Andrea Schmidt-Futterer

Bühne & Kostüme
Andrea Schmidt-Futterer, in Mannheim geboren, arbeitete von 1980 bis 1984 an der Schaubühne Berlin, 1986 ging sie als feste Kostümbildnerin an das Schauspielhaus Bochum, seit 1995 ist sie freischaffend tätig. Als Kostümbildnerin wirkte sie bei Produktionen von Regisseuren wie Claus Peymann, Andrea Breth, Pierre Audi, Jürgen Gosch, Frank-Patrick Steckel, Reinhild Hoffmann, Thomas Langhoff, Nikolaus Lehnhoff, Roland Aeschlimann, Lukas Hemleb und Leander Haussmann mit. 1991 setzte sie sich bei der Inszenierung von »Aus einem Totenhaus« (Janáček) am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel zum ersten Mal mit der Gattung Oper auseinander. Dieser Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Mussbach folgten viele weitere gemeinsame Produktionen. Mit Nicolas Brieger erarbeitete sie »Cardillac« in Frankfurt, »St Francois d'Ássisie« in San Francisco, »Salome« und »Die Tote Stadt« in Genf, »Krieg und Frieden« in Köln, »Amadis de Gaulle« in Mannheim, »Der fliegende Holländer« in Straßburg und »Mitridate« in Schwetzingen. Für Nicolas Briegers »Hamlet« am Hessischen Staatstheater entwarf sie das Kostümbild.

Produktionen

Kostüme in »Don Giovanni«
Kostüme in »Nathan der Weise«
Kostüme in »La Traviata«

Pressestimmen

Nachdem sich der aus einer anderen Zeit stammende Theatervorhang gehoben hat, erweckt Brieger seine wie aus einer anderen Welt erwachenden Figuren zum leben. Sein Ensemble spielt gewissermaßen auf unterschiedlichen Zeit- und Realitätsebene. Gegenwart, Zukunft, Theater- oder Spielebene sowie mahnende Geister. Die Kostüme von Andrea Schmidt-Futterer unterstreichen das: Stilisierte elisabethanische Kostüme sind ebenso zu sehen wie heutige (Politiker-)Anzüge. Wie die Truppe, mit der Hamlet Claudius entlarvt, zeigen Brieger und sein Team, was wohin führt. Da ist es nur konsequent, dass Christian Erdts Hamlet nicht in einen einzigen Ton und Gestus verfällt. Mal scheint er an der Welt verrückt zu werden, mal ist er ruhig und erwachsen. Was soll man auch tun, wenn die Welt ist, wie sie ist, schon so viele Menschen Hamlet gesehen haben und sich doch nichts ändert?
Frankfurter Neue Presse, Astrid Biesemeier, 08.09.2015
Ob eine so kleingewachsene, zartgliedrige Sängerin auf der Bühne würde bestehen können, das durfte man sich fragen – und konnte sich in Wiesbaden gleich eines Besseren belehren lassen: Die junge Amerikanerin Heather Engebretson, eine Schülerin von Edith Wiens an der New Yorker Juilliard School, weiss sich zu behaupten. Körperlich äusserst agil, wuselt sie durch die Männer in Gehrock und Zylinder, die mit ihren Stielaugen nicht genug von ihr bekommen können.

Minimalistische Inszenierung

Was aber an Stimme, selbst an Bruststimme, aus diesem zierlichen Körper heraustritt, ist von umwerfender Wirkung. Es deckt das ganze Ausdrucksspektrum in der Partie der Violetta ab, von der trotzigen Arroganz über das ungläubige Entdecken und den Frühling der Hingabe bis hin zur ultimativen Verzweiflung – da durfte gestaunt werden. – Ihr zur Seite steht der 1990 geborene Rumäne Ioan Hotea als Alfredo. Eine herrliche Stimme mit festem Kern und glanzvollen Obertönen, auf der Bühne zudem eine strahlende Erscheinung voll Kraft und Vitalität. Am Premierenabend trat aber auch die bei hohen Stimmen verbreitete Neigung heraus, die Intonation nach oben hin zu schärfen, was bisweilen geradezu schmerzhafte Verzerrungen zur Folge hatte. Dann jedoch: Alejandro Marco-Buhrmester als Alfredos Vater, ein keineswegs in die Jahre gekommener, in normativer Strenge und gesellschaftlicher Ambition verhärteter, sondern seinerseits noch ausgesprochen vitaler Giorgio Germont – wozu das helle Timbre dieses vorzüglich geführten Baritons das Seine beitrug.

Hart geraten Vater und Sohn aneinander, in einem erschreckenden Moment schlägt der Alte den Jungen mit dem Silberknauf seines eleganten Gehstocks nieder, im darauffolgenden Ringkampf wirft der Junge den Alten dann aber klar zu Boden – ohne dass das dem Drama freilich eine günstigere Entwicklung gesichert hätte.
So ist es in der minimalistischen, aber mit kräftigen Theatermetaphern arbeitende Inszenierung, die Nicolas Brieger entworfen hat. Sie siedelt „La Traviata“ im Hier und Jetzt an, wie es Verdi ausdrücklich gewollt hat – weshalb der Salon Violettas durch die Party-Szene von heute ersetzt ist, Stretchlimo, Kindsmissbrauch und Sadomaso inbegriffen. Die Landhaus-Idylle zu Beginn des zweiten Akts wird durch nichts als einen Stapel Gartenstühle angezeigt, ergänzt aber durch einen Himmel voller Seifenblasen, die so rasch platzen können, wie sich Alfredos und Violettas Traum ins Nichts auflöst. Eine Grossform der Seifenblase hängt den ganzen Abend lang über dem Geschehen; sie zeigt von Anfang an, Verdi hat das so komponiert, das Ende der Geschichte: Violetta kahlgeschoren, mit offenem Mund, zuckend am Tropf. Auf der kargen Bühne Raimund Bauers, in den expliziten Kostümen Andrea Schmidt-Futterers und in den scharfen Lichtwirkungen von Andreas Frank findet das alles schneidende, aber auch bewegende Wirkung.
Neue Zürcher Zeitung, Peter Hagmann, 09.03.2015