Libretto von Hans Müller und Erik Charell nach dem Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg
Gesangstexte von Robert Gilbert Musikalische Einlagen von Robert Stolz, Bruno Granichstaedten und Robert Gilbert
Aufführungsdauer 3 Stunden. Eine Pause
Benatzkys große Revue-Operette zwischen alpenländischer Idylle, echt wienerischer Sentimentalität und Berliner Schwank.
‚Im weißen Rössl am Wolfgangsee' steht es bekanntlich vor der Tür: das Glück. Alle sind zufrieden bei Sommer und Sonnenschein, die blühende Bergidylle genießend. Nur Zahlkellner Leopold ist nicht ganz so glücklich, denn er ist unglücklich verliebt in seine Chefin, die ‚Rössl'-Wirtin Josepha Vogelhuber. Doch es gibt keine Zeit für sentimentale Träumereien, denn es ist Hochsaison. Alle sind aus ihren Städten gekommen, um am Wolfgangsee Urlaub zu machen: der ewig nörgelnde Fabrikant Giesecke mit seiner Tochter Ottilie, der immer wieder von der ‚Rössl'-Wirtin, aber weniger von Leopold gern gesehene Stammgast Dr. Siedler und auch der sparsame Prof. Hinzelmann mit seiner Tochter Klärchen. Zu allem Überfluss taucht auch noch später Sigismund Sülzheimer auf, der Sohn von Gieseckes größtem Geschäftskonkurrenten. Die ‚Rössl'-Wirtin hat alle Hände voll zu tun – mit den verwöhnten Gästen, dem Piccolo, dem kuh-äugigen Leopold und schließlich auch noch mit Seiner Majestät, dem Kaiser, der just in ihrem Hause zu logieren wünscht.
Benatzky hat mit seiner großen Revue-Operette ein Meisterwerk der gutgelaunten, gehobenen Unterhaltung geschaffen. Komik, Nostalgie und Lebensfreude geben sich ein Stelldichein. Melodien wie ‚Zuschau’n kann i net’ , ‚Die ganze Welt ist himmelblau’ oder nicht zuletzt die schmissige Titelmelodie sind längst zu Evergreens geworden.
‚Es war sehr schön’, sagt Kaiser Franz Josef in seiner schlichten Art zum guten Schluss, und da muss es ja wohl wahr sein. Für die Neuinszenierung der als Singspiel bezeichneten Revue-Operette ‚Im Weißen Rössl’ von Ralph Benatzky hat Bühnenbildner Mattias Müller eine Postkartenidylle auf die Bühne des Staatstheaters Wiesbaden gezaubert. (...) Hinter allem lauert ein Schuss Ironie, und Ansgar Weigner tut bei seinem gelungenen Regie-Debüt das Seine, um den schönen Schein zu hinterfragen – ganz im Sinn der Autoren um Benatzky, (...). Dem Regisseur sind viele Gags eingefallen, die für Kurzweil sorgen. (...) Zweiter Kapellmeister Cornelius Heine heizt die Walzer-, Tango- und Foxtrottrhythmen mit dem gut aufgelegten Orchester kräftig an und hat auch ein Händchen für die einschmeichelnden Töne. Die Sopranistin Angela Mehling, treffsicher bei Stimme, grazil im Agieren, stellt eine fesche Rössl-Wirtin auf die Bretter. Kellner Leopold wird von Thomas de Vries prägnant verkörpert, mit schlankem Tenor und einer zwischen Ernst und Komik ausbalancierten Charakterisierung. Eine besonders gelungene Studie liefert Zygmunt Apostol als seniler Kaiser Franz Josef, der in seinem Schwan schnarchend eintrifft. Der Beifall für das Ensemble, in dem neben weiteren Solisten der Theaterchor, der Jugendchor, eine stattliche Statisterie und ein Extra-Ballett mitwirken, war bei der Premiere nach drei Stunden Spieldauer einhellig und geradezu überwältigend.
Darmstädter Echo, 14.11.2006
Für sein Regiedebüt hat jetzt der um ironische Brechungen nicht verlegenene Jungmeister Ansgar Weigner am Staatstheater Wiesbaden dass Singspiel ‚Im Weißen Rössel’ von Ralph Benatzky heraus- und dabei das Kunststück fertiggebracht, Tiefenschichten einzuziehen, ohne den Komödienton anzutasten. (...) Weigner setzt seine Pointen sehr dicht und zielsicher und erhält dabei optimale Unterstützung von dem in launiger Bestform aufspielenden Staatsorchester unter der Leitung von Markus Heine. [...] Der von Zygmunt Apostol mit phantastischer Tüdeligkeit gegebene Patriarch... (...). Chor, Jugendchor, Statisterie und Extra-Ballett des Staatstheaters (...) dürfen sich alle über den vielleicht ausgelassensten Premierenapplaus der vergangenen Jahre freuen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2006
Alles sieht von preußischer Novemberwarte aus immens sommerlich und Österreichisch aus. (...) Vor Ort jodelt Ulrike Gubisch wacker und verbreitet (...) musikalischen Glanz. (...) An seiner Seite zwitschert die Vogelhuberin Angela Mehling, bei der man noch lernen kann, was fesch ist. Kaiser Franz Josef wird natürlich vom Zygmunt Apostol rührend in seiner Greisenhaftigkeit gespielt. (...) ‚Das Leben ist kein Wunschkonzert!’ Jawohl, aber das Theater, das ist manchmal nah dran.
Frankfurter Rundschau, 14.11.2006
Wenn man nach der Begeisterung des Premierenpublikums urteilt, hat auch die Inszenierung des jungen Regisseurs Ansgar Weigner das Zeug zur Kult-Vorstellung.(...) Das sind wirklich gut gemachte Gags, erfreulich niedrig bleibt dagegen die Kalauer-Dichte. Die erste der drei Premieren-Stunden ist noch nicht vorbei, als das Publikum zu den ersten begleitenden Klatschmärschen ansetzt. Der senile Kaiser Fran Joseph (eine Paraderolle für Zygmunt Apostol), (...). Insgesamt ist Weigner ein an Tempo, schnellen Szenenwechseln und durchweg fein ausgearbeiteten humoristischen Details reiches Debüt auf der Bühne des Großen Hauses gelungen. Mit der glockenhellen Angela Mehling als Rösselwirtin, dem operettentenoral ideal timbrierten Carsten Süß (...) und dem baritonal geradezu quirligen Thomas de Vries als Zahlkellner Leopold erlebt man (...) vorzügliche Sing-Schauspieler.
Wiesbadener Kurier, 13.11.2006