Andererseits

Magazin des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
»›Andererseits‹ heißt unser Theatermagazin. Denn einerseits schöpfen wir als Theater aus den großen literarischen Stoffen, andererseits aber auch aus dem (Stadt-)Leben selbst. Deshalb wollen wir in unserem Magazin querschauen, Seitensprünge wagen, über Schultern blicken, sehen, was auf einem anderen Blatt steht – kurz gesagt: neue Perspektiven ermöglichen auf Wiesbaden, die Wiesbadenerinnen & Wiesbadener und unser Theater.« Uwe Eric Laufenberg (Intendant)
Laden Sie hier die bisher erschienen Ausgaben herunter! Das Magazin liegt außerdem an vielen Orten in der Region und natürlich im Großen und Kleinen Haus sowie in der Wartburg aus.
Andererseits N° 07: Einzelgänger

»Es ist die alte Wahrheit: Ohne das Fremde existiert nicht das Eigene. Zusammen allein ist traurig, allein zusammen einfach nur deprimierend, wie die Pilger-Verklumpung auf dem Jakobsweg ahnen lässt. Bitte, bitte, denkt an Henry David Thoreau und seine Zeit im Wald: Er selbst gab verwundert zu, dass er dort mehr Besucher empfing, als je zuvor in der Stadt. Einsamkeit zieht die Meute an. Das bezeugt jedes im Massentourismus erstickte Fischerdörfchen nur zu resigniert.«

Aus dem Vorwort von Till Schröder, Redaktion »andererseits« (gekürzt)
Andererseits N° 06: Legenden

»1990 West-Wahlkampftour für die PDS, Konzerte in 20 Städten, auch in der hessischen Landeshauptstadt. Willy Wagner (Bassist bei »Shockheaded Peter«) und ich waren in der Band von Rio Reiser, nannten uns »die Schergen«, weil wir ja bezahlte Mucker waren, im Gegensatz zu den »Scherben«. Die waren richtige Hausbesetzer, konnten aber nicht so gut spielen – meinten jedenfalls wir.«

»Mit Hape Kerkeling war ich in der Rhein-Main-Halle. Da fällt mir natürlich der Name Heinz Schenk ein, ein Wiesbadener Original. Hape und Marlene Jaschke hatten einen gemeinsamen Manager, Amo Müller, ein Füllhorn an Geschichten aus der Unterhaltungsbranche: Fahrer bei Zarah Leander, Tour mit Heinz Erhard und eben Heinz Schenk. Wohl ein schwieriger Charakter: »Herr Miller, so kann isch nischt arbeide«. Hape hatte Heinz in seinem Film »Kein Pardon« dabei, da spielte er quasi sich selbst. Und im Laufe der fünf Jahre, die ich mit Hape getourt bin, mutierte dieser zu Heinz Schenk und die ganze Tourneetruppe sprach nur noch Hessisch – ein schwieriger Dialekt…«

Aus dem Vorwort von Volker Griepenstroh, Musikalische Leitung in »Shockheaded Peter« (gekürzt)
Andererseits N° 05: Mut

»Es ist Anfang Oktober, frisch, aber sonnig am Genfer See und ich laufe beim Lausanner Marathon mit. Kilometer 26 ist kurz vor mir. Der Lausanner Marathon ist keine Massenveranstaltung und spätestens ab Kilometer 21 bist du so allein, wie man nur beim Laufen allein sein kann. Der Körper gibt klare Signale, dass er nicht mehr will. Es geht durch Weinberge ständig bergauf und bergab. In der Ferne sehe ich eine junge Frau auf einer Hügelspitze sitzen. Sie spielt Chansons auf einem Schifferklavier. Ich werde langsamer und schaue ihr direkt ins Gesicht und sie sagt einfach nur: Courage, Courage, Courage. Und es ist einer dieser Momente, der dich den Rest deines Lebens nicht mehr in Ruhe lässt.«

»Mein Leben ist eine einzige Berg- und Talfahrt und nicht selten bin ich mutlos. Doch da gibt es immer diese eine Frauenstimme, die mir Courage zuruft. Das Leben ist nichts für Feiglinge und ich wünsche jedem ein Stück mehr Mut, Tag für Tag. Und unserem Hessischen Staatstheater Wiesbaden rufe ich gern zu: noch mehr Mut: Ihr könnt das!«

Aus dem Vorwort von Holger Schwedler, Betreiber der Wingert Vinothek (gekürzt)
Andererseits №04: Fremde

»Das Theater ist ein pulsierender Beweis für die Diversität und den Reichtum, den Ausländer in ein Land bringen können. An dem Wort »Ausländer« hängen zahlreiche Bedeutungen, gerade jetzt, wo tausende Menschen in Deutschland willkommen geheißen werden, die von »außen« kommen, auf der Suche nach Schutz und besseren Lebensbedingungen.«

»Was bedeutet denn Heimat für einen Ausländer? Vor sechs Jahren wurde ich Ausländerin. Die Wahrheit ist, dass ich mich auch hier zuhause fühle. Als wäre ich heimisch in zwei sehr unterschiedlichen Welten. Selbst der oder die Abenteuerlustigste von uns sehnt sich nach Geborgenheit und Vertrautheit. Innerhalb der letzten Jahre, in denen ich fern von Puerto Rico gelebt habe, habe ich mir ein Zuhause in verschiedenen kleinen Wohnungen geschaffen. Ganz nach dem Sprichwort »home is where the heart is« glaube ich, dass zuhause dort ist, wo das Herz seinen Rhythmus findet. Unterschiedliche Orte, unterschiedliche Rhythmen, aber dasselbe Instrument. Tanzen hat mich mit Sinn erfüllt.«

Aus dem Vorwort von Claudia Ortiz Arraiza, Tänzerin im Hessischen Staatsballett (gekürzt)
Andererseits №03: Familie

»Ersehnter Rückzugsort häuslicher Gemeinschaft und vorbehaltloser Liebe, Keimzelle neurotischer Störungen und dysfunktionaler Beziehungen oder sogar ein Ort des Schreckens und der Gewalt. Alles Gesellschaftliche findet hier, im Privatesten, seinen Anfang und kehrt in seinen Auswirkungen unweigerlich dorthin zurück.« So wird Familie im aktuellen Spielzeitheft beschrieben. Auch in der dritten Ausgabe des Magazins »Andererseits« steht die Familie im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um die Stücke der Schauspielsparte, die vom Thema Familie ausgehend einen spannenden Spielplan vorweisen kann, sondern auch um Oper für die ganze Familie (»Hänsel und Gretel«), die sich täuschend ähnlich sehenden jungen Darstellerinnen aus »Das doppelte Lottchen« und die Showfamilie der Geschwister Pfister, die im Interview vom gemeinsamen Tourleben berichten. Mit dabei sind natürlich auch wieder ungewöhnliche Einblicke ins Theaterleben, Fotostrecken und jede Menge mehr.
Andererseits №02: Lebensmittel

»›Brot und Rosen‹ – diesen Slogan prägte 1911 eine amerikanische Gewerkschafterin: arbeitende Frauen, sagte Rose (!) Schneiderman, brauchten nicht nur Brot, sie brauchten auch Rosen – das heißt: Schönheit. Musik, Theater, Literatur, Bilder – das ist Schönheit, auch wenn uns nicht immer alles gleich gut gefällt. Denken wir es aber weg, wird die Welt trostlos. Unsere Wurzeln sind dort, wo der Mensch malt, schreibt, singt, auf der Flöte spielt. Kunst ist, wie alles in der Welt des Hammers, zum Kommerzobjekt geworden, sie soll sich auszahlen. Aber jeder Einzelne sollte bedenken: Für mich persönlich ist Kunst nicht Handelsware, sondern Lebensmittel. Und wenn wir alle so damit umgehen und unsere Theater, Opernhäuser, Museen nicht leer werden lassen, dann haben wir beides: Brot und Rosen.«

Elke Heidenreich (Vorwort)
Anderseits №01: Träume

Das erste Heft ist den Träumen gewidmet – und natürlich ihrer Kehrseite: den Ängsten. Inspiriert vom Motto des Schauspiels in der Spielzeit 2014.2015 »Die Träume der Armen und Reichen« haben wir uns auf Spurensuche begeben.