Schauspiel
Vertrauen verloren | Drei zeitgenössische Stücke in der Wartburg

Betrogen

Von Harold Pinter

Trailer
Tim Kramer, Thomas Peters
Foto: Karl & Monika Forster
Tim Kramer, Thomas Peters, Sybille Weiser
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas Peters
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser, Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas Peters
Foto: Karl & Monika Forster
Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser, Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser, Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser, Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster
Sybille Weiser, Tim Kramer
Foto: Karl & Monika Forster

Jerry und Emma haben betrogen – ihre Ehepartner, jahrelang. Und Jerry auch seinen besten Freund Robert, denn Emma ist dessen Frau. Nach dem Ende ihrer Affäre treffen sich Jerry und Emma noch einmal, und plötzlich müssen sie erkennen, dass der Betrug allgegenwärtig ist: Nicht nur, dass Robert seinerseits seine Frau betrügt, er hat auch über das Verhältnis seiner Frau mit Jerry seit Jahren Bescheid gewusst.

Der Nobelpreisträger Harold Pinter hat für sein Stück »Betrogen« einen besonderen Erzählkniff gefunden: Er entfaltet die Handlung in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. Nach und nach offenbart sich so vor den Augen der Zuschauer, wie die desillusionierten Menschen, die sie zu Beginn sehen, zu dem geworden sind, was sie sind. Und wie sie über einen langen Zeitraum hinweg immer weiter an einem engmaschigen Netz aus Lügen und Selbstbetrug gewoben haben. Pinters Drama von 1977 besticht durch seine psychologische Genauigkeit. Seinem Gang in die Vergangenheit zu folgen, ist mitunter recht komisch. Und manchmal unendlich traurig.

Pinter wusste, wovon er schrieb: Zwei Jahrzehnte nach der Uraufführung wurde enthüllt, dass er sieben Jahre lang eine Affäre mit einer Fernsehmoderatorin unterhalten hatte. Eine Autobiografie ist das Stück trotzdem nicht, denn es gilt Pinters Satz: »Die Wahrheit im Drama ist immer trügerisch.«

Besetzung

Emma Sybille Weiser
Jerry Tim Kramer
Robert Thomas Peters
Ein Kellner Michael Beranek

Pressestimmen

Pinters autobiografisches Drama […] stammt aus dem Jahr 1978 und erinnert stark an Woody Allens Filme jener Zeit.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rhein-Main-Zeitung, Matthias Bischoff, 04.10.2018
Brilliante Dialoge.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rhein-Main-Zeitung, Matthias Bischoff, 04.10.2018
Sybille Weiser fällt im Figurendreieck als Galeristin der melodramatisch-melancholische Part zu: Emmas große Hoffnungen sind an Jerrys kleinlichen Bedenken gescheitert und auch daran, dass selbst eine abenteuerliche Affäre nach Jahren zur Routine wird, die man zwischen Ausstellungen und Auslandsreisen pragmatisch planen muss. Wie Sybille Weiser den Kopf in den Nacken wirft, die Nerven flattern lässt, wie sie kokett flirtet und sich verlegen in Smalltalk flüchtet, ahnt man, dass Emma auch nach Jahren noch nicht abgeschlossen hat mit ihrem Jerry.
Thomas Peters wiederum fällt im Trio die Rolle des coolen Komödianten zu. Robert, der moderne Prosa hasst, ist als Verleger in seinem Sarkasmus fast so schön eklig wie Bernd Stromberg im Fernsehen als Versicherungsfritze. Einer wie er macht aus dem Ehebruch doch keine Affäre. Er hat ja selbst Frauengeschichten. Dabei muss der selbstbewusste Macho auch erst mal festen Halt suchen, als er die Wahrheit erfährt. Thomas Peters arbeitet das Schwächeln beim arroganten Auftritt hübsch dezent heraus.
Den erlösenden Skandal einer explosiven Enthüllung, der im Boulevardtheater lüstern lauert, gibt’s bei Pinter nicht. Seine Figuren arrangieren sich insgeheim mit ihren Kränkungen. Und dennoch wird der Zuschauer nicht um sein Vergnügen betrogen.
Wiesbadener Kurier, Stefan Benz, 04.10.2018

Termine

Wartburg19:30 - 21:00
Wartburg19:30 - 21:00

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