Ingo Kerkhof

Regie
Ingo Kerkhof inszeniert Oper und Schauspiel unter anderem in Berlin, Bern, Düsseldorf, Florenz, Freiburg, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Linz, Mannheim, München und Zürich.
Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden arbeitet er seit 2014 regelmäßig in beiden Sparten mit Inszenierungen u. a. von Händels »Alcina«, Glucks »Orpheus und Eurydike« und Anton Tschechows »Die Möwe«. In der Spielzeit 2018.2019 erarbeitete Kerkhof seine Deutung von Shakespeares »Richard III« sowie Leoš Janáčeks »Jenufa«.

Des weiteren verbindet ihn eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Staatsoper Hannover (u. a. »L'Orfeo«, »Die Entführung aus dem Serail«, »Le Nozze di Figaro«, »Ariadne auf Naxos« und zuletzt »Salome«) sowie mit der Berliner Staatsoper unter den Linden, für die Kerkhof neben zwei zeitgenössischen Werken zuletzt gemeinsam mit dem Barockspezialisten René Jacobs verantwortlich zeichnete für die überregional gefeierte Wiederentdeckung von Agostino Steffanis Oper »Amor vien dal destino«.

Neben Stücken des klassischen Opernrepertoires hat Kerkhof in letzter Zeit vor allem Musiktheater der Moderne und Gegenwart inszeniert wie u. a. Alban Bergs »Wozzeck« an der Oper Köln (2011), Wolfgang Rihms »Dionysos« am Theater und Orchester Heidelberg (2013), Hans Krásas »Verlobung im Traum« am Badischen Staatstheater Karlsruhe (2014), György Eötvös‘ »Angels in America« am Theater Freiburg (2018), Salvatore Sciarrinos »Lohengrin« für die Berliner Staatsoper im Schiller Theater (2014), sowie die Uraufführungen von Helmut Oehrings »AGOTA« mit Dagmar Manzel für die Internationalen Maifestspiele Wiesbaden (2016) und die Kammeroper »Comeback« von Oscar Strasnoy für die Berliner Staatsoper unter den Linden (2016).

Nach einem Studium der Philosophie, Politologie und Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main und Berlin war Ingo Kerkhof zunächst Regieassistent an der Deutschen Oper Berlin. 1997 gründete er das Ensemble »Kerkhof-Produktion«, mit welchem er Aufführungen für die Baracke des Deutschen Theaters, für das Hebbeltheater in Berlin, die Sophiensæle in Berlin sowie das Theater am Neumarkt in Zürich erarbeitete. Es folgten Einladungen zum Intercity-Festival in Florenz, dem Zürcher Theaterspektakel sowie dem Festival Theater der Welt. Ingo Kerkhof unterrichtete an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München und an der Universität der Künste Berlin.

Kerkhofs weitere Projekte für die Spielzeit 2018.2019 umfassen eine Inszenierung von Peter Ruzickas neuer Oper »Benjamin« für das Theater Heidelberg, die Deutsche Erstaufführung von Luca Francesconis Oper »Quartett« nach Heiner Müller für die Oper Dortmund sowie eine Inszenierung von Claudio Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea« für die Staatsoper Hannover.

Produktionen

Inszenierung in »Jenufa«
Regie in »Richard III.«
Regie in »Die Möwe«
Nach einer Inszenierung von in »Alcina«

Pressestimmen

Letts weiß ganz genau, was ein gut konstruiertes Stück ausmacht. »August: Osage Country« ist ein Schauspielerstück, das wie geschmiert läuft, hat man es erst mal passend aufs Gleis gesetzt – mit den richtigen Leuten. Nun hat Ingo Kerkhof es am Staatstheater Wiesbaden inszeniert. Die Sache sitzt, sie ist unterhaltsam, sogar gute drei Stunden lang und könnte den ein oder anderen Blick in den eigenen Leichenkeller aufnötigen.
Die Königin des Hetzens ist, fraglos, Violet. Kerkhof findet im langjährigen Ensemblemitglied Monika Kroll eine so feinsinnige und bösartige Violet, wie man sie nur finden kann. Jeder verbale Schienbeintritt, jede biestige Pointe und auch die zarten Noten, mit denen dieses Mutter-Untier immer wieder Hoffnung sät, der kühle Intellekt, der zum Vorschein kommt, wenn sie genüsslich die Schwachheiten der anderen seziert samt dem Zwang, jahrelang neben einem vermeintlichen Genie existieren zu müssen, alles ist drin. Das Gute an Letts‘ Stück und Kerkhofs Inszenierung ist, dass es wirklich jeder Figur, wie in einem guten Orchesterstück, ihre Momente gibt. Das Ensemble geht darauf ein, vor allem Sólveig Arnarsdóttir, die als älteste Tochter Barbara in ihren Konflikten der Mutter immer schrecklicher zu ähneln beginnt, und Judith Bohle als herbe Ivy. Als dritte Tochter Karen verleiht Janina Schauer der Hohlköpfigkeit auf High Heels neue Dimensionen, von ihrem Steve (Uwe Kraus) über Benjamin Krämer-Jenster als Charles bis zu Elena Packhäuser als Teenager Jean spielt das ganze Ensemble so, dass es sehr viel Spaß macht, dieser Familienhölle zuzusehen.
Eva-Maria Magel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2015
(…) an die Antiken-Auslegung des Aufklärers (Lessing) muss man in der Wiesbadener Premiere von Glucks Oper denken, wenn Amor am Ende im schwarzen Anzug erscheint und dem in Trauer um seine Eurydike verzweifelten Orpheus, einen langen Liebes-Todeskuss, gibt. Eines von vielen eindringlichen, poetischen, mehrdeutigen Bildern, die aus Ingo Kerkhofs sehens- und hörenswerter Inszenierung in Erinnerung bleiben.
Die Mezzosopranistin Franziska Gottwald singt ihre Arie »Che farò senza Euridice« (»Was soll ich ohne Eurydike tun«) mit einer schlichten, natürlichen Intensität (…). Auch Heather Engebretson zeigt sich nach Verdis Violetta und Mozarts Konstanze wandlungsfähig (…).
Schon die Ouvertüre hat (mindestens) Gardiner-Drive, wobei sich das Staatsorchester offenbar so gerne von seinem Gastdirigenten mitreißen lässt wie das Publikum.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 27.06.2015