Schauspiel

Der Findling

Nach der Novelle von Heinrich von Kleist
So, 20.12.2015
Premiere | UraufführungStudio20:00 - 21:10
Janina Schauer, Christian Erdt, Ulrich Rechenbach
Foto: Lena Obst
Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Christian Erdt, Ulrich Rechenbach, Janina Schauer
Foto: Lena Obst
Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Ulrich Rechenbach, Janina Schauer
Foto: Lena Obst
Stayce Camparo, Janina Schauer, Ulrich Rechenbach, Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Stayce Camparo, Janina Schauer
Foto: Lena Obst
Stayce Camparo, Janina Schauer
Foto: Lena Obst
Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Janina Schauer, Christian Erdt, Ulrich Rechenbach
Foto: Lena Obst
Janina Schauer, Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Janina Schauer, Christian Erdt, Stayce Camparo, Ulrich Rechenbach
Foto: Lena Obst
Stayce Camparo, Ulrich Rechenbach, Janina Schauer, Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Ulrich Rechenbach, Stayce Camparo, Janina Schauer, Christian Erdt
Foto: Lena Obst
Christian Erdt, Ulrich Rechenbach
Foto: Lena Obst
Stayce Camparo, Ulrich Rechenbach, Christian Erdt, Janina Schauer
Foto: Lena Obst
Ensemble
Foto: Lena Obst

Der römische Geschäftsmann Piachi rettet einen Waisenjungen vor der Pest – um den Preis des Lebens seines eigenen Kindes. Nachdem er ihn an Sohnes statt aufgezogen hat, muss er feststellen, dass er sich einen Todfeind ins Haus geholt hat. Der Seuche gleich, vor der er bewahrt wurde, infiziert Nicolo mit seiner Schlechtigkeit alles um sich her. Gewandt zwar in allem Geschäftlichen, ist er lüstern, unehrlich, durchtrieben, bigott. Bis zur versuchten Vergewaltigung von Piachis junger Frau Elvire reicht die Liste seiner Untaten. Es ist, als führte allein seine Anwesenheit zur Auflösung natürlicher Bindungen. Aber ist der am Weg Aufgelesene ursprünglich böse? Oder hat er sich erst in einem Umfeld, in dem nie er selbst gemeint scheint, nur die Stelle eines anderen einnimmt – die des verlorenen Kindes für Piachi, die einer mythisch überhöhten verlorenen Liebe für Elvire – zu dem entwickelt, was er ist?

Eine Anti-Entwicklungsgeschichte, die idealistisch-bürgerliche Erwartungshaltungen verkehrt und von innen heraus sprengt. Auf engstem Raum, wie in einer Versuchsanordnung, entfaltet Kleists romantisch inspirierte Novelle eine unglaubliche emotionale Wucht und fächert ein reiches Panorama an Motiven auf: vom Doppelgänger über magische Verkehrungen und märchenhafte Elemente, den klassischen Ödipuskonflikt bis zu Grundfragen von Ethik und Moral.

PREMIERE 20. Dezember 2015

Besetzung

Pressestimmen

In »Der Findling« liegt der Teufel buchstäblich im Detail. Schon am Anfang lenkt [Felicitas Braun] die Aufmerksamkeit auf Kleists detailersessene Sprache der Gewalt. Dass Blut und Hirn spritze bei Kleist, dass die Wände zu Tätern würden. Und in der Tat, wieso hängt In Elvirens Schlafzimmer eine Peitsche griffbereit an der Wand? Warum stirbt eine junge Frau, und das ist allenfalls ein bedauerlicher Umstand? Wieso zuallererst lässt der alte Piachi das pestkranke Kind in seine Kutsche steigen und riskiert so das Leben seines einzigen Sohns?
Die drei Schauspieler stellen die Fragen durchaus durch die nuancierte und präzise Weise, in der sie dem Kleistschen Textkörper zuleibe rücken. Sie legen die angedeuteten Obsessionen und die Gleichgültigkeiten frei, die Piachi in den Ruin und schließlich Nicolo in den Tod durch Piachis Hand treiben.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Eva-Maria Magel, 23.12.2015