Turbulent und bitterböse ist dieser Klassiker der Krimikomödie, ein mörderischer Spaß und seit seiner Entstehung 1940 von den Bühnen kaum mehr wegzudenken.

Theaterkritiker Mortimer ist schockiert, als er unerwartet im Haus seiner so christlich sozialen wie absolut liebenswürdigen Tanten eine Leiche findet. Sicherlich, mutmaßt er, sind die Folgen der Wahnvorstellungen seines älteren Bruders, den die Tanten hingebungsvoll betreuen, doch nicht so harmlos-schrullig, wie man bislang annahm. Mortimer setzt jedenfalls sofort alle Hebel in Bewegung, um sowohl die Leiche als auch den gemeingefährlichen Bruder schnellstmöglich – und ohne öffentliches Aufsehen! – aus der Nähe der Tanten und seiner Verlobten zu entfernen. Das Unterfangen wird allerdings dadurch erheblich erschwert, dass unversehens auch der dritte Bruder, ein gesuchter Mörder, bei den Tanten auftaucht – mit einer weiteren Leiche im Gepäck. Dass örtliche Polizeibeamte als begeisterte Abnehmer der Backerzeugnisse der alten Damen im Haus nahezu ständig ein- und ausgehen, ist für Mortimers Bemühungen auch nicht sonderlich hilfreich. Während sich der slapstick-trächtige Leichenverschiebe-Aberwitz immer weiter steigert, werden hinter der gutbürgerlichen Fassade erschreckende Abgründe sichtbar.
 
Regie Ulrike Arnold Bühne Bartholomäus Martin Kleppek Kostüme Anne Buffetrille Dramaturgie Katharina Gerschler
 
Abby Brewster Monika Kroll Martha Brewster Evelyn M. Faber Siggi Brewster Michael Birnbaum Mortimer Brewster Janning Kahnert Jonathan Brewster Uwe Kraus Dr. Einstein Karoline Reinke Elaine Harper Mira Helene Benser Dr. Harper, Mr. Hoskins, Mr. Gibbs, Mr. Witherspoon Rainer Kühn Brophy Matze Vogel Klein Maximilian Pulst Rhone Ulrich Rechenbach

Der Musterbürger Theobald Maske fürchtet um seine Reputation: Er sieht sich »geschändet im Maul der Nachbarn«, denn seiner Frau Luise ist in aller Öffentlichkeit die Hose verrutscht. Das kleine Malheur bringt den Maskes sofort einige windige Subjekte ins Haus, denen der unverhoffte Anblick die Attraktivität der jungen Frau blitzartig vor Augen führte. Der gute Theobald ist hin- und hergerissen. Zwar gilt es die Ehre zu wahren, doch ein paar zahlungskräftige Untermieter sind auch nicht zu verachten.

Gut 25 Jahre später hätte Theobalds Sohn Christian allen Grund zur Zufriedenheit, denn eben erst ist er zum Generaldirektor eines international operierenden Unternehmens ernannt worden. Aber sein snobistischer Ehrgeiz reicht weiter. Er möchte seine bürgerliche Herkunft abschütteln und sich durch Heirat den Zugang zu höheren Kreisen verschaffen. Oder, wie er es nennt, »den Abgrund zwischen Herkommen und errungener Stellung« überbrücken. Gut, dass er genügend Geld hat, um sich den ersehnten Abstand zu kaufen.

In Carl Sternheims Zyklus »Aus dem bürgerlichen Heldenleben«, zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, sind die Bürger alles andere als Helden. Auf bissige Weise betreibt Sternheim in seinen Komödien die Demaskierung der Familie Maske.
 
Regie Carolin Wirth Bühne Matthias Schaller Kostüme Carolin Wirth Musik Moritz Terebesi
Dramaturgie Wolfgang Behrens
 
Theobald Maske Atef Vogel Luise Maske, seine Frau Llewellyn Reichman Christian Maske, sein Sohn Tobias Lutze Gertrud Deuter Kruna Savić Frank Scarron Tobias Lutze Benjamin Mandelstam Paul Simon Ein Fremder, Graf Aloysius Palen Benjamin Krämer-Jenster Marianne Palen, seine Tochter Christina Tzatzaraki Sybil Hull Kruna Savić

26.10.2017

»Tannhäuser«

Die große romantische Oper »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg« ist die erste Zusammenarbeit des neuen Generalmusikdirektors Patrick Lange mit Intendant Uwe Eric Laufenberg als Regisseur. Für diesen wird, nach »Meistersinger« in Köln, »Parsifal« in Bayreuth und dem »Ring des Nibelungen« in Linz und Wiesbaden, »Tannhäuser« seine siebte Inszenierung einer Oper Richard Wagners sein. Patrick Lange gibt mit dieser Oper seinen Einstand als GMD am Opernpult. Tannhäuser ist zerrissen zwischen Sinnesrausch und Askese, zwischen anarchistischem Ausleben seines Selbst und Einordnung in einer determinierten Gesellschaft, zwischen Frevel und Christentum, zwischen der Hingabe zu Sex und Libido und der »reinen« Liebe, zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Welten.
Wagner sagte zum Ende seines Lebens: »Ich bin der Welt noch den Tannhäuser schuldig...«, er meinte eine endgültige Fassung, hat er doch das Werk zwischen den Aufführungen in Dresden, Paris, München und Wien ständig verändert.
Patrick Lange und Uwe Eric Laufenberg haben eine Fassung erarbeitet, die sich an der Pariser und Wiener Version orientiert und die versucht aufzunehmen, was Wagners Essenz zu diesem Stück am nächsten kommt.

Tannhäuser ist Lance Ryan, der in Wiesbaden als Peter Grimes und Siegfried weitere Marksteine in seiner internationalen Karriere setzen konnte. 

Inszenierung Uwe Eric Laufenberg Musikalische Leitung GMD Patrick Lange Bühne Rolf Glittenberg Kostüme Marianne Glittenberg Chor Albert Horne Video Gérard Naziri Dramaturgie Regine Palmai

Hermann, Landgraf von Thüringen Young Doo Park Tannhäuser Lance Ryan Elisabeth Sabina Cvilak
Venus Jordanka Milkova Wolfram von Eschenbach Benjamin Russell /Christopher Bolduc Walther von der Vogelweide Aaron Cawley Biterolf Thomas de Vries Heinrich der Schreiber Joel Scott Reinmar von Zweter Alexander Knight Ein junger Hirt Stella An Nymphen und Grazien Charlotte Dambach, Viviana Defazio, Laurin Thomas, Rouven Pabst, Nicholas Bruder Vier Edelknaben Eunshil Jung, Hyerim Park, Isolde Ehinger, Daniela Rücker

Chor & Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Die diesjährige Weihnachtsproduktion am Hessischen Staatstheater Wiesbaden hat alles was es für ein festliches Weihnachtserlebnis braucht. Mit »Väterchen Frost« taucht das Publikum in die traditionelle Welt der russischen Märchen ein: Da gibt es das gute, schöne und unschuldige Mädchen, das von seiner bösen Stiefmutter und seiner Stiefschwester drangsaliert und schließlich im kalten Winterwald ausgesetzt wird. Ein junger Held, der am Anfang ein Ekel ist, erscheint ebenso, wie die böse Hexe Baba Jaga, die nie etwas Gutes im Schilde führt. Und bevor Väterchen Frost mit seiner Güte und Weisheit alles zu einem weihnachtlichen Happy End führt, müssen die Protagonisten ein Abenteuer voller magischer Momente mit Räubern, Waldgeistern und vielen kuriosen Abenteuern bestehen.


In der Regie von Carsten Kochan, kombiniert mit der atmosphärischen Musik und den Liedern von Wolfgang Böhmer, wird die Weihnachtsproduktion »Väterchen Frost« für Jung und Alt erzählt.
Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Alle Vorstellungstermine und weitere Informationen finden Sie online unter www.staatstheater-wiesbaden.de.
 
Regie Carsten Kochan Bühne & Kostüme Claudia Weinhart Musik Wolfgang Böhmer Choreografie Jessica Krüger, Annabelle Mierzwa Licht Oliver Porst
 
Nastja Jessica Krüger Vater, Väterchen Frost Martin Plass Babajaga Annabelle Mierzwa
Marfuschka Sophie Pompe Iwan Tom Gerngroß Gribnoy Eleni Tsaousidou Räuberin 1, Waldgeist Nora Kühnlein Räuberin 2, Waldgeist Jana Saxler Räuberin 3, Waldgeist Miriam Zeller Hahn, Sonne, Waldgeist Renée Stulz

Der libanesische Künstler Rabih Mroué beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bildern von Gewalt, mit Mechanismen von Märtyrerkult und politischer Propaganda. Er sammelt Materialien, zerlegt und überschreibt sie und schafft Arbeiten für die Bühne, Installationen und Texte, die hinterfragen wie Bilder und Geschichten konstruiert und instrumentalisiert werden.

Im Sommer letzten Jahres begann er eine Recherche zu den Rekrutierungsvideos islamischer Extremisten in Hessen. Er sammelte Videos und führte Gespräche mit dem Verfassungsschutz. Sie bilden das Material für seine neue Arbeit »Sand in the Eyes«. Es sind Videos, die speziell auf die Sehgewohnheiten von Jugendlichen zugeschnitten sind. Sie spielen mit den Grenzen dessen, was wir sehen wollen und ertragen können. Was erzählen die Videos über diejenigen, die sie produzieren? Und wieso gelingt es durch sie junge Menschen zu rekrutieren?

»Sand in the Eyes« ist eine Produktion vom Haus der Kulturen der Welt Berlin, im Rahmen des Projekts »100 Jahre Gegenwart«, gefördert von der Beauftragtender Bundesregierung für Kultur und Medien, in Koproduktion mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Regie Rabih Mroué

11.10.2017

»Manon«

In einer raffinierten Melange aus Romantik und moderner Psychologie, mit schmeichelnder Melodik und ausgefeilten Orchestrierungen schrieb Jules Massenet seinen Welterfolg »Manon«. In Wiesbaden ist die Oper in der Inszenierung von Bernd Mottl zu sehen. Zuletzt inszenierte er in Wiesbaden Leonard Bernsteins »Candide« für die Opernbühne und führte Regie in George Taboris Schauspiel »Mein Kampf«. Das Hessische Staatsorchester spielt unter der Musikalischen Leitung von Jochen Rieder, international gefragter Gastdirigent in Oper und Konzert.Die Titelpartie übernimmt Cristina Pasaroiu, die zuletzt in Wiesbaden als Desdemona in »Otello« und als Violetta in »La Traviata« zu erleben war. Operalia-Gewinner Ioan Hotea gibt sein Rollendebüt in der Partie des Chevalier des Grieux. Christopher Bolduc, zuletzt in der Titelpartie von »Eugen Onegin«, kommt als Lescaut auf die Bühne. Florian Kontschak, der in Wiesbaden in der Wiederaufnahme von»Falstaff« als Pistola debütierte und in der laufenden Saison Tom in »Ein Maskenball« singt, ist Graf des Grieux.

Inszenierung Bernd Mottl Musikalische Leitung Jochen Rieder Bühne,Kostüm Friedrich Eggert Chor Albert Horne Licht Ralf Baars Dramaturgie Regine Palmai

Manon Cristina Pasaroiu Chevalier des Grieux Ioan Hotea Lescaut Christopher Bolduc Graf des Grieux Florian Kontschak Guillot-Morfontaine Erik Biegel Monsieur de Brétigny Benjamin Russell/ Nathaniel Webster Ein Gastwirt, Ein Sergeant Wolfgang Vater Pousette Shira Patchornik Javotte Stella An Rosette Silvia Hauer

Chor und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Es ist das Jahr 1976 und inBrooklyn, New York, hat Tony Manero, der beruflich in einer Sackgasse steckt und herausragend tanzen kann, nur ein Ziel für sein Leben: der König des Disco zu werden. Als er Stephanie trifft, die ebenfalls davon träumt endlich aus Brooklyn hinaus zu kommen, und beide beschließen gemeinsam für einenTanzwettbewerb zu trainieren, ändert sich beider Leben für immer.

In der Inszenierung von Iris Limbarth erzählt das Kultmusical »Saturday Night Fever« eine der meistgeliebten Tanzgeschichten aller Zeiten mit legendären Hits der Bee Gees wie »Stayin’ Alive«, »Night Fever«, »Jive Talking«, »You Should Be Dancing« und »How Deep is Your Love?«.

Für alle ab 14 Jahren.

Musikalische Leitung Frank Bangert Regie Iris Limbarth Bühne Britta Lammers Kostüme Heike Korn Choreografie Myriam Lifka

Ensemble des Jungen Staatsmusicals

Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist mit »Faust 1 – White Boxx« die erste Produktion der neuen Reihe »White Boxx« zu sehen. Goethes Klassiker »Faust« ist mit nur vier Schauspielern in einem klar definierten Einheitsraum, der sogenannten »White Boxx«, auf der Studiobühne zu erleben.
Die neue Produktionsreihe »White Boxx« ist eine Kooperation der Sparten Schauspiel und JUST des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, die in jeder Spielzeit eine unkonventionelle Adaption eines Schauspiel-Klassikers auf die Bühne bringt.

In dieser Spielzeit widmet sich das Regieteam dem bedeutendsten und meistzitierten Werk der deutschen Literatur: »Faust. Der Tragödie erster Teil«. Regisseur und Schauspieler Tom Gerber hat hierfür eine spannende und dem heutigen Zeitgeist entsprechende Fassung erarbeitet.

Regie Tom Gerber Bühne Matthias Schaller Kostüme Anna Hostert

Mit Christina Tzatzaraki, Ulrich Rechenbach, Matze Vogel, Tom Gerber
Mit der ersten Ballettproduktion in der Spielzeit 2017.2018 begibt sich Ballettdirektor Tim Plegge choreografisch auf Reisen. Kurze Episoden fügen sich darin an die Struktur des Liederzyklus von Franz Schubert an und folgen dem Charakter der komponierten Interpretation des Wiesbadener Komponisten Hans Zender. »Eine Winterreise« erzählt vom Werden und Vergehen, von der Sehnsucht und einem Zustand der Suche, der aus der kontemplativen Auseinandersetzung mit sich selbst entstehen kann.

Das Ballett steht in der Tradition von Plegges Handlungsballetten, verlässt jedoch den bisher ergründeten Pfad der stringenten Narration. In den Kostümen von Judith Adam und dem Bühnenbild von Sebastian Hannakschwingen in dem Ballett Fragen nach Werden und Vergehen. Einsamkeit, Sehnsucht nach Liebe und Trost verweben sich zu einem großen Tableau menschlicher Emotionen.

Musikalische Leitung Benjamin Schneider Choreografie Tim Plegge Bühne Sebastian Hannak Kostüm Judith Adam Dramaturgie Esther Dreesen-Schaback

Ensemble des Hessischen Staatsballetts
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Max Frischs »Lehrstück ohne Lehre« erzählt vom Scheitern bürgerlicher Werte angesichts des Unvorstellbaren: einer abstrakten Bedrohung, die unversehens ganz konkret wird. Gutbürger Biedermann strebt nach äußerem Erfolg. Dass er dafür durchaus über Leichen geht, gilt es zu verbergen. Gemeinsam mit seiner Frau versucht er also vor allem, alles richtig zu machen: Man ernährt sich bewusst, übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Und natürlich öffnen die Beiden einem Wohnungslosen ihr Haus und bleiben tapfer, als gleich sein Freund mit einzieht. Frei von Sorge sind Biedermanns zwar nicht, aber wie die Mitbewohner virtuos auf der Klaviatur des Mitgefühls spielen, so wissen sie auch die Ängste ihrer Wirtsleute zu nutzen. Und in der bürgerlichen Normalität entsteht nach und nach ein explosives Gemisch.

Frischs Parabel über die kleinen feigen Falschheiten des »besorgten Bürgers«, die den Großbrand ihrer Welt entfachen, wirkt höchst aktuell, wenn man das Hochkommen populistischer Politik, die neue Salonfähigkeit nationalistischen Denkens, Abschottungs- und Segregationstendenzen ganzer Länder betrachtet. 

In der Inszenierung von Jan Philipp Gloger, der zuletzt mit »Maß für Maß« in Wiesbaden große Erfolge feierte, ist das Schauspiel »Biedermann und die Brandstifter« ab dem 29. September am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden zu erleben.

Regie Jan Philipp Gloger Bühne Franziska Bornkamm Kostüme Dorothee Joisten Musik Kostia Rapoport Dramaturgie Katharina Gerschler

Herr Biedermann Maximilian Pulst Babette, seine Frau Llewellyn Reichman Anna, ein Dienstmädchen Kruna Savić Josef Schmitz Michael Birnbaum Wilhelm Eisenring Rainer Kühn