Oper

Katja Kabanowa

Leoš Janáček (1854 – 1928)
Oper in drei Akten | Libretto: vom Komponisten, nach dem Schauspiel »Das Gewitter« (1859) von Alexander Nikolajewitsch Ostrowski | Uraufführung: 1921 in Brünn
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Silvia Hauer, Mirko Roschkowski, Chor
Foto: Paul Leclaire
Sabina Cvilak
Foto: Paul Leclaire
Sabina Cvilak, Dalia Schaechter, Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Sabina Cvilak, Silvia Hauer, Chor
Foto: Paul Leclaire
Aaron Cawley, Statisten
Foto: Paul Leclaire
Silvia Hauer, Benedikt Nawrath, Sabina Cvilak, Mirko Roschkowski
Foto: Paul Leclaire
Silvia Hauer, Benedikt Nawrath
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Sabina Cvilak
Foto: Paul Leclaire
Wolf Matthias Friedrich, Dalia Schaechter
Foto: Paul Leclaire
Sabina Cvilak
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Sabina Cvilak
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Sabina Cvilak, Aaron Cawley
Foto: Paul Leclaire
Benedikt Nawrath
Foto: Paul Leclaire
Ensemble, Chor
Foto: Paul Leclaire
Benedikt Nawrath, Statisten
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Aaron Cawley, Dalia Schaechter
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Mirko Roschkowski
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Silvia Hauer
Foto: Paul Leclaire
Dalia Schaechter
Foto: Paul Leclaire

Die realistische Menschendarstellung auf der Bühne war das künstlerische Ziel des tschechischen Komponisten Leoš Janáček. Der Durchbruch zu Ruhm und Anerkennung gelang dem in Brünn lebenden Janáček erst spät, sein Meisterwerk »Katja Kabanowa« schrieb er mit fast 70 Jahren. In der Volksmusik und der Sprache seiner mährischen Heimat entdeckte er eine musikalische Wahrheit, die er als »Ausschnitt aus fremden Seelen«, als »Widerhall menschlichen Innenlebens« erlebte. Nicht die Volksmusik als Folkloreeinlage, sondern der Tonfall der gesprochenen Sprache fand Eingang in seine Kompositionen.
 
Als Janáček, der slawophile Kenner der russischen Literatur, Ostrowskis Drama auf der Bühne sah, war der Stoff für eine neue Oper gefunden. Zwischen Katjas Schuld, Sühne und Selbstanklage entstand »die allerzarteste meiner Opern«, voll »Musik aus der Tiefe des Herzens«. Katja, die an einen schwachen, liebesunfähigen Mann verheiratet wurde, wird durch die Liebe zu Boris in moralische und emotionale Konflikte gestürzt, deren Gewalt sich nur durch den Tod in den Fluten der Wolga lösen kann.

Besetzung

Musikalische Leitung Philipp Pointner
Inszenierung Matthew Wild
Bühne Matthias Schaller, Susanne Füller
Kostüme Susanne Füller
Licht Ralf Baars
Chor Albert Horne
Dramaturgie Regine Palmai
Katja Sabina Cvilak
Boris Mirko Roschkowski
Kabanicha Nadine Secunde
Tichon Aaron Cawley
Dikoj Wolf Matthias Friedrich
Kudrjasch Joel Scott
Barbara Silvia Hauer
Kuligin Christian Balzer
Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

Insgesamt ist die Produktion szenisch derart dicht und musikalisch derart reichhaltig, dass man sie mehrfach erleben möchte. Mindestens einen Besuch aber sollte kein Opernfreund aus dem Rhein-Main-Gebiet versäumen.
Der Opernfreund.de, Michael Demel, 19.01.2016
Während der Ouvertüre ist schon so viel zu sehen, dass man möglicherweise nicht gleich mitbekommt, was für ein musikalisch außerordentlicher Abend sich da vorbereitet. Zsolt Hamar dirigiert Leos Janáceks »Katja Kabanowa« praktisch introvertiert, ohne mögliche und übliche Grellheiten, dabei extrem transparent, als sollte nicht ein einziger Harfenton ungehört bleiben. Die Slowenin Sabina Cvilak ist eine herausragende Katja-Stimme, souverän, lyrisch, mühelos und ohne jede Spitzigkeit, dabei eine sehr bewegliche, die Figur der durch ihre Heirat in unfrohe Umstände geratenen jungen Frau wahrhaftig verkörpernde Katja-Darstellerin. Mirko Roschkowski ist der betörende Tenor an ihrer Seite, dem man darum seine Verführungskraft auch ohne schauspielerischen Großeinsatz gerne glaubt. Höchst bemerkenswert die glockenreine, ungemein sympathische Warwara von Silvia Hauer, dazu ihr Pendant, der markante Tenor Benedikt Nawrath als Tichon. Dalia Schaechter ist die Schwiegermutter des Grauens mit metallisch durchschlagendem Mezzo.
Frankfurter Rundschau, Judith von Sternberg, 20.01.2016
Für die Innenseite des Geschehens ist Generalmusikdirektor Zsolt Hamar zuständig. Unter seiner Leitung schleift das Hessische Staatsorchester Wiesbaden Edelsteine. Die Empfindungsbilder finden sich mit äußerstem Einfühlungsvermögen gestaltet, zugleich in der Ausführung binnendynamisch weit aufgefächert und präzise ausgeführt. Da die Regie sich im richtigen Moment zurücknimmt, können sich die tönenden Seelenräume betörend entfalten. Auf der Bühne verspricht der sonor grundierte Tenor von Mirko Roschkowski eine Geborgenheit, welche er als Liebhaber nicht zu geben vermag. Silvia Hauer als Warwara und die in jeder Hinsicht herausragende Sabina Cvilak in der Titelpartie vervollständigen den exzellenten Gesamteindruck.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Benedikt Stegemann, 21.01.2016
Wiesbadens zum Saisonende scheidendem Generalmusikdirektor Zsolt Hamar gelingt eine seiner besten Arbeiten, indem er das Hessische Staatsorchester zu einem vorzugsweise leisen, immer aber soghaften Drängen anhält, das viel wichtiger ist als die Einhaltung einzelner Präzisionsgrenzen.
Sabina Cvilak stellt die ganze Vielschichtigkeit ihrer Titelfigur aus, mit dem Versuch devoter Süßlichkeit gegenüber der Schwiegermutter Kabanicha zunächst, mit glühender Präsenz in ihrer Szene mit Boris, dem Mirko Roschkowski satt gestützten tenoralen Nachdruck gibt, mit grandioser Entrückung in Katjas nachromantischen Wahnsinnsszene schließlich, bevor sie sich vor dem zurückgekehrten Tichon des geschliffen fein singenden Tenors Aaron Cawley umbringt. Die Alten entfalten dämonische Wucht, Dalia Schaechters eiserne, fassadenhafte Kabanicha, Wolf Matthias Friedrichs lebensrau tönender Onkel Dikoj.
Im knallharten Realismus der Ausstattung von Matthias Schaller (Bühne) und Susanne Füller (Bühne, Kostüme) blitzen immer wieder irreale Bilder auf, von Teufeln in den Fenstern der bühnenhohen Plattenbau-Fassade etwa, die das ganze Szenenbild schlaglichthaft zur Innenwelt Katjas wandeln. Eine Videoprojektion zeigt sie immer wieder vorahnungsvoll durch Fluten tauchend. Diese verstörende Mischung aus slawischer Mythenwelt und gegenwartsgebundener Realität spiegelt treffend das Changieren der Musik Janáceks wider, die modern, wahr, aufreibend klingt, zugleich aber noch eindringliche Anleihen am Romantischen nimmt.
Wiesbadener Kurier, Axel Zibulski, 18.01.2016
Die Thematik ist nahezu zeitlos. Entsprechend schlüssig ist Matthew Wilds Konzept einer realistischen Darstellung. Matthias Schaller und Susanne Füller bauen eine heruntergekommene Plattenbaufassade, eine Busstation und einen Spielplatz mit Wasserbecken, wie er in Trabantenstädten überall zu finden ist. Sabina Cvilak durchlebt alle Höhen und Tiefen einer heldenhaften blonden Katja. Ihr Gesang spiegelt ein Wechselbad der Gefühle und Sehnsüchte in allen Extremen, reibt und verbindet sich mit Janáceks Klangbildern zwischen schroffen bizarren Färbungen und sanftesten wie zärtlichsten Streicher- und Holzbläsertönen. Hervorragende Sängerschauspielerleistungen bieten auch Dalia Schaechter in ihrer scharf und schrill durchschneidenden Kabanicha-Partie und Mirko Roschkowski mit seinen kurzen wie klangschön gestalteten Einwürfen als leidenschaftlich liebender, doch im Alltag schwächlicher Boris. Erfrischend spielverliebt, wie es die Vorlage zulässt, und stimmlich bravourös begeistern Silvia Hauer als Warwara und Wolf Matthias Friedrich als Dikoj. Auch die weiteren Solisten in kleineren Partien sowie der Chor und das Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden tragen zu dieser überzeugenden musikalischen Leistung bei.
Zsolt Hamar veranlasst die Musiker zu bestechender Transparenz und größtmöglichem Kontrast wie Intensität.
Opernnetz, Christine Franke, 18.01.2016
Matthew Wild zeigt eine stimmige Arbeit mit sehr gutem Personal. Im Mittelpunkt steht Sabina Cvilaks Katja. Sie spielt eine emotional gefasste, depressive junge Frau, sensibel nach innen gewandt und selbst in Liebeswallungen sich selbst zernagend. Ihr runder lyrischer Sopran kommt an keine Klanggrenzen und besonders im Pianissimo kann sie in dem großen Wiesbadener Haus weit leuchten und ihre Seele wie unter einem Brennglas vergrößern. Eine große Leistung. Mirko Roschkowski als Boris liegt vokal wunderbar auf der Rolle; mit großem lyrischen Tenor singt er einen fast scheuen Verliebten. Beide kommen in ihrer Liebesszene ganz sängerisch ins Schwärmen, darstellerisch zügeln sie sich – regiebedingt – sehr. Katjas Ehemann Tichon wird von Aaron Cawley souverän und breitstimmig gesungen. Ganz unter der Fuchtel seiner gefühlskalten Mutter Kabanchina, die Dalia Schaechter mit herrischer Matronen-Attitüde und nicht ohne augenzwinkernde Selbstironie verkörpert, kann er als Mensch sich nicht entfalten. Ein auffälliges und großes Debüt gelingt Silvia Hauer als Warwara. Selten hat man diese Rolle so gewichtig wahrgenommen.
Das Wiesbadener Staatsorchester klingt in blendender, selten so harmonischer Verfassung. Zsolt Hamar findet den richtigen Zugriff auf die Partitur, die er sachlich strukturiert, aber auch weit fließen lässt. Er betont die lyrische Seite weit mehr als üblich, lässt dadurch aber auch immer durchsichtig genug spielen und gibt so dieser Musik Atem und Raum.
Der Neue Merker, Christian Konz, 17.01.2016
Matthew Wild zeigt in seiner ersten Wiesbadener Regiearbeit eine erfrischend individuelle Handschrift, verlässt sich aber nicht bloß auf die faszinierend umgesetzte Idee einer unheimlich verdüsterten Variante des magischen Realismus, sondern zeigt auch in der Personenführung sicheres handwerkliches Können.
Neben dem plastisch herausgearbeiteten erzählerischen Hauptstrang gelingt dem Regisseur mit einer Fülle an unaufdringlich und nur scheinbar beiläufig arrangierten szenischen Details ein dichtes Porträt des sozialen Umfelds der Titelfigur. Die junge Slowenin Sabina Cvilak ist eine Idealbesetzung für die Titelpartie. Sie gewinnt ihrem lyrischen Sopran ein geradezu unendliche Fülle an Nuancen ab, lässt einen wunderbaren Sehnsuchtston erklingen und leise Töne zart schweben, verfügt aber zugleich über geradezu dramatische Wucht und markerschütternde Intensität in ihren Verzweiflungsmomenten. Kurz: diese Sängerin ist ein Ereignis. Selbst wer Janáceks Klangwelt reserviert gegenübersteht und ambitionierte Regietaten nicht schätzt, sollte sich dieses Rollenporträt nicht entgehen lassen. Dalia Schaechter gibt eine besonders kaltschnäuzige Kabanicha. Sie scheut sich nicht, ihrem Porträt des Schwiegermonsters hässliche und keifende Töne beizumischen, lässt ihre Darstellung aber nie zur Karikatur verkommen. Ihre Bühnenpräsenz ist so enorm, dass man über den Psychoterror, den sie gegenüber Sohn und Schwiegertochter ausübt, echte Empörung empfindet. Mit jugendlich-frischem, dabei wunderbar gerundetem Mezzosopran präsentiert sich Silvia Hauer als Kabanichas Pflegetochter Warwara.
Der Opernfreund.de, Michael Demel, 19.01.2016

Termine

WiederaufnahmeGROSSES HAUS19:30 - 21:10
WiederaufnahmeGROSSES HAUS19:30 - 21:10
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