Aufführungsdauer: 3 Stunden. Eine Pause
Die politische Atmosphäre in Rom ist gespannt. Die Anhänger Napoléons haben vergeblich einen Putschversuch unternommen. Der Maler Cavaradossi, der in der Kirche St. Andrea della Valle an Altarbildern arbeitet, bietet dem Flüchtling Angelotti seine Hilfe an. Die Kirche wird zum Tatort, als man die Flucht Angelottis aus dem Gefängnis entdeckt. Der Künstler wird zum politisch Hauptverdächtigen, gegen den Roms brutaler Polizeichef Scarpia ermittelt. Die Sängerin Floria Tosca kämpft um das Leben ihres Geliebten Cavaradossi, enthüllt aber nur eine grausame Wirklichkeit. Die sich wie ein Thriller entfaltende Handlung von Sardous und Puccinis ,Tosca’ ereignet sich in einem realhistorischen Moment: nur wenige Stunden nach der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800, als Napoléon die Habsburger besiegte. Die von Idealen und Glücksphantasien erfüllte Liebe zwischen der Sängerin Tosca und dem Maler Cavaradossi kollidiert mit der politischen Realität des Kampfes zwischen Royalisten und Republikanern.
Sandra Leupold gehört zu den spannendsten Opernregisseurinnen ihrer Generation. Sie studierte Opernregie unter anderem bei Ruth Berghaus und Peter Konwitschny. Ihre Inszenierung von ,Don Giovanni’ in der Berliner Kulturbrauerei wurde zur ,Besten Produktion des Jahres 2001’ und Sandra Leupold dafür von der Zeitschrift ,Opernwelt’ zur ,Nachwuchskünstlerin des Jahres’ nominiert. Sie inszenierte außerdem u.a. an der Deutschen Oper Berlin, der Semperoper Dresden, in Freiburg, Mainz, Lübeck, Heidelberg sowie in Eisenach und Chur.
Im Orchestergraben formuliert Generalmusikdirektor Marc Piollet eine glühende Liebeserklärung an Puccini. Das man diese Produktion (...), aber auf jeden Fall gehört haben sollte, ist auch einer vorzüglichen Besetzung zu verdanken: Der junge Tenor Alfred Kim verbindet Kraft mit geschmeidigem Timbre; Gast-Tosca Janice Dixon ist nicht nur stark im dramatischen Aufschwung, sondern auch in den lyrischen Zwischentönen. Krister St. Hill, ebenfalls ein Gast, überzeugt als eminent schön gestaltender Scarpia: weniger baritonaler Finsterling als verführerischer Beau, der mit Tosca ein sadomasochistisches Spielchen treibt.
Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 10.09.2007
Gut wieder der von Christoph Hilmer zuverlässig einstudierte Chor, brillant das von GMD Marc Piollet souverän dirigierte Staatsorchester, das mit sich steigernder Dramatik in den Verzweiflungsausbrüchen, schneidender Härte und großer Feinfühligkeit in den stark zurückgenommenen kammermusikalischen Passagen bestach und vom Publikum zurecht gefeiert wurde.
Rhein-Zeitung, 12.09.2007
Die Amerikanerin Janice Dixon singt und spielt mit hohem, dramatischem Sopran eine facettenreiche, flexible Tosca.
Brillant das von Marc Piollet souverän dirigierte, zu Recht gefeierte Staatsorchester.
Hessen Nassauische Allgemeine Kassel, 11.09.2007
Marc Piollet setzte gleich mächtig an und fand zumal in den dunklen, sehnsuchtsvoll-depressiven Passagen der Partitur eine unparfümierte Gewichtigkeit, die an keiner Stelle den Genuss des Puccini-Melos trübte. Krister St. Hill war ein alerter, ironisch-süffisanter, Trophäensammler und -genießer, dem man die Kälte in all ihrer Smartness unbedingt abnahm. Auch stimmlich war das erstklassig, so leicht und geschmeidig wie er sang. Ebenso beeindruckend war der Tenor Alfred Kim als Caravadossi. Die Tosca von Janice Dixon bot eine weiche, volumenreiche und dunkle Stimme, die, (...), strahlend auch in der Höhe war.
Frankfurter Rundschau, 10.09.2007
Zur Spielzeiteröffnung hat Wiesbaden zwei Gäste aufgeboten. Janice Dixon, vor Jahren auch in Darmstadt und Mannheim im Ensemble, gibt mit dunkelgetönter Stimme ihrer Tosca die dramatische Intensität bis zur lodernden Emotion des Aufschreis. Der schwedische Bariton Krister St. Hill entwickelt Scarpia als von seinen Lüsten getriebenen Zyniker mit imponierender Stimmgewalt und flexiblen Zwischentönen. Alfred Kim ist ein Cavaradossi mit metallischer Strahlkraft in den Spitzentönen. Herausragend sind die Nebenfiguren gezeichnet: Erik Biegel zeigt einen wieselhaft behenden Spürhund Spoletta, Axel Wagner einen proletenhaft polternden Mesner. Hye-Soo Sonn ist ausdrucksstark als Flüchtling Angelotti.
Ausgefeilt breitet Marc Piollet die Partitur aus, achtet auf kleinste rhythmische Belebungen, das Geflecht der instrumentalen Nebenstimmen bis zu den großen emotionalen Steigerungen. Für das Sängerfest gab es frenetischen Beifall.
Darmstädter-Echo, 10.09.2007
Was lohnt, diese Wiesbadener ‚Tosca’ zu erleben, ist ihre musikalische Seite: Marc Piollet lässt das Hessische Staatsorchester im Lauf der Premiere von Solidität zu Suggestivität wachsen.
Offenbach Post, 12.09.2007
Zum Highlight des Abends gerät das grandiose Bühnenbild. (...) Tom Muschs Entwurf ist eine Mischung aus riesiger Sakralbau-Apsis und Rangtheater. (...) Generalmusikdirektor Marc Piollet dirigiert mit konzentrierter Verve (...) Während Toscas von Selbstzweifeln bestimmtem Bekenntnis ‚Vissi d'arte’ scheint die Zeit stillzustehen, der Lyrismus dieser expansiven Kantilene wird gebührend ausgekostet. (...) Der Tenor Alfred Kim singt mit Schmelz und Stehvermögen bis ins höchste Stimmregister (...). (...) Janice Dixon verfügt neben lodernder Intensität auch über die Fähigkeit lyrischer Entrückung. Krister St. Hill liefert die überzeugendste Charakterstudie des Abends. Sein Scarpia ist ein eiskalter Engel mit der Verführugskraft eines Don Giovannis. (...) Am Ende gibt's begeisterten Beifall für die Sänger und den Dirigenten (...).
Frankfurter Neue Presse, 11.09.2007
(...) bei den Sängern, die bei der Premiere mit Applaus und Bravorufen überschüttet wurden. Die Sopranistin Janice Dixon als Tosca überstrahlte in jeglicher Hinsicht viele Kollegen. So und nicht anders hat sich Puccini diesen kostbaren Moment zwischen höchster Verzweiflung und aufkeimender Hoffnung sicher vorgestellt – und Dixon setzte ihn nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch noch mit einer Mühelosigkeit um, die staunen machte. Ihr ebenbürtig war der Tenor Alfred Kim als ihr geliebter Mario Cavardossi, Spielend meisterte der Sänger, der fest zum Wiesbadener Ensemble zählt, die mit stimmlichen Höhepunkten gespickte Partie,(...). Stimmlich präsent war auch Krister St. Hill als Baron Scarpia, der der Partie des kriminellen, mafiösen und korrupten Polizeichefs von Rom eine fein-ätzende Schärfe verleiht.
Main-Echo, 12.09.2007
‚Tosca’ von Giacomo Puccini auf der Wiesbadener Opernbühne verdient endlich einmal wieder das Prädikat ‚große Oper’. (...) Musik und Sänger faszinieren mit der dicht und stimmig geführten Inszenierung von Sandra Leupold (...). Und obwohl die Regisseurin die Oper im historischen Kontext belässt, wirkt die Thematik von Folter und Erpressung, mit der Toscas reine Seele und schließlich ihr konsequenter Selbstmord kontrastieren, aktuell und spannend. (...) Puccinis Musik wird von einem glänzend aufgelegten Orchester zum wahren Klangsturm, und die Sänger geben ihr Bestes. Allen voran die grandiose Janice Dixon in der Hauptrolle (...). (...) Ein interessanter Opernabend, der den Wohlklang der Musik mit dem düsteren Folter-Thema effektvoll kontrastiert (...).
Erbenheimer Anzeiger, 2. November 2007