Schauspiel

Shockheaded Peter

Struwwelpeter
Musical von den Tiger Lillies, Julian Crouch & Phelim McDermott
Musik von Martyn Jacques
Do, 14.12.2017
GROSSES HAUS19:30 - 21:15
Michael Birnbaum, Karoline Reinke
Foto: Karl & Monika Forster
Hanno Friedrich
Foto: Karl & Monika Forster
Anja S. Gläser, Barbara Dussler, Mats Beyer, Michael Birnbaum, Sólveig Arnarsdóttir, Karoline Reinke
Foto: Karl & Monika Forster
Hanno Friedrich, Karoline Reinke, Michael Birnbaum
Foto: Karl & Monika Forster
Karoline Reinke
Foto: Karl & Monika Forster
Mats Beyer, Michael Birnbaum
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler, Anja S. Gläser, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Karoline Reinke, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Mats Beyer, Barbara Dussler, Anja S. Gläser, Hanno Friedrich
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Karoline Reinke, Hanno Friedrich, Sólveig Arnarsdóttir, Anja S. Gläser, Barbara Dussler
Foto: Karl & Monika Forster
Karoline Reinke, Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler, Anja S. Gläser, Michael Birnbaum
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Karoline Reinke, Michael Birnbaum, Barbara Dussler, Anja S. Gläser, Sólveig Arnarsdóttir
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler, Hanno Friedrich, Karoline Reinke
Foto: Karl & Monika Forster
Barbara Dussler
Foto: Karl & Monika Forster

Die berühmten Bildergeschichten, die der Frankfurter Kinderarzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1844 für seinen dreijährigen Sohn verfasste, sind Glanzstücke sogenannter »schwarzer Pädagogik« und prägten die deutsche Kulturgeschichte nachhaltig. Wer kennt sie nicht: das zündelnde Paulinchen, den unverbesserlichen Daumenlutscher Konrad oder Zappel-Philipp, für den die adhs-Diagnose noch ebenso wenig zur Diskussion stand wie Ritalin? Stattdessen ereilten all diese nervtötenden Monster drakonische Strafen überforderter Erziehungsberechtigter oder die gerechte Rache, die einem Fehltritt in Hoffmanns Welt passenderweise stets auf dem Fuße folgt.
 
1998 geriet der »kinderkurranzende Moritatenbilderbogen« (FAZ) in die Hände dreier Engländer: der beiden Theatermacher Phelim McDermott und Julian Crouch sowie des Musikers und Sängers Martyn Jacques, Kopf der Kultband »The Tiger Lillies«. Sie schufen daraus eine Junk-Opera für Erwachsene, in der sich Zirkusklänge und Varieté mit Punk, Musik in der Brecht-Weill-Nachfolge und bitterbösem britischen Humor zu einer höchst effektvollen Mischung verbinden. Dass sich Hoffmanns Panoptikum dabei in Bänkelgesänge für Eltern verwandelt, die schamlos offenbaren, wes Geistes Kind sie sind, verführt Theater seither dazu, das abendliche Publikum mit einem Kinderbuch zu unterhalten – mit weltweit sensationellem Erfolg!

PREMIERE 29. Oktober 2016

Besetzung

Regie Tilo Nest
Musikalische Leitung Volker Griepenstroh
Bühne Stefan Heyne
Kostüme Anne Buffetrille
Choreografische Mitarbeit Tine Lost
Dramaturgie Katharina Gerschler
Conférencier Hanno Friedrich
Happy Family Sólveig Arnarsdóttir, Michael Birnbaum, Barbara Dussler, Anja S. Gläser, Karoline Reinke, Mats Beyer
Band Matthias Baumgardt, Ralf Göldner, Volker Griepenstroh / Alexander Paeffgen, Willy Wagner
Pinguin Philipp Appel

Pressestimmen

Purer Spaß, Anarcho-Klamauk, deftige Drastik, Schauspiel-Kunst. Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter feiert am Staatstheater einen Triumph.
BILD, Dr. Josef Becker, 01.11.2016
[Tilo Nest stellt die Familie] in den Mittelpunkt eines Musicals, das das Publikum im Großen Haus mit einer mutig-großstädtischen und denkbar schrägen Inszenierung konfrontiert. Nach Motiven von Heinrich Hoffmanns »Der Struwwelpeter« haben die Tiger Lillies, Julian Couch & Phelim McDermott eine wilde Mischung aus »Addams Family« und »Rocky Horror Picture Show« gestrickt. In Nests Lesart treffen auch noch Einfälle wie von Quentin Tarantino und Tim Burton dazu. Da wird aus dem Conférencier Struwwelpeter (mit starker Präsenz: Hanno Friedrich) fast ein »Edward mit den Scherenhänden«, und aus abgehackten Daumen darf nach Splatter-Movie-Manier das Blut nur so schießen. Nein: Dieses bitterböse Bilderbuch ist wahrhaftig nichts für Kinder. [...] Der Abend ist ein 100-minütiges Spektakel von Schau- und Hörwerten, das mit Begeisterung aufgenommen wurde und Kult werden könnte. [...] Tilo Nest fordert seinem Ensemble alles ab, sie singen und spielen mit Herzblut, unterstützt von der formidablen Band. Vor allem aber ist es der bröckelnde Schein der glücklichen Familie heute, der dieser »Junk-Oper« Tiefgang verleiht. Den man natürlich sofort wieder mit Nonsense aufbrechen kann, zum Beispiel mit »Also sprach Zarathustra« als Blockflötenorchester...
Wiesbadener Kurier, Birgitta Lamparth, 31.10.2016
Tilo Nest und sein Team haben so gut wie alles richtig gemacht. Stefan Heynes raumgreifendes Bühnenbild montiert Esstische und Stühle als surreale Spirale auf die große Drehbühne. Die Darsteller müssen die Möbel erklettern, dort wird getanzt, geturnt, gerannt und gesungen. Bei Anne Buffetrilles Trödler-Klamotten dominieren Schwarz und Weiß, mal als Karo, mal gestreift. Und die Gesichter schmückt ein schaurig bleckendes Dauerlächeln. Denn hier im grässlichen Kinderunterdrückungskosmos namens Familie sollen sich bitteschön alle liebhaben. [...] Der Aufführung zuzusehen ist durchweg ein Vergnügen, das liegt an den vielen witzigen Einfällen, die sich bisweilen überschlagen, das liegt aber vor allem an der Spiellust der Schauspieler. Vor allem Sólveig Arnarsdóttir und Michael Birnbaum als Elternteil der »Happy Family« haben großartige Momente. [...] Die Musikbegleitung mit Piano, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug (Leitung Volker Griepenstroh) ist mal herrlich schräg, mal fetzig und laut, immer genau auf den Punkt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Matthias Bischoff, 31.10.2016
Aber das Wichtigste an der moritatenhaften »Junk-Oper« - am ehesten noch denkt man bei diesem Sprech- und Bänkelgesang, bei diesen schrägen Melodien an Kurt Weill - ist die Musik: Als Kellerratten verkleidet treten Matthias Baumgardt, Ralf Göldner, Volker Griepenstroh (Leitung) und Willy Wagner auf und klingen bald wie eine doppelt so große Band. Karoline Reinke kann Ziehharmonika spielen und tut es zwischendurch, Michael Birnbaum kann flöten und tut es ausführlich - es braucht schon fast stehende Ovationen, um ihn endlich zu stoppen. Ein Gaudium wie bei einem Rockkonzert.
Frankfurter Rundschau, Sylvia Staude, 31.10.2016