Bolero / Nightbook
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Ballettabend mit Choreografien von Stephan Thoss
Musik von Maurice Ravel, Max Raabe, Ludovico Einaudi, Dmitri Schostakowitsch u.a.
Großes Haus
Aufführungsdauer 1 Stunden 30 Minuten. Eine Pause.
Zwei Werke von Stephan Thoss jetzt in neuer Zusammenstellung: ‚Bolero‘, das furiose Finale des Ballettabends ‚Das Auge der Welt‘ aus dem Jahr 2008, wurde frenetisch bejubelt und inzwischen mit Riesenerfolg auch am Landestheater Innsbruck einstudiert. Eröffnet wird der Abend mit ‚Nightbook‘, das im Herbst 2010 den Dreiteiler ‚Imago‘ komplettierte. Ein Wiedersehen mit zwei Höhepunkten aus dem Schaffen von Stephan Thoss als neuer Doppel-Ballettabend.
Bolero
Musik von Max Raabe und das Palastorchester und Maurice Ravel
Einen unwirklichen Blick entwirft die Choreografie zu Maurice Ravels Bolero – unzählige Male vertanzt und oft mit den ewig gleichen Bildern schwül-lasziver Erotik. Für Stephan Thoss ein Anreiz, leidenschaftliche Hingabe nicht schon wieder mit Jugendlichkeit und rassiger Schönheit zu assoziieren: Ruhig und idyllisch scheint die Welt der sechs älteren Damen zu sein, die sich da zum Kaffeekränzchen treffen. Nachdem ausführlich liebgewordenen Gewohnheiten gefrönt wurde, bringt sich die Damenrunde mit Petits Fours und Ravels Komposition in Stimmung und beweist dabei überraschende Beweglichkeit. Vom Rhythmus mitgerissen zeigen die älteren Damen – bis hin zum explosiven Finale – das ewig junge Ritual der Geburt der Bewegung aus dem Geist der Musik.
Nightbook
Musik von Ludovico Einaudi, Wojciech Kilar, Dmitri Schostakowitch u. a.
Choreografie, Bühne und KostümeStephan Thoss
Mit:
  Ballettensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
In der Uraufführung Nightbook beschäftigte sich Stephan Thoss mit dem äußerst spannenden Prozess der künstlerischen Inspiration und Kreation: Unterschiedlichste Assoziationen und Ideen kommen und gehen, stehen nebeneinander, prallen aufeinander oder verbinden sich zu Neuem. Die Bilder im Kopf eines Künstlers entfliehen bewusst der Alltagswelt, um ein neues, konzentriertes, alle Seiten der Fantasie entfesselndes Bild zu erzeugen – gleich einem Film, der mit Farben und Klängen die Sinne belebt und sich vom zweckgebundenen Denken sorglos befreit, um mit Lust in einen rätselhaften und mehrdeutigen Raum zu tauchen. So sieht man auf der Bühne geheimnisvoll maskierte Bilder in spielerischem Miteinander, aber auch in unerbittlichen tänzerischen Kämpfen. Zu Filmmusiken gelingt es dem Choreografen, unsere Träume plastisch abzubilden, auf der Bühne lebendig werden zu lassen und zum Fantasieren zu verführen.
Pressestimmen zu ‚Bolero‘
(im Rahmen des dreiteiligen Ballettabends Das Auge der Welt)

Die Tänzerinnen der Thoss-Compagnie zeigen sich hier als großartige Charakterisierungs-Künstlerinnen und werden, sobald Ravel die grauen Panther in den Seniorinnen entfesselt, in wilden Dehnungen, Streckungen und Konvulsionen gefordert. Danach setzt im Großen Haus ein wahrer Begeisterungssturm ein: ungetrübte Hochstimmung, Bravo- Rufe für die Compagnie und ihren Choreografen am Ende des dreiteiligen Abends (...). Ein Tanz- Gesamtkunstwerk von faszinierender Ästhetik.
Wiesbadener Kurier /Tagblatt, 20.10.2008

Dass der Ballettdirektor des Staatstheaters Wiesbaden Humor hat, bewies er schon in vorigen Arbeiten. Woraus er sich speist, ist auch in dem ‚Bolero’ für sechs Tänzerinnen zu sehen: Thoss hat einen ganz genauen Blick für die Gefühls- und Seelenzustände des Menschen, die sich durch seinen Körper übermitteln. Diese Äußerungen in Tanz zu verwandeln, geht bei Thoss stets mit großer, oft übergroßer Virtuosität einher, seine Tänzer müssen winzige, rasend schnelle Bewegungen ebenso hinbekommen wie geradezu aberwitzige Sprünge, und von alledem gibt es reichlich in den drei Teilen von ‚Das Auge der Welt’, getanzt von einem hervorragenden Ensemble. (...) Der hochverdiente Beifall für Thoss und seine Tänzer schien nach der Premiere gar nicht enden zu wollen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2008

An den Furor Thoss’scher Choreografien scheint sich das Wiesbadener Publikum nach und nach zu gewöhnen. Die Außerordentliches leistenden Tänzer hat es offenbar schon ins Herz geschlossen. (...) So ist es bei Thoss: Der Tanz scheint von den Körpern Besitz zu ergreifen, er formt und verformt sie. Er ist intensiv, anstrengend (immer für die Tänzer, bisweilen auch für das Publikum), er will verstehen und diesem Verständnis von der Welt Ausdruck geben. Mit ihm befindet sich Wiesbaden nun auch im 21. Jahrhundert.
Frankfurter Rundschau, 20.10.2008

Das ist das Bemerkenswerte an seinen [Stephan Thoss] Werken; sie schränken den Betrachter nicht ein, geben keine Interpretationen vor, sondern lassen Luft für eigene Gedankengänge. (...) Es geht um Träume, um jene Sphäre, die man schlecht erklären kann. Thoss versucht, diese Leerstelle zu bebildern. Ihr ein Gesicht zu verleihen. Bei ihm wird sie zu einer Sphäre, in der das Unmögliche möglich wird, aber auch das Grausame real. Dabei passiert nicht wirklich Aufsehenerregendes. Nur der Tanz, der langsam aber nachhaltig unter die Haut kriecht. Und sich im Herzen, im Kopf festsetzt. (...) Als Ausrufezeichen hinter den beiden nachdenklichen stimmenden, höchst lyrischen Stücken fungiert das letzte: Bolero. Eine grandiose Idee, den Ohrwurm mal anders zu inszenieren – und ein herrlich komischer Abschluss eines zutiefst ernsten Abends. Thoss versteht nicht nur etwas vom Tanzen. Er versteht auch viel von Menschen. Denn nur so lässt sich erklären, warum sein Abend weder kitschig, noch aufgesetzt wirkte. Sondern einfach nur intensiv spannend.
Main-Echo, 03.11.2008

Beifall, Jubel, Bravos für Thoss und seine Tänzer. Die sind aber auch von einer irren Präzision. Unglaublich beweglich, geschmeidig, artistisch, brillant. Was getanzt wird, ist witzig, geheimnisvoll, anspielungsreich, voller Geschichten.
Bild, 21.10.2008

Ganz anders kommt der zweite Teil des Ballettabends daher, der dem oft vertanzten ‚Bolero‘ von Maurice Ravel eine eigene, groteske Note abgewinnt. Da treffen sich sechs ältliche, leicht vergreiste Damen zu einem Kaffeekränzchen […] Diese von der Idee wie von der Präsentation her zündende Ballettstudie, die Thoss 1999 bereits in Kiel zur Aufführung brachte, begeisterte die Zuschauer auch in Darmstadt. Sie spendeten am Ende des Abends kräftigen, mit Bravos durchsetzten Applaus.
Darmstädter Echo

Ravels ‚Bolero’ macht die alten Herzen wieder jung! Bringt ihre Motoren auf Hochtouren und lässt das Sextett auf hinreißend-komische Weise rasant vor Augen führen, dass mit 66 Jahren (oder mehr) noch lange nicht Schluss ist, sondern man erst gerade so richtig in Schuss kommt! Nicht erotikbetont, lasziv und schwülstig wie zumeist, steht Ravels viel vertanzter ‚Bolero’ auf der Bühne des Großen Hauses, sondern einmal ganz anders: Von sechs jungen Tänzerinnen werden Verhaltens- und Bewegungsweisen ihrer Großmütter und deren diversen Zipperlein bis in die unscheinbarsten Details hinein auch schauspielerisch verblüffend echt nachempfunden! Erinnerungen steigen auf, glückliche, beseligende Momente – Energie und Willenskraft scheinen schier grenzenlos und lassen die Enthemmten wie von Geisterhand bewegt dem Kulminationspunkt zutreiben.
Giessener Zeitung 19.11.2008


Pressestimmen zu ‚Nightbook‘
(im Rahmen des dreiteiligen Ballettabends IMAGO)

Mit der Uraufführung am Ende des dreiteiligen Tanzabends ‚Imago‘ knüpft der Ballettdirektor des Wiesbadener Staatstheaters an Bilder und Techniken an, die seine Zuschauer von ihm kennen: Wieder inszeniert Thoss das Surreale in kurzen Szenenfolgen, was zu seinem ureigenen zeitgenössischen Ausdrucks-Tanzstil bestens passt. (…) Dass Thoss diesmal die Tempi etwas weniger überdreht und mit drei Ebenen arbeitet, steht ‚Nightbook‘ sehr gut.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2010

Im Gegensatz zu seinem Mainzer Kollegen hat Wiesbadens Ballettchef Stephan Thoss einen entschiedenen, einen fast unverwechselbaren Stil. Die Ecken und Kanten seiner Bewegungssprache, die Annäherung an die Groteske, das wiederum passt zum Interesse Thoss‘ an den Jahren des Expressionismus und des Ausdruckstanzes. (…) An expressionistische Filme jedenfalls lassen die Schwarz-Weiß-Schemen und Überblendungen denken, die Alpträumchen, die Thoss‘ ‚Nightbook‘ begleiten. (…) Die Bildfantasie des Wiesbadener Ballettchefs ist grenzenlos – manchmal so grenzenlos, dass die unterschiedlichen Einfälle sich ein wenig gegenseitig in den Schatten stellen. Dazu kommen verrückt-verspielte Kostüme (Thoss) und ein zügig wandelbares Bühnenbild (Thoss). Nicht zu vergessen die Musik, die der Choreograf zwar dann doch nicht selbst komponiert hat, mit deren Auswahl er aber nicht zum ersten Mal Originalität beweist: Ludovico Einaudi, Wojciech Kilar, Steve Jablonsky, Clinton Shorter, dazu Schostakowitsch und James Browns ‚It’s a man’s world‘. Dieses ‚Buch der Nacht‘ ist voll rätselhafter, wilder Träume. Das Ensemble tanzt sie gewohnt furios.
Frankfurter Rundschau, 01.11.2010

Ein bildhaft-praller Tanzabend voller Vergnügen am Sehen, Fühlen und Denken.
Frankfurter Neue Presse, 02.11.2010

Ballettdirektor Stephan Thoss hat seinen neuen dreiteiligen Abend ‚Imago‘ am Staatstheater Wiesbaden den surrealen Bilderwelten gewidmet, die keinen Moment der Langeweile aufkommen lassen. Thoss nähert sich alten wie neuen Stoffen bewusst ausschließlich mit den Mitteln des modernen Tanzes und hat inzwischen sein festes Publikum. (…) ‚Nightbook‘, seine von Schostakowitschs Musik gerahmte und im Staatstheater Wiesbaden erfolgreich uraufgeführte jüngste Schöpfung, bildet den dritten Teil des neuen Ballettabends ‚Imago‘. (...) Ina Brütting, die mit vollendeter Körperbeherrschung und überzeugender Gestaltung zu Beginn des Stücks wie zum Schluss mit einem großen Solo brilliert, wurde vom Premierenpublikum ebenso stark gefeiert wie Yuki Mori als personifizierter Schlaf und das mit atemberaubend exakten Dreh-, Sprung- und artistischen Bodenfiguren bestechende Corps de Ballet. Großer Beifall für eine reizvolle Tanzschöpfung, die die Alltagswelt vergessen macht und für ein paar Stunden ins grenzenlose Reich der Fantasie, der Träume, Wünsche und Hoffnungen eintauchen lässt.
Gießener Allgemeine Zeitung, 02.11.2010


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