Oper

Der Barbier von Sevilla

Il Barbiere di Siviglia
Gioacchino Rossini (1792 – 1868)
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Commedia in zwei Akten | Libretto: Cesare Sterbini, nach der Komödie »Die nutzlose Vorsicht« von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais | Uraufführung: 1816 in Rom

Aufführungen vom 05.12.2014 bis 03.01.2015

Stella An, Young Doo Park, Christopher Bolduc, Anna Lapkovskaja, Sunnyboy Dladla, Shavleg Armasi, Chor
Foto: Martin Kaufhold
Ensemble, Chor
Foto: Martin Kaufhold
Sunnyboy Dladla, Aaron Cawley, Chor
Foto: Martin Kaufhold
Anna Lapkovskaja, Christopher Bolduc, Sunnyboy Dladla
Foto: Martin Kaufhold
Christopher Bolduc, Shavleg Armasi, Sunnyboy Dladla, Anna Lapkovskaja
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Christopher Bolduc, Sunnyboy Dladla
Foto: Martin Kaufhold
Anna Lapkovskaja, Christopher Bolduc
Foto: Martin Kaufhold
Sunnyboy Dladla
Foto: Martin Kaufhold
Sunnyboy Dladla, Anna Lapkovskaja, Christopher Bolduc, Shavleg Armasi, Young Doo Park
Foto: Martin Kaufhold
Stella An
Foto: Martin Kaufhold

Die bekannteste Oper Rossinis trägt den Untertitel »Die nutzlose Vorsicht«. Komponist und Textdichter bedienten sich dafür eines Szenarios mit klassischen Commedia-dell’arte-Zutaten und ihren Figurentypen: Bartolo (Pantalone), der alte Vormund, der es zwar weniger auf sein Mündel Rosina (die schöne Colombine) selbst als auf deren zu erwartende Mitgift abgesehen hat, hält die Schöne in seinem Haus eingesperrt.
 
Graf Almaviva, (der jugendliche Liebhaber), hat Rosina jedoch längst entdeckt und versucht vergeblich, sich ihr zu nähern. Um Zutritt zu seiner Angebeteten zu finden, braucht Almaviva Hilfe, weshalb er sich der Dienste Figaros (der listenreiche Spielmacher Arlecchino) versichert. Doch Bartolo bekommt durch seinen Helfershelfer Basilio (der Hinterhältige) Wind von der Sache und trifft, letztlich natürlich eben ›nutzlos‹, seine Vorsichtsmaßnahmen...
 
Die furiose Verwechslungskomödie zwischen Mündel, Liebhaber, Vormund und Figaro nach dem bekannten Schauspiel von Beaumarchais besticht durch die unwiderstehliche Sinnlichkeit der Komposition, durch sprühende Melodien, elegante Formen und die ausgefeilte Buffa-Meisterschaft.
 
Die typische Klangmechanik der Rossinischen Musik lässt alle Figuren zappeln wie Marionetten, treibt sie zunächst mit der ›brutal großen Trommel‹ vor sich her und dann mit halsbrecherischen, schwindelerregenden Koloraturen in einen veritablen orchestralen Hexenkessel.

Besetzung

Musikalische Leitung Christoph Stiller
Spielleitung Magdalena Weingut
Inszenierung nach / Bühne Michiel Dijkema
Kostüme Claudia Damm
Chor Anton Tremmel, Albert Horne
Dramaturgie Karin Dietrich
Almaviva Sunnyboy Dladla
Almaviva
Doktor Bartolo Shavleg Armasi
Rosina Anna Lapkovskaja, Victoria Lambourn
Figaro Christopher Bolduc, Matias Tosi
Basilio Young Doo Park
Berta Stella An, Sarah Jones
Fiorillo Aaron Cawley
Ambrosio Thomas Braun
Offizier Aldomir Mollov, Dong-Gyun Seo
Ein Notar Arnd Maier
Herrenchor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Mit kultiviertem Bass charakterisiert Young Doo Park den Intriganten Basilio als selbstbewussten Opportunisten. Christopher Bolduc gibt den Figaro klassisch als geschniegelten Tausendsassa mit überentwickeltem Selbstbewusstsein. Ob der Multifunktionsfriseur im einsetzenden Spiel am Ende mehr als ein wenig Gold gewinnt, bleibt offen. Ganz sicher gelingt dies Bartolos Haushälterin Berta: Stella An hält angesichts ihrer niederen Stelle klug Distanz zum Intrigengezappel, nutzt ihre anmutige Stimme und ihr hübsches Gesicht aber im richtigen Moment und angelt sich den wohlhabenden Doktor. Vor seiner finalen Niederlage im Kampf um Rosinas Hand ist dieser Bartolo in der Verkörperung durch Shavleg Armasi ein Streitlustpaket unter Hochspannung, ein Louis de Funès im Rokokokostüm, der keine Sekunde ans Aufgeben denkt. Anna Lapkovskaja richtet als Rosina die vokal wunderbar beglaubigte dunkle Glut ihrer Leidenschaft freilich exklusiv auf Graf Almaviva alias Lindoro. Auch sie kennt keine Schwäche, simuliert diese freilich bei Bedarf, um ihren Anbeter in seiner Retterrolle zu bestärken. Almaviva erschien schon in der Originalinszenierung als ironische Brechung der Mädchenphantasie vom Traumprinzen. Der Tenor Sunnyboy Dladla treibt diesen Aspekt besonders während seiner Maskeraden als Soldat und Aushilfsmusiklehrer charmant auf die Spitze.
Unter der Leitung von Christoph Stiller lässt sich das Staatsorchester Wiesbaden schwindelfrei auf Rossinis Tempi und Rhythmen ein. Da zudem auf der Bühne Stimm- und Rollenprofile harmonieren, ist das Ganze in musikalischer Hinsicht überzeugend. Geglückt erscheint, auch die Evolution der ursprünglichen Inszenierungsidee. Magdalena Weingut setzt als Spielleiterin der aktualisierten Version einen eigenen Akzent, indem sie das Figaro-Prinzip auf alle relevanten Rollen anwendet: Das mit Handlungsenergie aufgeladene Bühnenpersonal ist in seiner Lust auf fröhliche Anmaßungen kaum zu bändigen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2014, Benedikt Stegemann