Schauspiel

Mein Kampf

Farce von George Tabori
Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori
Sa, 20.05.2017
PremiereKleines Haus19:30 - 22:00
Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Uwe Kraus
Foto: Karl & Monika Forster
Michael Birnbaum
Foto: Karl & Monika Forster
Uwe Kraus, Mitglieder des Jungen Staatsmusicals, Statisterie, Stefan Graf
Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Monika Kroll
Foto: Karl & Monika Forster
Benjamin Krämer-Jenster
Foto: Karl & Monika Forster
Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Llewellyn Reichman
Foto: Karl & Monika Forster
Uwe Kraus, Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Llewellyn Reichman
Foto: Karl & Monika Forster
Stefan Graf
Foto: Karl & Monika Forster
Monika Kroll, Uwe Kraus
Foto: Karl & Monika Forster
Llewellyn Reichman
Foto: Karl & Monika Forster
Benjamin Krämer-Jenster, Stefan Graf, Uwe Kraus
Foto: Karl & Monika Forster

Ein junger ambitionierter, aber untalentierter Zeichner aus Braunau am Inn kommt nach Wien, um Kunst zu studieren. Es handelt sich um Adolf Hitler, und er kommt in einem Männerasyl unter. Dort trifft er auf Schlomo Herzl, der an einem Roman namens »Mein Kampf« arbeitet und ihm erst einmal Manieren beizubringen versucht. Dass Herzl Jude ist und Hitler mit seinem Antisemitismus nicht gerade hinterm Berg hält, hält den großherzigen Buchhändler nicht davon ab, sich rührend um den Neuankömmling zu kümmern. Nicht nur, dass er ihn über die vergeigte Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie hinwegtröstet und ihm in Gesprächen und Geschichten unermüdlich eine etwas weniger verquere Weltsicht anempfiehlt – er räumt hinter ihm auf, überlässt ihm in kalten Winternächten seinen Mantel und schließlich auch den Titel »Mein Kampf« für dessen krude politische Schriften. Auch den markanten Scheitel und das später nach Hitler benannte Bärtchen hat ihm Herzl frisiert. Doch all die liebende Fürsorge wird nicht verhindern, dass Frau Tod Hitler holen kommt. Nicht als Leiche, sondern als den besten Würgeengel, den sie je hatte.
 
Seit einigen Jahren haben wir uns auch in Deutschland daran gewöhnt, Hitler humoristisch und komödiantisch behandelt zu sehen. George Taboris bereits 1987 uraufgeführte Farce aber ist bis heute unerreicht in ihrem fantastisch-grotesken Zusammenführen von klugem Witz und schwermütigem Tiefsinn, auf die Spitze getriebener Komik und der grauenhaften Realität – auch dessen, was nach dem Ende der Handlung noch kommen wird.

PREMIERE 20. Mai 2017

Besetzung

Regie Bernd Mottl
Bühne & Kostüme Friedrich Eggert
Musik / Soundcollage Christoph Kalkowski
Choreografie Myriam Lifka
Dramaturgie Laura Weber
Herzl Uwe Kraus
Lobkowitz Benjamin Krämer-Jenster
Hitler Stefan Graf
Gretchen Llewellyn Reichman
Frau Tod Monika Kroll
Himmlisch Michael Birnbaum
Tagespenner / Tiroler Tölpel Dwayne-Gilbert Besier, Jan Diener, Camillo Guthmann, Taddeo Hanss, Nils Hausotte, David Rothe, Jan Then, Daniel Weldemann

Pressestimmen

Im beengten Schmuddelbühnenbild von Friedrich Eggert […] entfaltet sich die Geschichte von Schlomo Herzl, dem jüdischen Bibel- und Pornographieverkäufer, und dem Möchtegernkünstler Adolf Hitler mit grausamer Folgerichtigkeit.
Schlomo hat mit all seinen Liebesdiensten den effektivsten Massenmörder der Weltgeschichte miterzeugt. Fast bekommt man eine Gänsehaut angesichts des bösen Doppelsinns, wenn Hitler hier gegen Ende des furiosen Abends zum Mikrofon greift und schaurig schön trällert, was er sich für die Zukunft Schlomos wünscht: »Ein Stern, der deinen Namen trägt! « Ein brillanter Einfall der Regie.
Man muss Bernd Mottl, vor allem aber dem großartigen Stefan Graf dankbar sein, dass sie der Versuchung nicht erlegen sind, ihren Spaß auf […] wohlfeilen Effekten aufzubauen. Im Gegenteil. Graf spielt den jungen Psychopathen als sprachlich überaus eloquenten Wortkünstler, dessen nicht enden wollende hypertaktische Satzlabyrinthe um ein vielfaches brillanter sind als seine hilflosen Versuche auf dem Gebiet der bildenden Kunst.
Vor allem aber gelingt es Graf über alle Blödeleien und Absurditäten der Farce hinweg, ein tiefgründiges Psychogramm des späteren »Führers« und Massenverführers zu zeichnen.
Uwe Kraus‘ Darstellung des lebensklugen Schlomo ist der zweite große Pluspunkt dieser Inszenierung. Er spielt, als wisse er um die Zukunft des blassen Adepten, als könne er sein gutes Handeln an ihm gleichsam das Schicksal noch wenden. […]
Das Publikum feierte neben dem Regieteam frenetisch die herausragenden Leistungen der beiden Darsteller.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Matthias Bischoff, 22.05.2017
In einer Farce ist alles möglich. Wer Ohren hat, der höre zu. Zumal die Frage keineswegs offen bleibt, ob den Wiesbadenern eine überzeugende Besetzung gelungen ist. »Mein Kampf« ist in Wiesbaden exzellent besetzt, ein Abend, der von den Schauspielern lebt, wie es nicht jede Woche und auch nicht jeden Monat geboten wird. […]
Uwe Kraus, Schlomo Herzl, hat hier das Sagen, ein Mann, der das Leben kennt. […] An seiner Seite ist Benjamin Krämer-Jensters Lobkowitz, der abgewrackte Koscher-Koch, geradezu ein Weiser. Sie sind aufeinander eingespielt, wie Menschen es erst nach langer Zeit sind, starkes Ensembletheater und starkes Geschichtenerzählen zugleich.
Dann trifft Hitler ein, der Massenmörder als junger Mann im Wien vor dem Ersten Weltkrieg. […] Wenn man Stefan Graf hört, wie er absolut nicht albern durch hetzerische Satzungetüme arbeitet, verspürt man den Reiz des Verquasten. Hitler macht sich in die Hose, Hitler ist eine Memme und ein beleidigter dummer Junge. Aber Schlomo Herzl mag ihn, und Mottl tut uns nicht den Gefallen, dass man nichts davon verstehen würde. Das ist schaurig. […]
Zu sehen ist außerdem Llewellyn Reichman als Gretchen, die sich traumwandlerisch sicher zwischen reiner Unschuld und Nazi-Fratz bewegt. Frau Tod ist die abgebrühte Monika Kroll. Als Himmlisch (Himmler natürlich) tritt Michael Birnbaum hinzu, ein gut sortierter, versierter (Hühner-)Mörder. Es braut sich was zusammen. […]
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 29.05.2017
Schwarz-humorig und radikal: Bernd Mottls Inszenierung von George Taboris Groteske »Mein Kampf« geht auf. […]
Mottl […] überzeugt, indem er die Vorlage an einigen Stellen radikal, bisweilen auch trashig überzeichnet und an anderen kammerspielartig verdichtet.[…]
Uwe Kraus spielt diesen Schlomo hinreißend: leutselig, mit leisem Witz »in kleinen Dosen« und großem Herzen. Sein Tete-a-Tete mit dem frühreif-naiven Gretchen (Llewellyn Reichman) zählt zu den berührendsten Szenen dieses Stücks – gerade in der Nacktheit liegt hier eine intensive Intimität. Auch Benjamin Krämer-Jenster setzt der Produktion als Koscher-Koch Lobkowitz […] ein Glanzlicht auf. Andernorts wurde Hitler auch schon von Frauen gespielt – hier ist es Stefan Graf, der ihm die anfangs unsichere Attitüde einer Quasselstrippe verleiht, unter der der Größenwahnsinn des zwielichtigen Malers lauert – eine starke Leistung.
Wiesbadener Kurier, Brigitta Lamparth, 22.05.2017
Das Lachen bleibt immer wieder im Halse stecken. George Taboris Farce „Mein Kampf“ ist irre komisch und total beklemmend zugleich.
Bernd Mottl arbeitet die zwei Facetten in seiner Inszenierung am Staatstheater erschreckend genau heraus. […] Großartig gespielt. Heftig beklatscht.
BILD, Dr. Josef Becker, 22.05.2017

Termine

Kleines Haus19:30 - 22:00
Ausverkauft / evtl. Restkarten an der Abendkasse