Schauspiel

Reigen

Von Arthur Schnitzler
Mo, 08.05.2017
Wartburg19:30 - 21:00
Stefan Graf, Evelyn M. Faber
Foto: Karl & Monika Forster
Kruna Savić
Foto: Karl & Monika Forster
Matze Vogel, Anja S. Gläser
Foto: Karl & Monika Forster
Kruna Savić, Ulrich Rechenbach
Foto: Karl & Monika Forster
Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Evelyn M. Faber
Foto: Karl & Monika Forster
Ulrich Rechenbach, Matze Vogel, Llewellyn Reichman
Foto: Karl & Monika Forster
Ulrich Rechenbach, Matze Vogel, Uwe Kraus
Foto: Karl & Monika Forster
Llewellyn Reichman
Foto: Karl & Monika Forster
Evelyn M. Faber, Uwe Kraus
Foto: Karl & Monika Forster
Matze Vogel, Anja S. Gläser
Foto: Karl & Monika Forster

Schnitzlers »Reigen« war ein Skandal. Geschrieben 1897, erschien die Szenenfolge zunächst in einer Auflage von 200 Stück als Privatdruck und wurde erst 1920 erstmals in Berlin aufgeführt. Nach der Premiere kam es zu Tumulten, Saalschlachten, Gerichtsverhandlungen und das Stück verschwand – vom Autor testamentarisch verfügt – bis 1982 von der Bühne.
 
Dass die zehn Dialoge über das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Großstädter heute noch laufen, liegt aber weniger am Skandal als an ihrer literarischen Qualität und den in ihrer Typenhaftigkeit einzigartig charakterisierten Figuren. Eine Reihe von Doppelbelichtungen legt die »unerbittliche Mechanik des Beischlafs« frei. Wir begegnen jeder Figur zweimal – jede verrät dabei sich selbst wie den Partner an die Lust von morgen. Doppelt belichtet wirken die Figuren auch in jeder Szene: in der Gier vor und kalten Ernüchterung nach dem Akt. Anspielungen auf Totentanz-Darstellungen sind omnipräsent, die Sehnsucht nach dem, was der Autor bewusst ausklammerte, nach der wahren Liebe, dem wahren Leben, ebenso.
 
Arthur Schnitzler entwirft das moralische Bild einer Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Bei der geschilderten Erotik geht es immer auch um das Spiel mit der Macht, ohne Rücksicht auf soziale Herkunft oder Lebensalter. Er selbst notierte dazu: »Geschrieben hab ich den ganzen Winter über nichts als eine Scenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, literarisch auch nicht viel heißt, aber – nach ein paar hundert Jahren ausgegraben – einen Teil unserer Kultur eigentümlich beleuchten würde.«

PREMIERE 1. April 2017

Besetzung

Hure Evelyn M. Faber
Stubenmädchen Anja S. Gläser
Junge Frau Kruna Savić
Süßes Mädel Llewellyn Reichman
Schauspielerin Evelyn M. Faber
Soldat Matze Vogel
Junger Herr Stefan Graf
Ehemann Ulrich Rechenbach
Der Dichter Stefan Graf, Ulrich Rechenbach
Der Dichter
Graf Uwe Kraus

Pressestimmen

Wie stellt man Lust, wie Erregung dar, ohne vulgär zu werden? Diese Frage müssen sich Regisseure des »Reigen« noch immer stellen, auch wenn es heute nicht mehr [...] darum geht, den Text wegen Unzüchtigkeit zu verbieten. Aber in den zehn Szenen, die Arthur Schnitzler als 34-Jähriger schrieb, geht es ständig zur Sache, was im Text durch sehr bekannt gewordene Gedankenstriche angezeigt wird. [...] Auch wenn Dirne und Stubenmädchen nicht mehr so genannt werden, so hat man doch den Eindruck, dass heute genauso gelogen, gekränkt und gejuchzt wird, wenn es um die Lust geht. [...] Der Regisseurin ist mit diesem »Reigen« dank eines starken Ensembles ein schlüssiger Abend gelungen. Für diese Sache mit dem Gedankenstrich findet er geschickte Alternativen zur direkten Nachahmung. Wenn man dann die Wartburg verlässt und als erstes auf eine riesige Parship-Werbung blickt, hat man nicht den Eindruck, dass sich in diesem Reigen viel geändert hat seit damals, nur hat er andere Spielarten.
Frankfurter Rundschau, Grete Götze, 03.04.2017

Termine

Wartburg19:30 - 21:00
Wartburg19:30 - 21:00
Wartburg19:30 - 21:00