von Tom Stoppards »The Hard Problem« und Houellebecques »Unterwerfung«. Auch als Schauspieler ist Uwe Eric Laufenberg in Wiesbaden präsent, neben »Dr. med. Hiob Prätorius« neu als Kreon in »Die Antigone des Sophokles«.

Produktionen

Inszenierung in »Arabella«
Moderation in »WIR FEIERN Neujahrskonzert«
Inszenierung in »Tannhäuser«
Regie in »The Hard Problem«
Regie in »Unterwerfung«
Inszenierung in »Götterdämmerung«
Inszenierung in »Così fan tutte«
Inszenierung in »Otello«

Galerie

Foto: Karl & Monika Forster
Uwe Eric Laufenberg
Foto: Karl & Monika Forster
Monika Kroll, Uwe Eric Laufenberg

Pressestimmen

Es ist auf eine rührend altmodische Weise ein wohltuendes Märchen über einen Menschenbeglücker, eine luftig leicht erzählte Wunschphantasie und nicht zuletzt ein Vehikel, um dem Darsteller der Hauptrolle größtmöglichen Entfaltungsraum zu geben. Man schaut [Uwe Eric Laufenberg] überaus gern zwei Stunden lang zu, wärmt sich an seiner Wärme und freut sich über das leise Augenzwinkern, mit dem er das hemmungslos Übermenschliche dieser Figur erträglich macht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Matthias Bischoff, 15.12.2015
Laufenberg selbst spielt die Hauptrolle des Frauenarztes Prätorius so überzeugend und mit so viel Spielfreude, als hätte man sie ihm auf den Leib geschneidert: Als großer Zampano, jovialer Menschenfreund, ein Chefarzt, der die Frauen versteht und rotweinschwenkend das große Lebensorchester dirigiert.
SWR2, Maja Hattesen, 14.12.2015
Dass die Rolle des hochanständigen, eigenwilligen, insgesamt ganz unwahrscheinlichen Menschen und Titelhelden Dr. med. Hiob Prätorius in der klassischen, aber doch etwas in Vergessenheit geratenen Komödie von Curt Goetz von Uwe Eric Laufenberg gespielt wird, ist ein kleiner Coup. So ist es der kleine, ja auch von einer Prise Ironie umgebene Besetzungsgag, der sich perfekt einpasst in eine unterhaltsame, tatsächlich geradezu liebevoll gestaltete Inszenierung von Carsten Kochan. Das zeigt sich vor allem an den prächtigen Auftritten von Rainer Kühn als Mysterium Shunderson, indem er einer gar zu bequemen Edgar-Wallace-Karikierung widersteht und diese bloß mit irrsinniger Diskretion andeutet. Zu Beginn sieht man Stefan Graf als angenehm heruntergekühlten Sherlock Holmes, auch er hellsichtig und ohne Klamauk unterwegs. Eigentlich spielt Carsten Kochan die ganze Zeit über damit, dass das eine konventionelle Angelegenheit ist. Ist es aber nicht, gerade deshalb nicht.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 14.12.2015
Uwe Eric Laufenberg ist die Prätorius-Rolle wie auf den Leib geschnitten: Er darf Reden halten, lange und leidenschaftliche, über das Leben, die Freude, den Humor, gegen die Dummheit und für das Unkonventionelle als Heilmittel. Er darf sowohl liebenswürdig wie sarkastisch sein, künstlerisch wertvoll als Dirigent und menschenfreundlich als Humanist im Heilberuf. Und er darf lieben! Laufenberg spielt seine Rolle sympathisch glaubwürdig und – wie schön, dass der Intendant dabei ohne die Routine eines Schauspielers auskommt. Er hat mit Barbara Dussler (Maria Violetta), Michael Birnbaum, Uwe Kraus, Benjamin Krämer-Jenster, Stefan Graf, Benjamin Engel, Monika Kroll und Rainer Kühn ein exzellentes Ensemble um sich herum, das in vielen Details glänzt und ihn ganz selbstverständlich in seine Mitte nimmt.
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 14.12.2015
Alles, fast alles geht ganz wunderbar auf an diesem langen Abend, vielleicht dem glücklichsten, cleversten, rundesten, den die Intendanz von Uwe Eric Laufenberg in der Opernsparte seit Amtsantritt in Wiesbaden im vergangenen Jahr hervorgebracht hat. Das Publikum wird selbst Teil der Kulisse, es ist ein unplanbares Vergnügen zu sehen, wie lässig und heiter die meisten damit zurande kommen.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 03.11.2015
Laufenberg führt die Operation weiter, über den üblichen Auftaktschock hinaus. Er legt die burlesk-karnevalesken Züge dieser angeblichen Seria-Oper frei, seziert aber auch die Bosheit heraus und den bitteren Ernst, der in den schnellen Da-Ponte-Pointen steckt. Ganz ähnlich inszenierte er das Werk schon einmal, 2006 an der Potsdamer Winteroper: als klassisches Lustspiel, eine Gesellschaftskomödie, aber eben von heute, neu kostümiert mit dem Witz der Stand-up-Komödie. Laufenberg hat etwas von einem schikanederschen Theatertier oder auch von einem mozärtlichen Schlitzohr. Das Licht bleibe an, Teufel noch mal, niemand schlafe! Die vierte Wand bleibt offen bis zum Schluss. Die Sänger holen sich immer wieder Partner aus dem Publikum auf die Bühne, was wahrhaftig nicht jedes Mal so aussieht, als sei es vorher abgesprochen. So sind wir alle dreieinhalb Stunden lang genötigt, teilzunehmen an diesem Seelenexperiment, und eingeladen, uns gegebenenfalls erwischt zu fühlen.

»Così fan tutte ossia la scuola degli amanti« (So machen es alle – oder die Schule der Liebenden) ist die dritte und letzte der drei Opern, die Wolfgang Amadeus Mozart 1789 nach einem Libretto Lorenzo Da Pontes schrieb. Was machen wir alle? Offenbar immer noch dasselbe wie vor zweihundertzwanzig Jahren. Wir täuschen uns, über uns selbst und andere und über die Zerbrechlichkeit des Glücks. In den schnellen, dichtgefügten Dialogen Da Pontes gibt es kein Komma zu viel. Mozarts Musik dagegen hat, in den Arien sowieso, Zeit und Raum genug, um Gegenkommentare zu entwickeln oder Widerspruch einzulegen gegen die Rest-Eierschalen der Konvention, die an den Verwechslungs- und Verkleidungsirrtümern der Buffa kleben. Und darum geht’s: Zwei junge Männer, dumme Jungs, lassen die Muskeln spielen und beschließen einen Frauentausch. Nur zum Spaß, versteht sich. Die Wette gilt: Welche dieser beiden ahnungslosen Zuckerpuppen lässt sich schneller herumkriegen?

Dorabella, die dunkle Schöne mit der Sonnenstimme und dem herrlich runden Volumen (Silvia Hauer)? Oder Fiordiligi, das zierliche Quecksilber mit der Durchschlagskraft einer Granate (Heather Engebretson)? Der eloquente Spielemacher Don Alfonso (Wolf Matthias Friedrich) , der die Bank hält und als Einziger eine Art Mozartzopf tragen darf, verstaut den Wetteinsatz auf öffentlichem Gelände, nämlich auf dem breiten Steg, der den Orchestergraben einfasst, in dem das Hessische Staatsorchester Wiesbaden sitzt. Direkt hinter dem Kopf des Dirigenten Konrad Junghänel (auch schon in Potsdam mit von der Partie, in bewährt zuverlässiger Perfektion, mit sprühendem Esprit) stapeln sich die Geldscheine, beschwert von einer Flasche Rotwein, die am Ende, als Doppelhochzeit gefeiert wird (fragt sich nur, wer nimmt wen), gemeinsam geleert wird. Sie feiern alle zusammen, was auch immer, ihre eigne Zerbrechlichkeit und die Zerbrechlichkeit der Welt.

Ein Tisch, ein paar Gläser und Stühle, zwei Äpfel, Papierfähnchen – die Ausstattung (Matthias Schaller) kommt mit dem Nötigsten aus. Auch die Kostüme (Antje Sternberg) dieser markenmodebewussten jungen Leute von heute senden keine Botschaft aus. Alles hängt ab von der zwischenmenschlichen Interaktion, vulgo Personenführung genannt, und natürlich von der schauspielerischen Brillanz dieser sechs Sänger, die allesamt mit Blitzgeschwindigkeit und komödiantischer Artistik agieren. Christoper Bolduc als sportlich-sonorer Guglielmo, Ioan Hotea als stählern-agiler Ferrando sind auch stimmlich phantastisch-empfindsame Machos. In Fiordiligis Felsenarie »Come scoglio«, einem Paradestück über die Wehr- und Standhaftigkeit des schwachen Geschlechts, schafft es Engebretson mitten in einer virtuos-geschmeidigen Phrase, ohne sich im Singen zu unterbrechen, die widerspenstige Zofe Despina (glanzvoll: Gloria Rehm) über die Schulter zu werfen und sie wie einen Sack Kartoffeln abzuschleppen in die Kulisse: Applaus! Aus dem Publikum strömen einzelne Zuschauerinnen und/oder Choristinnen auf die Bühne (oder sie werden geströmt) und posieren als Superfrauen, mit geballten Fäusten. Extra-Applaus!

Zu rühmen ist auch der für Lichtregie verantwortliche Andreas Frank. Just die musikalischen Inseln der Utopie in all diesem wunderbar galoppierenden Buffa-Wahnsinn fängt er besonders schön ein. Dies geschieht dem Zauberterzettino »Soave sia il vento«, als die Mädchen mit Alfonso dem Schiff nachwinken, das ihnen angeblich die Liebsten in den Krieg entführt. Kein Wort davon, dass die Männer wiederkommen sollen. Sie singen nur von ihrer eignen Sehnsucht: »ai nostri desir«. Da gehen die Kronleuchter aus im Saal, das Licht auf der Bühne wird ernst und golden, fokussiert sich auf die drei Menschen, die da mit dem Rücken zueinander stehen, jeder für sich allein.

Das »Così«-Zitat hat Mozart übrigens deutlich hörbar, quasi mit Doppelpunkt und Ausrufezeichen, schon in die Ouvertüre zur Oper hineinkomponiert, als sollte jeder es als Zitat erkennen, obgleich doch niemand, der das Stück zum ersten Mal hört, es kennen kann, da diese Kadenz erst viel später, kurz vor Ende der Oper, im Original auftaucht. »So machen es alle«, sagt Alfonso, mit einer Prise Hohn und keinem Quentchen Trost in der Stimme. Er singt es direkt ins Publikum hinein, breitet die Arme aus und schließt uns ein: ihr auch. Haltet euch nicht raus. Damit müsst ihr leben.  
Eleonore Büning, F.A.Z., 03.11.2015
Regisseur Laufenberg vertraut auf die überzeitliche Bedeutsamkeit der Geschichte, auf die nuancierte Darstellung der Charaktere. Er baut nicht zuletzt auf den Sog, den Manns kristallklare Sprache entwickelt. [...] Zu den Bravourstücken des Abends gehört, wie Janina Schauer ihre Tony wandelt vom lebenslustigen, eigensinnigen Mädchen zur erst statussüchtigen Gattin, dann überspannt frustrierten Geschiedenen. Ähnlich hochkarätig fallen die so unterschiedlichen Brüder aus. Hier Thomas, Nachfolger des Konsuls an der Firmen- und Familienspitze: bei Janning Kahnert ein in stoischer Verbissenheit auf Arbeitsdisziplin und Kapitalertrag als Lebenssinn fixierter Mann. Dort Christian, dessen Untüchtigkeit, Gefühligkeit, Hypochondrie Stefan Graf als hinreißend tragikomische Melange des Allzumenschlichen gibt.
Rheinzeitung, Andreas Pecht, 17.06.2015
Laufenberg kitzelt die Komödie aus dem Stoff heraus. Das Einheitsbühnenbild überzeugt. Das herrschaftliche Esszimmer der Buddenbrooks mit riesigem Tisch funktioniert als realer und imaginärer Raum. Tolle Schauspieler.
Bild, Dr. Josef Becker, 16.06.2015
Laufenbergs Inszenierung dieses deutschen Singspiels […] balanciert
zwischen der einst etwas naiv getexteten Komödie und dem hart-genauen
Blick auf die wahren Verhältnisse von heute mit erstaunlicher Sicherheit.
Und: Besser als unter Junghänels Leitung spielten die Wiesbadener
noch nie Mozart.
Frankfurter Rundschau, Stefan Schickhaus, 30.03.2015
Mit welch sensibler Psychologie Laufenberg das Ringen der Färberin um eine Entscheidung zeigt, ihre heimlichen Sehnsüchte, ihre Skrupel, die Gefühle von Ekel und Rührung gegenüber ihrem Mann – das zieht den Zuschauer tief ins Gefühlsleben der Frau hinein. [...] Aus der Märchenoper hat Laufenberg ein packendes Gesellschaftsstück gemacht. Die Versteinerung des Kaisers zeigt er als Versteinerung des Herzens. Der Kaiser argwöhnt, seine Frau könnte einen Geliebten haben. Darum lässt er einen Verdächtigen foltern und töten. Der Kaiser wird zum Diktator. In ihrem Dünkel sind die Vertreter aller Klassen und Schichten befangen. Die Verwandlung ist ein schwieriger Prozess. Für Empathie braucht es Mut und Moral. Nur dann kann sich ein friedliches und glückliches Gemeinwesen entwickeln – so verkündet es Laufenberg zum Auftakt seines Wirkens. Wir glauben ihm und seinen Künstlern gern.
Deutschlandradio, Christoph Schmitz, 16.09.2014
Man kann es freilich als Qualität von Laufenbergs Interpretation werten, dass sie die Spannung zwischen »Rosenkavalier«-Duft, der doch auch noch durch die Partitur weht, und großorchestraler, mythischer Waberlohe aushält und szenisch fruchtbar macht. [...] Dafür ist natürlich auch der Bühnenbildner Gisbert Jäkel verantwortlich, der betörend schöne Bilder gefunden hat. [...] Bezwingend ist sogleich der Rahmen der ersten Szene, dessen kühle, grafische Klarheit mit der abgehobenen Sphäre des hohen Paares korrespondiert. In dieser Welt geht mit der Stimme Erika Sunnegårdhs buchstäblich die Sonne auf. Brillanz, Wärme, Kraft: Es ist alles da, was diese Partie braucht, bis hin zum steinerweichenden Gesang, mit dem die Kaiserin den zur Diktatoren-Büste petrifizierten Gemahl zurück ins Leben holt.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 15.09.2014
Uwe Eric Laufenberg eröffnet die neue Spielzeit des Musiktheaters mit einem Paukenschlag. [...] Das Bühnenbild, so viel kann man schon zu Beginn der Spielzeit sagen, wird mindestens zu den besten der kommenden Saison zählen. [...] Antje Starnberg kleidet die Akteure in geschmack- und fantasievolle Kostüme, die die Rollen treffend charakterisieren. [...] In diesem spannungsgeladenen Rahmen fühlen sich die Akteure sichtlich wohl. Und sie zeigen eine Leistung, die eindeutig in die Spitzenliga gehört. Ob Andrea Baker als Amme, Färberin Nicola Beller Carbone oder Kaiserin Erika Sunnegårdh – die Damen scheinen geboren, um die Musik von Richard Strauss zu singen und zu spielen.
Opernnetz, Michael S. Zerban, 12.09.2014
Zwar wartet der Regisseur durchaus mit einigen Ingredienzien des modernen Musiktheaters auf, präsentiert Gewalt und totale Nacktheit, schießt dabei aber nie über das Ziel hinaus und lässt genau das richtige Maß an Umsicht walten. Dass dieses Verfahren bei dem zahlreich erschienenen Auditorium auf Zustimmung stieß, belegt der herzliche Applaus, mit dem es Laufenberg am Ende bedachte.
Der Opernfreund, Ludwig Steinbach, 12.09.2014