Ingo Kerkhof

Regie
Regisseur für Oper und Schauspiel. Seit 2014 regelmäßige Arbeiten am Hessischen Staatstheater Wiesbaden in beiden Sparten; in der Oper »Orpheus und Eurydike«, »Alcina« und die Uraufführung »AGOTA?«, im Schauspiel »Baumeister Solness«, »Onkel Wanja« und »Eine Familie«, 2016.2017 »Hangmen« (Deutschsprachige Erstaufführung). Vermehrt Inszenierungen zeitgenössischer Werke: Alban Bergs »Wozzeck« (Oper Köln 2011); Wolfgang Rihms »Dionysos« (Heidelberg 2013); Salvatore Sciarrinos »Lohengrin« (Staatsoper im Schillertheater 2014) und Bruno Madernas »Satyricon« mit Studierenden der Universität der Künste Berlin (2016, Gastspiel Franz-Liszt-Musikakademie Budapest).
2016 Uraufführung von »Comeback« (Oscar Strasnoy) an der Staatsoper Berlin, dort auch »Amor vien dal destino« (Agostino Steffani), am Nationaltheater Mannheim »Idomeneo«. Regelmäßige Arbeiten an der Staatsoper Hannover (»L’Italiana in Algeri«, »La Calisto«, »Die Entführung aus dem Serail«, »Le nozze di Figaro«, »Ariadne auf Naxos« und »Eugen Onegin«). Darüber hinaus Inszenierungen in der Oper am Schlosstheater Potsdam und Prinzregententheater München, im Schauspiel u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, Landestheater Linz, Stadttheater Bern, Theater Neumarkt in Zürich und Düsseldorfer Schauspielhaus.
1997 Gründung des Ensemble »Kerkhof-Produktion«, Aufführungen für die Baracke des Deutschen Theaters Berlin, Theater am Halleschen Ufer Berlin, Berliner Sophiensæle, Forum Freies Theater in Düsseldorf, Einladungen zum Intercity-Festival in Florenz, Zürcher Theaterspektakel, Festival »Theater der Welt«.

Produktionen

Regie in »Die Möwe«

Pressestimmen

Letts weiß ganz genau, was ein gut konstruiertes Stück ausmacht. »August: Osage Country« ist ein Schauspielerstück, das wie geschmiert läuft, hat man es erst mal passend aufs Gleis gesetzt – mit den richtigen Leuten. Nun hat Ingo Kerkhof es am Staatstheater Wiesbaden inszeniert. Die Sache sitzt, sie ist unterhaltsam, sogar gute drei Stunden lang und könnte den ein oder anderen Blick in den eigenen Leichenkeller aufnötigen.
Die Königin des Hetzens ist, fraglos, Violet. Kerkhof findet im langjährigen Ensemblemitglied Monika Kroll eine so feinsinnige und bösartige Violet, wie man sie nur finden kann. Jeder verbale Schienbeintritt, jede biestige Pointe und auch die zarten Noten, mit denen dieses Mutter-Untier immer wieder Hoffnung sät, der kühle Intellekt, der zum Vorschein kommt, wenn sie genüsslich die Schwachheiten der anderen seziert samt dem Zwang, jahrelang neben einem vermeintlichen Genie existieren zu müssen, alles ist drin. Das Gute an Letts‘ Stück und Kerkhofs Inszenierung ist, dass es wirklich jeder Figur, wie in einem guten Orchesterstück, ihre Momente gibt. Das Ensemble geht darauf ein, vor allem Sólveig Arnarsdóttir, die als älteste Tochter Barbara in ihren Konflikten der Mutter immer schrecklicher zu ähneln beginnt, und Judith Bohle als herbe Ivy. Als dritte Tochter Karen verleiht Janina Schauer der Hohlköpfigkeit auf High Heels neue Dimensionen, von ihrem Steve (Uwe Kraus) über Benjamin Krämer-Jenster als Charles bis zu Elena Packhäuser als Teenager Jean spielt das ganze Ensemble so, dass es sehr viel Spaß macht, dieser Familienhölle zuzusehen.
Eva-Maria Magel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2015
(…) an die Antiken-Auslegung des Aufklärers (Lessing) muss man in der Wiesbadener Premiere von Glucks Oper denken, wenn Amor am Ende im schwarzen Anzug erscheint und dem in Trauer um seine Eurydike verzweifelten Orpheus, einen langen Liebes-Todeskuss, gibt. Eines von vielen eindringlichen, poetischen, mehrdeutigen Bildern, die aus Ingo Kerkhofs sehens- und hörenswerter Inszenierung in Erinnerung bleiben.
Die Mezzosopranistin Franziska Gottwald singt ihre Arie »Che farò senza Euridice« (»Was soll ich ohne Eurydike tun«) mit einer schlichten, natürlichen Intensität (…). Auch Heather Engebretson zeigt sich nach Verdis Violetta und Mozarts Konstanze wandlungsfähig (…).
Schon die Ouvertüre hat (mindestens) Gardiner-Drive, wobei sich das Staatsorchester offenbar so gerne von seinem Gastdirigenten mitreißen lässt wie das Publikum.
Wiesbadener Kurier, Volker Milch, 27.06.2015