Oper

Tannhäuser

und der Sängerkrieg auf Wartburg
Große romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner (1813 – 1883) | Libretto: vom Komponisten
Uraufführung: 1845 in Dresden, 1861 in Paris
In deutscher Sprache.
Mit Übertiteln.
So, 27.05.2018
Internationale Maifestspiele 2018 | NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 21:00
Sabina Cvilak, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Jordanka Milkova
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan, Jordanka Milkova
Foto: Karl & Monika Forster
Stella An, Lance Ryan, Sabina Cvilak, Herrenchor
Foto: Karl & Monika Forster
Sabina Cvilak
Foto: Karl & Monika Forster
Sabina Cvilak, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Sabina Cvilak, Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Benjamin Russell
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan, Sabina Cvilak, Stella An
Solisten, Chor, Extrachor
Foto: Karl & Monika Forster
Solisten, Chor, Extrachor
Foto: Karl & Monika Forster
Sabina Cvilak
Foto: Karl & Monika Forster
Lance Ryan
Foto: Karl & Monika Forster
Solisten, Chor, Extrachor
Foto: Karl & Monika Forster
Christopher Bolduc
Foto: Karl & Monika Forster

Wagners Tannhäuser hat zwei Seelen in der Brust, er ist Faust verwandt. Ebenso mutig wie trotzig-­rebellisch sucht er nach Grenzüberschreitung, will aber als Künstler auch ein anerkanntes Mitglied der Wartburggesellschaft sein. Welcher Weg führt »zum Heil«, die Pilgerschaft nach Rom oder der Rückzug in den Venusberg? Braucht es mehr Anpassung oder mehr Rebellion – oder gehen wir gerade am jeweils eingeschlagenen Weg zugrunde? Für ihre »Tannhäuser«­-Konflikte scheint die Welt ein Wunder zu brauchen, damit der tote Priesterstab wieder Grün treiben kann.

PREMIERE 19. November 2017

Besetzung

Musikalische Leitung Patrick Lange
Inszenierung Uwe Eric Laufenberg
Bühne Rolf Glittenberg
Kostüme Marianne Glittenberg
Chor Albert Horne
Licht Andreas Frank
Dramaturgie Regine Palmai
Hermann, Landgraf von Thüringen Albert Pesendorfer
Tannhäuser Klaus Florian Vogt
Elisabeth Sabina Cvilak
Venus Jordanka Milkova
Wolfram von Eschenbach Markus Brück
Walther von der Vogelweide Aaron Cawley
Biterolf Thomas de Vries
Heinrich der Schreiber Joel Scott
Reimar von Zweter Alexander Knight
Ein junger Hirt Stella An
Vier Edelknaben Eunshil Jung, Hyerim Park, Isolde Ehinger, Daniela Rücker
Chor & Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressestimmen

"Tannhäuser" in Wiesbaden / Chancenloser Grenzgänger

Hier der erotische Sündenpfuhl, dort die fromme, reine Liebe: In der Oper "Tannhäuser" treten zwei Welten gegeneinander an, zwischen denen der Held zerrissen umherirrt. Die subtile Inszenierung amStaatstheater Wiesbaden verwebt die Gegensätze und zeigt ihre inneren Widersprüche auf.
Umrauscht von Klängen christlicher Jubelgesänge verschwindet Tannhäuser am Ende im diffusen weißen Nebel seiner Erlösungs-Illusionen. Zuvor war seine Liebe, Elisabeth, ins suizidale Dunkel des Selbstopfers gegangen. Nur einwehendes weißes Nachthemd bleibt von ihr zurück: Das bewusst fragwürdiggestaltete Finale dieses durch und durch fragwürdigen Wiesbadener Tannhäuser. Fragwürdig freilich in dem Sinne, dass Regisseur Uwe Eric Laufenberg mitfantastischen Sängern und großer Genauigkeit ganz unprätentiös das gesamteArsenal der Doppeldeutigkeiten, Ambivalenzen und inneren Widersprüche zurKenntlichkeit bringt.

Vom Rom-Pilger zum Höllenballett
Systematisch und vom ersten Moment an: Rom-Pilger, die eben noch andächtigeinem Papst-Video gelauscht hatten, springen aus den schwarzen Parkas undverwandeln sich, leichtgeschützt oder splitternackt, in ein lasziv posierendes Höllenballett auf dem Venusberg. Während das Video - die einzige mediale Unterstützung dieser Inszenierung - nun im Takt der Musik ein rasantes Pandämonium von Metamorphosen, Sprüngen und Mutationen biologischer, geologischer und kultureller Phänomene ausleuchtet. Im Schnelldurchlauf wird dort visualisiert, was keiner von Wagners Protagonisten zu erfassen fähig ist: dass die Welt nicht aus Schuld und Sühne, Fluch und Erlösung, Engeln und Teufeln, Schwarz und Weiß besteht, sondern einegemischte Gemengelage widersprüchlichster Art ist. Und das auch musikalisch: denn unter Patrick Langes Leitung entfalten Orchester und Sänger ebenfalls eine eher ungewohnte, geradezu ambivalente Klangvielfalt von dissonanten Reibungenüber kurze virtuose Eruptionen - bis zum Verlöschen. So dass zum Beispiel derzurückgenommene Venusberg-Rausch als von den Beteiligten selbstinszeniertes Kunstprodukt erscheint.

Zerrissene Klänge, rumorende Gefühle
Laufenbergs Regie orientiert sich, ebenso wie Patrick Langes Dirigat andiesen Vorgaben - werkgetreu im besten Sinn. Dieser Tannhäuser der zerrissenen Klänge, der rumorenden Gefühle und latenten Eruptionen ist nicht gegen den Strich gebürstet und er gibt auch nicht vor, in der Gegenwart zu spielen. Die Sängerhalle ist einfach eine Halle mit langen Bankreihen, in der das"Volk" in züchtigen, um Repräsentation bemühten Gewandungen selbstgerecht einher stolziert. Und der Venusberg ist nur eine Tanzfläche, aufder Tanzeleven posieren. Das genügt, um die beiden Welten zu markieren, diegegeneinander antreten: Hier der Venusberg, der verrufene erotische Sündenpfuhl. Dort die Welt um die blonde Elisabeth - in der Liebe viel mit Anbetung, nichts mit Sinnlichkeit zu tun hat. Schon die leiseste Berührung löst Skandalwogen aus. Dazwischen zwei chancenlose Grenzgänger. Elisabeth, eine in der gebotenen Sterilitäts-Maske gefangene Halb-Heilige. Und Tannhäuser, der mehr oder wenigerhilflos nach beiden Richtungen austeilt. Er strandet, von der Dauerlust gelangweilt und von der frommen Gesellschaft verfemt, im Niemandsland.

Kein Klamauk und keine Karikaturen
Lance Ryan, der gefeierte Wiesbadener Tannhäuser, manövriert sich virtuos indiese Doppelrolle hinein: Erst liefert er - kunstvoll lustlos - Venus ein Notbekenntnis zur freien Liebe ab. Dann versucht er, sich seiner merkwürdigstarren Geliebten Elisabeth anbetend zu nähern. Doch mehr als ein Lippenbekenntnis ist der zu Tode Domestizierten in Ihrer himmelblauen Marien-Robe nicht abzuringen. Beim Sängerwettbewerb fällt er dann so aus der Rolle, dass nur eine Pilgerfahrt ihn vor dem Zorn der anständigen Leute rettenkann. Später wird sich Elisabeth in eiskalter Einsamkeit zu Tode warten, der unerlöste Rom-Rückkehrer kommt zu spät. Da ist sie schon längst nackt in den Tod gegangen - wie andere zur Liebeslust. Eine hoffnungslose Welt aus sanftmütigen Hardlinern und kultivierten, Kunst-interessierten Fanatikern, die jede und jeden ausstoßen, der die Grenzen ihres Regelsystems auch nur berührt. Man muss die tödliche Rigidität gegenmoralisch bedenkliche Gefühle nicht im Islam suchen. Kein Klamauk, keine Karikaturen - subtile, präzise Nachzeichnungen einer zerrütteten Werte- und Gefühlswelt - in der wir unswieder erkennen können. Wenn wir mutig sind. In einer selten gehörten musikalischen Interpretation, die auf große Wagner’sche Effekte verzichtet und die Tiefenstruktur auch unserer ambivalenten Affekte ergründet.
Deutschlandfunk, Cornelie Ueding, 21.11.2017

Termine

NeuinszenierungGROSSES HAUS18:00 - 22:00
NeuinszenierungGROSSES HAUS18:00 - 22:00
NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 21:00
NeuinszenierungGROSSES HAUS18:30 - 22:30
NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 21:00
NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 21:00
Internationale Maifestspiele 2018 | NeuinszenierungGROSSES HAUS17:00 - 21:00
NeuinszenierungGROSSES HAUS18:00 - 22:00