Wiesbaden Biennale 2016

Neues Konzept für das traditionsreiche Festival
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Rose-Lore Scholz, Wiesbadens Kulturdezernentin, der Hessische Kunstminister Boris Rhein (von rechts) & Schauspielleiterin Andrea Vilter mit Intendant Uwe Eric Laufenberg

Dialog moderner europäischer Künstler

Wiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein erklärte auf einer Pressekonferenz des Hessischen Staatstheaters am 2. Juli 2014, dass die Theater-Biennale in Wiesbaden fortgesetzt wird. Unter dem Titel WIESBADEN BIENNALE rückt die neue künstlerische Leitung ab 2016 Europa ebenso in den Mittelpunkt wie die Hessische Landeshauptstadt und die Metropolregion Frankfurt/RheinMain. Damit setzt der neue Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, den von seinem Vorgänger eingeschlagenen Weg auf neuer konzeptioneller Grundlage konsequent fort.
 
Kunstminister Boris Rhein: »Ich bin Intendant Laufenberg sehr dankbar, dass er die Fortsetzung eines der einflussreichsten internationalen Festivals in Deutschland plant. Im Sommer 2016 wird das Hessische Staatstheater Wiesbaden mit der WIESBADEN BIENNALE erstmals zum Gastgeber eines spannenden Dialogs junger europäischer Künstler.«
 
Intendant Laufenberg hat mit Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer zwei junge Kuratoren mit der künstlerischen Neuausrichtung und Programmgestaltung beauftragt, die das traditionsreiche Festival als Ort europäischer Narration neu entwerfen. Schauspielleiterin Andrea Vilter ergänzt das Leitungsteam.
 
»Die WIESBADEN BIENNALE 2016 wird das Festival einer neuen Generation europäischer Künstler, die international vernetzt für ein Publikum in ganz Europa arbeiten und auf unterschiedlichste Weise zu Autoren ihrer Werke und Texte werden. Europa und die Frage nach einer europäischen Identität werden im Zentrum der theatralen Erkundungen unseres Festivals stehen, bei dem Wiesbaden als traditionsreicher Rekreationsort zum Gastgeber einer künstlerischen Frischzellenkur für müde Europäer wird«, erläuterte Intendant Uwe Eric Laufenberg das neue Konzept.
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Die neuen Biennale-Kuratoren Maria Magdalena Ludewig & Martin Hammer mit Andrea Vilter & Uwe Eric Laufenberg auf dem Podium der Pressekonferenz
Wie werden wir zu Urhebern unserer eigenen Geschichten im digitalen Zeitalter? Was macht heute jemanden zum Autor eines Textes? Und was macht ›Europa‹ aus, jenseits von Euro, Gurkenkrümmung und offenen Grenzen? Brauchen wir eine neue europäische Identität, um auf die dringlichsten Probleme unserer Zeit reagieren zu können? Eine neue europäische Erzählung? Diese Fragen stehen künftig im Zentrum der künstlerischen Arbeiten, die das Festival als Gastspiele, Neu- und Koproduktionen zeigen wird. Autorenschaft steht somit nicht nur als künstlerische Arbeitspraxis im Zentrum des Festivals, sondern auch als hinterfragbares Konzept.
 
Nach wie vor sind während der WIESBADEN BIENNALE Neuproduktionen aus dem europäischen Ausland zu sehen. Darüber hinaus plant das Festivalteam unterschiedlichste Möglichkeiten zu nutzen, die sich heute im zusammenwachsenden Europa bieten, um über die Nationalgrenzen hinweg gemeinsame Produktion zu initiieren. In enger Kooperation mit ausgewählten Künstlern aus verschiedenen europäischen Produktionsstätten soll über die nächsten zwei Jahre ein Netzwerk wachsen, das mit Uraufführungen und Neuproduktionen während des Festivals Akzente setzt.
 
»Anstelle einer Sammlung neuer Stücke soll mit der WIESBADEN BIENNALE ein Resonanzraum thematisch und formal aufeinander Bezug nehmender künstlerischer Arbeiten entstehen. Durch die kontinuierliche Arbeit von internationalen Künstlern vor Ort schaffen wir einen nachhaltigen Dialog zwischen Stadt, Kunst und Bürgern, der seinen Höhepunkt in zehn Tagen Fest und Festival findet«, erläuterte Kunstminister Boris Rhein.
 
»Es ist schön, dass die aktuelle Theaterszene aus Europa in Wiesbaden ihren festen Platz behält. Auf das im Konzept von Herrn Laufenberg vorgesehene Hineinwirken in die Stadt und die Region freue ich mich«, ergänzte die Wiesbadener Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz abschließend.
Hintergrundinformationen
 
Maria Magdalena Ludewig, geboren 1982 in Lübeck, studierte Philosophie in Hamburg und Berlin, sowie Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Sie arbeitet als freie Produzentin sowie als Regisseurin und inszenierte u.a. am Hamburger Schauspielhaus, an den Sophiensaelen Berlin, am Radialsystem Berlin, am Festspielhaus Hellerau, am Theater Heilbronn, am Thalia Theater Halle, und seit 2007 regelmäßig auf Kampnagel Hamburg. Ihre Produktionen waren zu zahlreichen Gastspielen und Festivals in Frankfurt, Magdeburg, Berlin und New York eingeladen und basieren meist auf Recherchen, die in unterschiedlicher Form verarbeitet wurden. Zusammen mit der Gruppe anschlaege.de entwickelte sie 2007 das interaktive Community-Video Projekt »barmbek.tv«. Mit dem 2008 gegründeten Produktionslabel »Union Universal« entstanden die Projekte: »Perspektive Hamburg« (2008), »Dreamdolls« (2009), »Mutterglück« (2010), »Dem Weggehen zugewandt« (2013, in Kooperation mit dem Solistenensemble Kaleidoskop) und »Born Rich« (2014).
 
2009.2010 war sie Stipendiatin von »Format-Neue Wege in der Kultur« des Thalia Theaters Halle und der Deutschen Bank Stiftung. Als Produzentin arbeitet sie seit 2011 für interdisziplinäre Projekte wie »Neither« (Radialsystem/Berlin, Hellerau/Dresden) und »Hunger for Trade« (Schauspielhaus Hamburg 2013.2014).
 
 
Martin Hammer, geboren 1981 bei Hamburg, studierte Theater- und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, an der Theaterakademie Hamburg und an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig. Er arbeitet als freier Dramaturg und gründete mit Maria Magdalena Ludewig 2008 das Produktionslabel »Union Universal«. Gemeinsam entwickelten sie Projekte zwischen Stadtraum, Theaterbühne und performativer Intervention, die u. a. auf Kampnagel Hamburg, im Radialsystem Berlin, im Festspielhaus Hellerau und im Mousonturm Frankfurt gezeigt wurden. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn außerdem mit den Regisseurinnen Alice Buddeberg und Julia Hölscher. Für ihre gemeinsame Arbeit »Match Factory Girl« nach Kaurismäki, erhielten sie 2007 den Preis des Körber Studios Junge Regie. Eingeladen vom Goethe-Institut arbeitete Martin Hammer zudem im Jahr 2009 am »Theatre of Uzbekistan« in Taschkent.

Engagements als freier Dramaturg führten ihn u.a. ans Thalia Theater Hamburg, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Theater Bonn, Staatstheater Oldenburg, Hans Otto Theater Potsdam, Theater Freiburg, an die Münchner Kammerspiele und an die Oper Bielefeld.