Oper

Alcina

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)
Dramma per musica in drei Akten | Libretto: unbekannt, nach dem Epos »Orlando furioso« (1516) von Ludovico Ariosto | Uraufführung: 1735 in London
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Sa, 20.04.2019
GROSSES HAUS19:30 - 22:05
Heather Engebretson, Franziska Gottwald
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald, Heather Engebretson, Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald, Wolf Matthias Friedrich, Katharina Konradi
Foto: Paul Leclaire
Heather Engebretson, Katharina Konradi
Foto: Paul Leclaire
Katharina Konradi, Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Heather Engebretson
Foto: Paul Leclaire
Benedikt Nawrath, Katharina Konradi
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald, Heather Engebretson
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald, Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald
Foto: Paul Leclaire
Katharina Konradi, Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Heather Engebretson
Foto: Paul Leclaire
Heather Engebretson
Foto: Paul Leclaire
Silvia Hauer, Katharina Konradi
Foto: Paul Leclaire
Franziska Gottwald
Foto: Paul Leclaire
Silvia Hauer, Heather Engebretson
Foto: Paul Leclaire

Alcina, die immer nur mit den Männern gespielt hat, verliebt sich unsterblich in Ruggiero und bindet ihn mit einem Zauber an sich, der ihn seine Verlobte Bradamante vergessen lässt. Doch diese macht sich auf den Weg, ihn zu finden, verkleidet als ihr eigener Bruder. Zu spät merkt Alcina, dass Ruggiero sich aus ihrem Bann lösen konnte, und geht mit ihrem Zauberreich unter.
 
Alcina ist eine Zauberin, die erkennen muss, dass sie jene Kräfte verloren hat, die sie außergewöhnlich machten. In seinem Dramma per musica von 1735 gab Händel dem Publikum die erwarteten, prachtvoll überwältigenden und verblüffenden Theatereffekte und Verwandlungen – doch immer in verkehrter Richtung: Die üppige, verwunschene Insel der Zauberin wird als Illusion enttarnt. Alcinas die Sinne der Männer umnebelnde Wirkung lässt nach, die Trugbilder, die sie den auf ihrer Insel Gestrandeten vorgaukelt, um sie zu manipulieren, lösen sich in Rauch auf. Zurück bleibt eine einsame Frau, die ihre Wut heraussingt – ohne Zweifel in manchen der schönsten Arien, die Händel je für sein Londoner Publikum schrieb.

Besetzung

Musikalische Leitung Konrad Junghänel
Nach einer Inszenierung von Ingo Kerkhof

Bühne Anne Neuser
Kostüme Stephan von Wedel
Chor Albert Horne
Licht Ralf Baars
Dramaturgie Katja Leclerc
Alcina Cristina Pasaroiu
Ruggiero Lena Belkina
Morgana Shira Patchornik
Bradamante Marion Eckstein
Oronte Julian Habermann
Melisso Florian Küppers
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Pressestimmen

Schöne Stimmen, edle Kostüme, ein gelungener Opernabend.
Bild, Dr. Josef Becker, 11.04.2016
Heather Engebretson hat ihre großen Momente, als sich Alcina im zweiten Akt der Erosion ihrer Macht gewahr wird. Silvia Hauer weiß die mehrfachen Travestien der Retterin Bradamante szenisch überzeugend und vokal nuanciert zu vermitteln. Zum Leuchtturm der Premiere avanciert Katharina Konradi als Alcinas Schwester Morgana. Sie beweist ausgezeichnete szenische Präsenz, ist in mehreren Registern sattelfest, beatmet auch lange Phrasen mühelos und beherrscht die Kunst, barocken Zierrat in den Dienst einer behutsam psychologisierenden Charakterisierung zu stellen; ein Name, den man sich merken muss. Das um eine Handvoll Barockexperten ergänzte Hessische Staatsorchester profiliert sich unter der sachkundigen Leitung von Konrad Junghänel mit konzentriertem Spiel und ambitionierten Tempi.

 
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Benedikt Stegemann, 11.04.2016
Regisseur Ingo Kerkhof stellt Seelenzustände in das Zentrum seiner Deutung von »Alcina«. Seine Wiesbadener »Alcina« erstrahlt am Ende als reinkarnierte Lichtgestalt, umgeben von untoten Liebespaaren, die nicht mehr zueinander finden, weil ihnen die Eifersucht den Blick auf wahre Empfindungen verwehrt.
Mit ihrem überaus beweglichen wie geschmeidigen Mezzo verkörpert Franziska Gottwald glaubhaft Ruggiero, mimt einen zwischen Liebe und Pflicht Hin- und Hergerissenen, der am Ende kapituliert. Silvia Hauer beweist Stehvermögen nicht nur in der brillanten Fechtszene, sondern auch in ihrer Partie als betrogene Verlobte.
Der absolut transparente Idealklang aus dem Orchestergraben fasziniert das Publikum. Konrad Junghänel ist bei dieser Aufführung der eigentliche Zauberer, der seine Musiker, Mitglieder des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden sowie Zusatzkräfte, über sich hinaus wachsen lässt. Überdeutlich und perlend gelingen die reichen Verzierungen. Mühelos gestalten die Musiker federnd leicht und dicht im Zusammenklang, vielfarbig, klangschön und in jedem Moment fesselnd dramatisch Händels Meisterwerk. Und in der Eingangs- und Schlussszene, wenn der Chor, wieder einmal hervorragend einstudiert von Albert Horne, von den seitlichen Logen aus seine Gesänge intoniert, sich am Ende mit einem herrlich leuchtenden Solistensextett verbindet, erklingt Händels Musik so schön wie selten. Der Beifall am Ende belegt die Begeisterung des Publikums.
Opernnetz, Christiane Frank, 11.04.2016
Publikum im Wiesbadener Staatstheater feiert junge Stimmen in Händels Oper.
Am Staatstheater ist es erneut der Alte-Musik-Meister Konrad Junghänel, der als Gastdirigent das Staatsorchester vom markanten Ouvertüren-Rhythmus an zur Bestform motiviert. Entdeckungen sind im Staatstheater durchaus möglich. Die vom Publikum gefeierte Überraschung des Premierenabends heißt Katharina Konradi. Sie lässt Alcinas flott verliebte Schwester Morgana mit taufrischem Sopran und großer Spielfreude aus dem Schatten der Zauberin hervortreten.
Die Inszenierung fokussiert Auge und Ohr auf die Seelendramen, die Kerkhofs Sängerdarsteller durchleben und durchleiden müssen: Allen voran Heather Engebretson, deren Sopran expressiv geschärfte Leidenschaft ausstrahlt. »Ah! Mio cor!«, in eindringlichem Crescendo aufblühend, ist buchstäblich das Herzstück der an vokalen Bonbons reichen Oper. Franziska Gottwald, bereits in Köln bewährt in der Hosenrolle des Ruggiero, besingt mit feiner Melancholie die grünen Wiesen (»Verdi prati«) und glänzt in den virtuosen Koloraturen der Arie »Sta nell'ircana pietrosa tana«. Silvia Hauer ist mit schönem Mezzo eine streitbare Bradamante, die ihre Ansprüche auch im reinweißen Brautkleid anmelden darf. Wolf Matthias Friedlich sorgt mit seinem Melisso für herb-männliches Gegengewicht im feminin dominierten Ensemble.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 11.04.2016
Katharina Konradi verkörperte Alcinas Schwester Morgana und sang schlichtweg superb. Die Amerikanerin Heather Engebretson bot stimmlich wie in der Bühnenpräsenz einen kühlen Zauber, der ihr ausnehmend gut stand. Auf wirklich höchstem Niveau war das, was Franziska Gottwald mit ihrer Hosenrolle des Ruggiero ablieferte, ein Mezzo mit Volumen und Tiefe und edlem Timbre. Silvia Hauer, Benedikt Nawrath und Wolf Matthias Friedrich ergänzten das Ensemble vorzüglich. Am Pult des mit Barockbögen besetzten Staatsorchesters agierte befeuernd und beredt Konrad Junghänel, der aktuell für das historisch informierte Musizieren zuständig ist in Wiesbaden.
Frankfurter Rundschau, Stefan Schickhaus, 12.04.2016

Termine

GROSSES HAUS19:30 - 22:05
GROSSES HAUS19:30 - 22:05