Oper
Der Ring des Nibelungen

Siegfried

Richard Wagner (1813 – 1883)
Libretto: Vom Komponisten | Uraufführung: 1876 in Bayreuth
In deutscher Sprache mit Übertiteln.
Fr, 26.05.2017
Internationale Maifestspiele 2017 | NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 22:10
Andreas Schager, Matthäus Schmidlechner
Foto: Karl & Monika Forster
Andreas Schager
Foto: Karl & Monika Forster
Jukka Rasilainen
Foto: Karl & Monika Forster
Andreas Schager, Matthäus Schmidlechner
Foto: Karl & Monika Forster
Andreas Schager, Matthäus Schmidlechner
Foto: Karl & Monika Forster
Matthäus Schmidlechner, Jukka Rasilainen
Foto: Karl & Monika Forster
Matthäus Schmidlechner, Jukka Rasilainen
Foto: Karl & Monika Forster
Andreas Schager, Sonja Gornik
Foto: Karl & Monika Forster
Ensemble
Foto: Karl & Monika Forster
Andreas Schager
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Matthäus Schmidlechner
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Andreas Schager
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Thomas de Vries
Foto: Karl & Monika Forster
Thomas de Vries, Jukka Rasilainen
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Jukka Rasilainen, Andreas Schager
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Andreas Schager
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Stella An
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Young Doo Park
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Bernadett Fodor
Foto: Karl & Monika Forster

»Der »Siegfried« ist göttlich. Er ist mein größtes Werk!«, schreibt Wagner, begeistert von seinem eigenen Geschöpf, an König Ludwig II. Siegfried, der kraftvolle Held und kindische Tor, soll den Riss in der Ordnung der Dinge heilen und damit endlich Wotan aus allen Vertragsfesseln und Machtkämpfen befreien. Dass Siegfried im 20. Jahrhundert zum Inbegriff des Herrenmenschen wurde, ist ein Kapitel, das von der heutigen Sicht auf die Oper nicht abgetrennt werden kann. Gleichzeitig steht der zweite Abend des »Rings« auch für eine der größten Liebesgeschichten der Oper: Siegfrieds schwerste Prüfung – kein Vergleich zum Gewinn des Nibelungen-Horts und des fluchbeladenen Ringes – ist die Begegnung mit Wotans Walküren-Tochter Brünnhilde. Furchtlos durchschreitet Siegfried den Feuerring, in dem Wotan seine Tochter in tiefem Schlaf verborgen hielt, um dann das Fürchten zu lernen angesichts der erwachenden Brünnhilde. Die beiden entbrennen in Liebe füreinander. Für Wagner war die Revolution, für die Siegfried steht und die endlich Schluss mit einer überkommenen Weltordnung macht, fruchtbar und schöpferisch: »Siegfried hat schuldlos die Schuld der Götter übernommen, ihr Unrecht büßt er an sich durch seinen Trotz, seine Selbständigkeit.«


PREMIERE 2. April 2017

Konzeption, Symbole und Wirklichkeit

Anlässlich seiner Inszenierung des »Rings des Nibelungen« am Hessischen Staatstheater Wiesbaden äußert sich Intendant Uwe Eric Laufenberg zu Geschichte und Wirkung von Richard Wagners Opus Magnum.

Internationale Maifestspiele 2017

Zwei komplette Zyklen von Wagners »Ring« über jeweils sechs Tage verteilt bietet das Programm der Internationalen Maifestspiele 2017. Die Ruhetage bieten im 1. Zyklus ein Wagner-Galakonzert, eine Vortragsmatinee und eine Lesung aus Thomas Manns »Wälsungenblut«, im 2. Zyklus Mozarts »Die Hochzeit des Figaro« und »Die Zauberflöte«.

Termine GROSSES HAUS

1. Zyklus
Das Rheingold 26. April
Die Walküre 27. April
Siegfried 29. April
Götterdämmerung 1. Mai

2. Zyklus
Das Rheingold 23. Mai
Die Walküre 24. Mai
Siegfried 26. Mai
Götterdämmerung 28. Mai


Besetzung

Musikalische Leitung Alexander Joel
Inszenierung Uwe Eric Laufenberg
Bühne Gisbert Jäkel
Kostüme Antje Sternberg
Licht Andreas Frank
Video Falko Sternberg
Dramaturgie Katja Leclerc
Siegfried Andreas Schager
Mime Matthäus Schmidlechner
Der Wanderer Thomas Hall
Alberich Thomas de Vries
Fafner Young Doo Park
Erda Bernadett Fodor
Brünnhilde Evelyn Herlitzius
Waldvogel Stella An
Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Stark besetzt sind auch die Gegenspieler Wotan und Alberich mit Jukka Rasilainen und Thomas de Vries. Rasilainens kerniger Heldenbariton vermittelt Autorität. Eine gewisse Monochromie ist in der Partitur angelegt. Mehr Zwischentöne hat Wagner für Alberich vorgesehen. De Vries charakterisiert ihn mit einer Fülle von Farbabstufungen. Sein Bariton entstammt dem Kavaliersfach. Was ihm an Schwärze fehlt, macht er durch intelligente Textgestaltung wett. Young Doo Park darf als Fafner zunächst elektronisch verstärkt bedrohlich aus dem Off dröhnen, um dann als tödlich Verwundeter durchaus adäquat (und unverstärkt) zu menschlichem Stimmnormalmaß zurückzukehren.

In der langen Schlußszene trifft üblicherweise ein völlig ausgeruhter dramatischer Sopran auf einen nach über drei Stunden Dauereinsatz erschöpften Heldentenor. In der Wiesbadener Neuproduktion kann jedoch bei Andreas Schager von Erschöpfung keine Rede sein. Mit staunenswerter Energie stürzt er sich in das lange Finale. Und er hat in Sonja Gornik als Brünnhilde eine durchaus adäquate Partnerin. Die ersten Töne nach ihrer Erweckung klingen vielversprechend. Mit jugendlich-unverbrauchter Stimme begrüßt sie die Sonnenstrahlen. Den Stahl und das Hell-Gleißende als typische Eigenschaften einer Wagner-Heroine hört man bei ihr nicht. Beinahe lyrisch gelingt das „Ewig war ich“. Wo es lauter und dramatischer wird, nimmt das Vibrato zu, bleibt aber kontrolliert.

Laufenbergs Stärke: Er kann die Interaktion der Personen plausibel arrangieren und Darsteller zu lebendigem Spiel animieren. So ist im ersten Aufzug sehr überzeugend die Not des Pflegevaters Mime mit dem pubertierenden Siegfried herausgearbeitet. Das „Scherzo“ der Tetralogie beginnt damit locker und wird mit dezentem Humor gewürzt, etwa indem Siegfried die ihm wohlbekannte Gardinenpredigt Mimes über die Undankbarkeit des Ziehsohns genervt lippensynchron mitspricht. Das Bühnenbild von Gisbert Jäkel zeigt tatsächlich eine Schmiede mit Blasebalg, Amboss und allem, was dazugehört. Untergebracht ist sie in der Hinterhofwerkstatt eines Slums. Das Elendsviertel wird als Bildprojektion gezeigt, die über die Hälfte der oberen Bühnenfläche einnimmt. An diesen Ort werden im Verlaufe des ersten Aufzugs immer mehr und in immer dichterer Folge alle möglichen Videofilme projiziert. Es beginnt zunächst sinnvoll damit, daß die Rätselszene zwischen Mime und dem Wanderer Wotan dadurch plastische und assoziative Illustrationen erhält. Da werden Bergarbeiter in Schächten zur Erzählung von den Zwergen gezeigt, Hochhäuser zur Erzählung von den Riesen (die man ja im Rheingold als Baumeister kennengelernt hat), und zur Erzählung von den Göttern sieht man Bilder der Reichen, Schönen und Mächtigen, Trump und Putin inklusive, samt Überblendungen mit Polizei- und Militärgewalt, die wohl zeigen sollen, daß diese Macht auf Repression beruht.

Der Auftritt von Fafner und der Drachenkampf geraten dann zu einem Coup: Das Waldbild verschwimmt und wandelt sich allmählich zu einem Monsterreptil, das aussieht wie eine Mischung aus Jurassic-Park-T-Rex und Smaug, dem Drachen aus der Hobbit-Verfilmung. Der beim Ringschmieden nebenbei erschaffene virtuelle Ritter erscheint auf der Projektion und liefert sich mit dem Drachen einen 3D-Computergame-Kampf. Nun endlich öffnet sich der Geldspeicher, in welchem Bankdirektor Fafner an seinem Schreibtisch vor Computer und Joystick offenbar unter dem Eindruck der Computerspielniederlage einem Herzinfarkt erliegt. Ohne viel Federlesens eilen seine Bankangestellten herbei, beseitigen den Leichnam und inthronisieren Siegfried als neuen Chef. Witziger Weise erscheint ein Kamerateam, dem Siegfried und der Waldvogel Interviews geben. Das Spiel mit der modernen Technik und den Sehgewohnheiten eines Kino-erfahrenen Publikums gelingt hier frisch und unterhaltsam.
Der Opernfreund, Michael Demel, 02.04.2017
Andreas Schagers Stimme, eine Stimme, für die das Wort Heldentenor wahrlich erfunden wurde, sprengte jetzt vorerst noch als „Siegfried“-Siegfried das Große Haus des Wiesbadener Staatstheaters.
Dies tat Schager mit einen Lächeln. Auch jonglierte er mit Kohlestückchen und musste ohnehin keinerlei körperliche Rücksichten auf sich nehmen, während er fix das neidliche Schwert Notung wiederherstellte. Bei ihm hätte es ein paar Strophen länger dauern dürfen, und wer den Eindruck hatte, er haushalte nicht mit seinen Kräften, der irrte.

Der furchtlose Sänger für den furchtlosen Siegfried, Balsam für furchtsame Zuhörerinnen und ein Erlebnis eigener Art. Dass es den Wiesbadenern gelang, ihm eine Brünnhilde an die Seite zu geben, die ihm für den letzten Teil ebenbürtig zur Seite stand, war imposant. Sonja Gornik und Schager sind zudem ein ansehnliches Paar.

Während Mime – Matthäus Schmidlechner, markant und grell – analog bleibt, bringt Besucher Wotan – überzeugend auch Jukka Rasilainen, eingesetzt für den nach der „Walküre“-Premiere tragisch plötzlich verstorbenen Gerd Grochowski – neuere, neue und künftige Technik heran. Siegfried wird im Folgenden nicht nur ein schickes Zukunfts-Tablet verwenden, sondern auch Notung mit einer Tastatur ausrüsten, die unter anderem als Navi dient.

Etwa als Wotans Sicherheitsleute (aus welchem Film kommen die denn plötzlich her) den kleinen Waldvogel-Punk (Stella An) um die Ecke bringen. Es ist lustig, wenn Schager fleißig herumtippt, um flugs den Hochsicherheitstrakt zu knacken, an dessen Gitter Alberich, der unheimlich stimmschöne, sonore Thomas de Vries, eben noch vergebens rüttelte. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein Computerspiel, sondern auch die FF-Bank, die Fafner (Young Doo Park) in Erinnerung an seinen Bruder gegründet haben muss. Aus der Höhle strömen Bankangestellte zum übergangslos servierten Sekt. Auch für Siegfried findet sich ein gutsitzender Anzug, schon gibt er einer aufgeweckten Reporterin sein erstes Interview. Warum auch nicht.

Ein schöner Einfall – aber gleich buht jemand vom Olymp hernieder, da ist man angesichts der Gesamtveranstaltung doch fassungslos – ist die Generalpause im Zweiten Aufzug. „Hier ruhte das Werk für 12 Jahre“, immerhin ein besonderer Einschnitt und lehrreich, einmal in diesem Moment innezuhalten.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 04.04.2017
Schager kann alles, hat Wucht, Schliff und satte Spitzentöne in der Kraftprobe der Schmiedelieder, zeigt punktuell Gespür für leichte Lyrismen und verfügt bis zur Schlussszene mit Gorniks höhenleichter Brünnhilde über schier unerschöpfliche Kondition. Das keine Grenzen kennende Auftrumpfen des Kraftburschen gelingt ihm mindestens ebenso plausibel wie die Andeutung des kalt kalkulierenden erwachsenen Siegfrieds der „Götterdämmerung“ – insoweit legt Laufenberg nach der Tötung Fafners (Young Doo Park) ebenso eine Fährte wie mit Hilfe der Videos von Falko Sternberg, die Gold und Macht, Reichtum und Massaker, Putin, Trump und Merkel zeigen.

Der Tag nach der Premiere der „Walküre“ im Januar war überschattet vom plötzlichen Tod Gerd Grochowskis, des Sängers der Wotan-Partie. Der zum Wanderer gewordene Göttervater ist nunmehr mit Jukka Rasilainen und dessen sanftem Lamento-Ton eindringlich besetzt. Einen höchst wandlungsfähigen und sogar tiefenscharfen Spieltenor bringt Matthäus Schmidlechner als Mime ein. Thomas de Vries als bassschwarzer Alberich und Stella An als luftig-flexibler Waldvogel ergänzen die großartige Ensembleleistung ebenso wie Bernadett Fodor, die als Erda mit einem Trauerzug von drei Nornen und acht verbliebenen Walküren auf den Trümmern des Walkürenfelsens erscheint.

Siegfrieds und Brünnhildes Schlussduett wird von Alexander Joel und dem Hessischen Staatsorchester gestisch beredt und mit so starken Spannungsbögen wie die gesamte Premiere begleitet und entfaltet sich in der Wahl der kompakten Tempi noch sängerfreundlicher als hinsichtlich der Lautstärke, die für Schagers unschlagbaren Siegfried freilich nie auch nur den Ansatz einer Herausforderung darstellt.
Axel Zibulski, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2017
Zum 2. Tag Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ am Hessischen Staatstheater legte Intendant und Regisseur Uwe Eric Laufenberg die Handlung des „Siegfried“ in gegenwärtige Zeitnähe und erzählte die Geschehnisse realistisch ohne unsinnige Verfremdungen in optisch ansprechender Ästhetik. Beste Video-Adaptionen und ein stimmungsvolles Lichtdesign (Falko Sternberg, Andreas Frank) steuerten zur wirkungsvollen Bühnen-Atmosphäre bei.
Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden ging unter der Leitung von Alexander Joel hoch konzentriert und motiviert zu Werke. Ein Wagner wie er gespielt werden sollte: da flirrten die Streicher, zirpten die Harfen, es summte und brauste in behänder und präziser Leichtigkeit, die Schmiedelieder polterten in klirrender Form. Joel gelangen wunderschöne eindrucksvolle Momente.

Als Siegfried unserer Tage dürfte Andreas Schager gelten, sein Tenor verfügt über ein unermessliches Kräftereservoir und sang die anspruchsvolle Partie vom ersten bis letzten Ton in ungebrochener Strahlkraft, dass es dem Hörer Angst und Bange wurde. Sehr beweglich agierend, frisch frei drauflos schmetternd, in vorbildlicher Artikulation dürfte man den smarten, sympathischen Sänger als Ideal-Jung-Siegfried bezeichnen.
Großartig in agiler Spielfreude gesellte sich zum Ziehsohn der jugendliche Mime, man könnte beide für Zwillinge halten und Matthäus Schmidlechner führte sein schlank geführtes, hell strahlendes farbenreiches Material in nuancierte Charakterregionen ohne die sonst gewohnten larmoyanten Untertöne. Auch ihm durfte man, wie allen Herren eine in jeder Lage vortreffliche Wortbehandlung testieren.
Seine immense Bühnenpräsenz als Wanderer unterstrich Jukka Rasilainen mit markig, kernig und strahlkräftigem geführtem Bass-Bariton sehr differenziert während der Rätselszenen des ersten Aufzugs, auftrumpfend mit seinem Widersacher Alberich und nuanciert verletzbare Momente im Dialog mit Erda.
Der neue Merker, Gerhard Hoffmann, 02.04.2017
Auch diese Inszenierung verknüpft Mythologie, sagen- und märchenhaftes (Gebrüder Grimm) mit Zeitnahem und Aktuellem. Uwe Eric Laufenberg (Regie) und seinem Team um Gisbert Jäkel (Bühne), Andreas Frank (Licht), Falko Sternberg (Video), Katja Leclerc (Dramaturgie) sowie Beka Savić (Spielleitung), gelang es wieder einmal, diesen Spagat mit Finesse und einem Schuss Humor zu meistern. Siegfried agierte nicht nur als unbändiger Naturbursche (großartig die Bärenszene im ersten Akt, wo er ein Punk vor sich her trieb), sondern gleichzeitig auch als versierter Technik-Fan. Sein Kampf war einer mit Intelligenz und viel WWW. So knackte er die einer Fort Knox-Festung gleichenden Trutzburg des Fafners allein mit seinem Laptop. Auch überwand er das Feuer, das die Schlafstätte Brünnhildes umloderte, mit Algorithmen und Hacker-Know-how. Andreas Schager, ein wahrhaftiger Heldentenor mit großem Umfang und kraftvollen Höhen, kreierte seine Rolle voll jugendlichem Eifer und Übermut, dabei höhnisch verachtend gegenüber seinem Ziehvater Mime, respektlos seinem Großvater Wotan gegenüber, aber auch voller Liebe und Zärtlichkeit zu Brünnhilde. Ein Siegfried, der dem Titel des Bühnenfestspiels absolut gerecht wurde.
Ebenfalls Mime, hervorragend besetzt von Matthäus Schmidtlechner. Mit seinem etwas blechern-timbrierten Tenor und meckerndem Tonfall kreierte er einen Charakter zwischen Hinterlist und Larmoyanz, Boshaftigkeit und Unterwerfung. Glaubhaft und überzeugend sein Spiel und seine Rollenwechsel. Unvergessen die Szene im erste Akt, wo er Siegfried Rede und Antwort über dessen Herkunft stehen muss. Ein Konflikt mit zwischenmenschlichen Abgründen. Dann Wotan. Als Wanderer kann er die Geschicke der Welt nur noch begleiten, nicht aber mehr verändern und beeinflussen. Er ist, wie Wagner sagt „ein abgeschiedener Geist“. Der leider verstorbene Gerd Grochowski wurde in dieser Rolle durch Jukka Rasilainen ersetzt, und er überzeugte auf der ganzen Linie durch Majestät und schicksalsbehafteter Schwere. Sein göttlicher Bass bildete einen idealen Kontrast zu Siegfrieds Tenor, was vor allem im Duett des dritten Akts bestens zur Wirkung kam. Ein Generationenkonflikt mit Folgen: der wutentbrannte Schlag Siegfrieds mit dem Schwert Nothung, der den Speer Wotans entzweit, leitet den Wendepunkt ein und bereitet den Stoff der Götterdämmerung vor. Ungeheuer dramatisch von beiden in Szene gesetzt.

Bemerkenswert noch Thomas de Vries in der Rolle des Alberich. In seinem kurzen Part mit Wotan, dem Wanderer, zu Anfang des zweiten Aktes, – er durchstreift das "Fort Knox Gelände", in der Hoffnung, an den Schatz zu gelangen – überzeugte er vor allem durch einen exorbitanten Heldenbariton mit bester Tiefe.
Abschließend Sonja Gornik als Brünnhilde. Sie vervollständigte mit Siegfried die zutiefst poetische und dramatische Apotheose dieses Bühnenfestspiels. Ihre weibliche Heroik gipfelte unmittelbar nach ihrem Erwachen in „Heil dir Sonne, Heil dir Licht!“. Mit dramatischem Sopran grüßte sie Himmel, Erde und Sonne.
Über die Musik lässt sich nicht streiten. Alexander Joel führte wieder einmal mit starker Hand durch die vier Stunden reine Spielzeit. Ein Feuerwerk der Leitmotivik und hintergründigen Gedankenwelt in Musik gefasst. Es sprühte nur so von Rückbezügen auf Rheingold und Walküre, aber auch auf Gegenwart und Zukunft, wie Liebesmotiv, Walhall-
und Todesmotiv. Auch wenn die Abstimmungen nicht immer perfekt funktionierten, bei einer Premiere durchaus verzeihlich, und das Orchester oft durch Lautstärke die Sänger zu übertönen drohten, der Orchesterapparat ist nun mal wagnerisch gewaltig, so gehört diese Version des Siegfried doch musikalisch wie szenisch zu einer der besten auf dem weiten Feld der Ringinszenierungen. Das Publikum dankte es mit Bravorufen und fünf Vorhängen.
H. Boscaiolo, 03.04.2017

Termine

Internationale Maifestspiele 2017 | NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 22:10