Schauspiel

Die Kinder bleiben

Nach Kurzgeschichten von Alice Munro
In einer Theaterfassung von Johanna Wehner & Anna-Sophia Güther

Kruna Savić, Stefan Graf, Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Evelyn M. Faber, Uwe Kraus, Janning Kahnert, Kruna Savić
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle, Kruna Savić
Foto: Bettina Müller
Kruna Savić, Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Janning Kahnert, Ensemble
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle, Ensemble
Foto: Bettina Müller
Ensemble
Foto: Bettina Müller
Janning Kahnert
Foto: Bettina Müller
Ensemble
Foto: Bettina Müller
Janning Kahnert, Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Janning Kahnert, Kruna Savić
Foto: Bettina Müller
Evelyn M. Faber, Janning Kahnert, Judith Bohle, Uwe Kraus
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle, Kruna Savić, Janning Kahnert
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle
Foto: Bettina Müller
Judith Bohle, Stefan Graf, Kruna Savić
Foto: Bettina Müller
Evelyn M. Faber, Janning Kahnert, Kruna Savić, Uwe Kraus
Foto: Bettina Müller

Eine Frau im Kreis ihrer Familie, am Strand mit den beiden Kindern – dort führt ein unerwarteter Telefonanruf ihres Geliebten zur Notwendigkeit einer Entscheidung. Gehen oder bleiben? Was auch immer Pauline tut: Es wird die Alltäglichkeit der Geschichte nicht verändern, ihr Leben aber unwiderruflich. Eine andere Frau in einem Bus, sie hat ihre Familie verloren. Was geschah, ist ungeheuerlich, und Doree sucht nach dem Weg zurück ins Leben, zurück zu irgendeiner Form der Alltäglichkeit.

An einem Abend spiegeln sich in zwei Geschichten die Schicksale zweier Frauen in ganz unterschiedlichen Dimensionen von Entscheidung und Verlust.

Alice Munro gilt als Meisterin der modernen Kurzgeschichte und wurde für ihr erzählerisches Werk 2013 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Realitätsnah, abgründig und unsentimental entwickeln ihre Geschichten einen unwiderstehlichen Sog, der Alice Munro neben internationalem literarischen Ruhm ein Millionenpublikum einbrachte.

Pressestimmen

Über die Kopplung und die Besetzung beider Stücke mit denselben Schauspielern und kaum veränderten Kostümen entwickelt die Arbeit vor allem aus der immer wieder szenisch durchbrochenen Übertragung der Erzählung auf mehrere Personen eine ganz eigene Qualität gegenüber der Lektüre. Eingestreute Dialoge, rhythmische, chorische Sprechpassagen und Figuren-Choreografien schaffen eine ins Artifizielle gehobene mündige Gegenexistenz zur Prosa.

So richtig begreift man die auch textliche Verzahnung freilich erst im zweiten Teil einer stimmigen Inszenierung mit starken Schauspielern, die uns mit dem Gefühl entlässt, etwas Besonderes erlebt zu haben.
Strandgut, Winnie Geipert, 01.11.2015
Man könnte meinen, dass die zarten, ein gewisses nüchternes Understatement pflegenden Stories Munros sich nicht eignen, auf eine Bühne gebracht, mithin notgedrungen vergröbert zu werden. Doch für das Staatstheater Wiesbaden haben nun Johanna Wehner, auch Regie, und Anna-Sophia Güther, auch Dramaturgie, zwei Short Stories […] zu einem zweieinhalbstündigen Theaterabend zusammengestellt, der einleuchtet.
»Die Kinder bleiben« ist ein Abend, der einerseits entschlossen durchgeformt, stilisiert wirkt, andererseits der schwebenden Atmosphäre Munroscher Geschichten weitgehend treu bleibt.
Frankfurter Rundschau, Sylvia Staude, 26.09.2015
Aus zwei kurzen Geschichten von Alice Munro, die ebenso nüchtern wie spannend vom Fortgehen erzählen, generiert dieser Abend ein Untergangsszenario, das keinen Stein auf dem anderen lässt. Während sich bei Munro das Unheil oft in Nebensätzen versteckt, wie die Literaturkritikerin Verena Auffermann einmal treffend schrieb, stürzen die Figuren auf der Bühne in ihr Unglück wie in eine Naturkatastrophe. Drastisch, düster und beinahe unausweichlich entgleisen hier die Leben der beiden Mütter.

Beide Mütter begleiten wir über viele Jahre, und es gehört zu der Könnerschaft von Alice Munro, wie sie die Zeit versetzt und zusammenschnurren lässt. Johanna Wehner dehnt sie eher, lässt schon mal anhalten und in Zeitlupe spielen. Aus den beiden Geschichten macht sie einen Abend über die Sehnsucht und über den Schmerz, der nicht vergeht.
Nachtkritik, Shirin Sojitrawalla, 24.09.2015
So spektakulär das schräg gestellte, spiegelnde Bühnenbild im ersten, die Steinwüste im zweiten Teil der Aufführung (verantwortlich Elisabeth Vogetseder), so exakt durchchoreographiert der Text und das sechsköpfige Ensemble.
„Klug verzahnt Regisseurin Johanna Wehner diese beiden Stücke nicht nur mit, sondern ineinander und nutzt die verblüffende Ähnlichkeit ihrer beiden Hauptdarstellerinnen Kruna Savic und Judith Bohle für intelligentes Spiegelbild-Spiel. Ebenbürtig sind beide in ihrer jeweils starken Präsenz. Das Ensemble mit Evelyn M. Faber, Uwe Kraus, Stefan Graf und Janning Kahnert ist ihre präzis alerte Begleitung.
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan, 26.09.2015