Oper
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Wiesbaden | Deutschland

AGOTA?

Die Analphabetin
(Gestern/Irgendwo)
Helmut Oehring (*196I)
Vokalinstrumentales Melodram
Konzeption & Libretto: Stefanie Wördemann, auf Texte von Ágota Kristóf
Audiokonzeption & -produktion: Torsten Ottersberg / GOGH s.m.p.
Auftragswerk des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
In deutscher Sprache

Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Marena Whitcher, Dagmar Manzel
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Marena Whitcher
Foto: Andreas Etter
Marena Whitcher
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Dagmar Manzel, Ensemble Modern
Foto: Andreas Etter
Helmut Oehring
Foto: Jens Oellermann

Aus wechselnden Erzähler-Perspektiven fokussierte die 2011 in der Schweiz verstorbene ungarische Exilschriftstellerin Ágota Kristóf ihr großes Thema: die Suche nach Identität in einer fremden Welt. Ihre französische Exil-Sprache, die sie bis zum Ende als fremd empfand, machte sie zum Mittelpunkt ihres Erzählens. Kristófs Zweifel an der Kommunikation mit Worten teilt Helmut Oehring – Sohn gehörloser Eltern, als Komponist Autodidakt. Seit über 25 Jahren verknüpft er in seinen vielfach preisgekrönten Bühnenwerken (u. a. Deutscher Musikautorenpreis 2015) auf der Schnittstelle zwischen Musiktheater und szenischem Konzert poetische und dokumentarische, (auto)biografische Inhalte. In »AGOTA?« begibt sich Helmut Oehring mit seinem Team, der Librettistin Stefanie Wördemann und dem Sounddesigner Torsten Ottersberg, zugleich auf die Suche nach Identität und Sprache im Werk Ágota Kristófs sowie auch nach den Möglichkeiten zeitgemäßen multimedialen Musiktheaters.
 
AGOTA wird verkörpert von Dagmar Manzel, preisgekrönte Theaterschauspielerin (»Faust«-Preis), Filmschauspielerin (Grimme-Preis) und jetzt auch »Tatort«-Kommissarin. An der Komischen Oper Berlin trat sie als Diseuse und Sängerin in die Fußstapfen von Fritzi Massary. Mit unglaublicher Leichtigkeit vereint sie auch in »AGOTA?« all diese Talente und begibt sich in einen Austausch mit drei Solisten, die sowohl mehrere Instrumente als auch ihre Stimmen einsetzen, und dem Ensemble Modern, einem der renommiertesten Referenzensembles für zeitgenössische Musik. Inmitten von Klängen aus Stimmen, Instrumenten und Klangzuspielungen erzählt sie uns von den Erinnerungen und Fantasiewelten AGOTAs, in denen sich die Heimatlose einzurichten versucht.

Begleitend

Filmprogramm in der Caligari FilmBühne
Im Rahmen der Internationalen Maifestspiele 2016

»Besuch für Emma«
Regie: Ingo Rasper
D 2015, 88 Min.
Mit: Dagmar Manzel, Henry Hübchen

Zu Gast Dagmar Manzel

Besetzung

Musikalische Leitung Peter Rundel
Sounddesign & Klangregie Torsten Ottersberg
Inszenierung Ingo Kerkhof
Video Philipp Ludwig Stangl
Dramaturgie Katja Leclerc, Stefanie Wördemann
AGOTA Dagmar Manzel
Multiinstrumente & Stimme Marena Whitcher
Gitarren & Stimme Nico van Wersch
Schlagzeug & Stimme Lukas Rutzen
Ensemble Modern
Deutsche Übersetzung aus dem Französischen von L’analphabète / Die Analphabetin von Andrea Spingler

Pressestimmen

Faszinierendes Spiel des Zweifels: Helmut Oehrings Musiktheater »Agota?« wird in Wiesbaden uraufgeführt. (...) Dagmar Manzel ist für die Rolle der Agota prädestiniert. Sie ist eine Meisterin der einprägsamen Geste, der intensiven Ansprache ohne Exaltiertheit. Und somit die perfekte Impulsgeberin für einen Horror, der sich erst im Kopf des hörenden Zuschauers synthetisiert. Regisseur Ingo Kerkhof gelingt es mit Hilfe der Lichtführung von Steffen Hilbricht, das Bewusstsein unauffällig zu lenken. (...) Die bühnenfüllenden knapp zwanzig Mitglieder des Ensembles Modern sind als Teil der Inszenierung präsent, ohne jemals abzulenken. Nur wenig mehr als eine Stunde dauert das faszinierende Sprachzweifelspiel, genau so lang, bis tatsächlich alles gesagt ist.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Benedikt Stegemann, 06.05.2016
Die Wiesbadener Maifestspiele geben der Neuen Musik in diesem Jahr einen imposanten Auftritt.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 06.05.2016
Im Zentrum von »Agota?«, Auftragswerk des Wiesbadener Staatstheaters und nun mit großem Publikumserfolg uraufgeführt, steht Dagmar Manzel. (...) Die Solistin wird nicht nur vom Ensemble Modern rechts, sondern, als akustisch-szenischer Side-kick, auch von einem sehr perkussiv bestückten Instrumental- und Vokaltrio auf der linken Bühnenseite flankiert (Marena Whitcher, Nico van Wersch, Lukas Rutzen). (...) Manzel vor allem macht den Abend zum Ereignis, wenngleich das Ensemble Modern die Szene unter der Leitung von Peter Rundel mit versierter, verdeutlichender Klangtheatralik unterstreicht.
Künstlerisch also zahlt es sich aus, dass Wiesbaden mit Dagmar Manzel auf eine vielseitige Darstellerin setzt, die seit 2015 als Kommissarin Paula Ringelhahn im »Franken-Tatort« der ARD spielt. Vielleicht weckt das die Neugierde aufs zeitgenössische Musiktheater.
Frankfurter Neue Presse, Axel Zibulski, 06.05.2016
Von poetischer Stille reicht das Ausdrucksspektrum der Auftragskomposition für Wiesbadens Maifestspiele bis zu explosiven Schlagzeug-Salven, dem rockigem Einsatz der E-Gitarre und kollektivem Ensemble-Furor (...). Der Klarheit von Ágota Kristófs Prosa entsprechen Dagmar Manzels unprätentiöser Ausdruck und die schöne Schlichtheit ihres Naturtons, wenn sie vom gesprochenen Text zu den Songs wechselt. (...) Der teils surrealen Fantasie und lyrischen Intensität des Librettos trägt die Szenerie mit suggestiven Video-Einblendungen (Philipp Ludwig Stangl) von einer multiplen Manzel-Agota Rechnung. Zum akustischen Erlebnis-Parcours wird die Uraufführung auch durch das Sounddesign von Torsten Ottersberg: Live-Elektronik und Zuspiel-Stimmen erweitern die Komposition in Traumsequenzen zum mehrdimensionalen Klangraum für Kristófs Figuren.
Das Publikum hat, wie der begeisterte Applaus zeigt, keinerlei Zweifel an der Wirkung einer faszinierenden Annäherung, die ganz entscheidend von Dagmar Manzels Ausstrahlung getragen wird.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 06.05.2016
Regisseur Ingo Kerkhof inszeniert so nahe an der Partitur, dass man den Eindruck gewinnt, Oehring habe alles so im Prozess des Komponierens entwickelt. (...) Philipp Ludwig Stangl drehte mit Manzel Videos, die zur Aufführung in kurzen Sequenzen auf der hinteren Bühnenwand eingespielt werden, um den Eindruck im Augenblick zu verstärken. (...) Torsten Ottersberg entwickelte ein Soundregiekonzept, das alle Elemente miteinander verdrahtet und ein vielschichtiges Musiktheatererlebnis ermöglicht. (...) Marena Whitcher, Nico van Wersch und Lukas Rutzen machen ihr eigenes Spiel mit Stimme, Gitarre, Schlagzeug, einem multifunktionalen Keyboard. (...) Am Ende ist das Publikum von der genialen Performerin Dagmar Manzel begeistert. Ihre Art der Rezitation macht eine szenische Darstellung fast überflüssig. Denn die Bilder, die konkret eingespielt werden, sind längst nicht so stark, wie die Visualisierungen, die Oehring mit seiner multimedialen Klangwelt und mit Manzel als Stimme im Bewusstsein des Hörers freisetzt.
opernnetz.de, Christiane Franke, 09.05.2016

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