Peter Handke: Kaspar
Eine Produktion der Hessischen Theaterakademie in Kooperation mit dem Staatstheater Wiesbaden
Freitag, den 05.02.2010, 20.00 Uhr
Wartburg
Bühne und Kostüme
Teresa Rinn
Sounddesign
Bastian Zimmermann
Dramaturgie
Georg Mellert
Mit:
Ein Mensch kommt auf die Bühne, halb Clown, halb Kind. Zu Beginn unartikuliert, grotesk, ‚pudelnärrisch‘, wird er von anonymen ‚Einsagern‘ durch Sprechfolterung selbst zum Sprechen gebracht. Standardisierte Sprachmuster, Alltagsweisheiten und Moralvorstellungen machen aus ihm ein Individuum, das ordentlich ‚Ich‘ sagen kann und seine Kleidung nie falsch knöpft. Er kann sich repräsentieren, kann sich bemerkbar machen, doch der Disziplinierungsprozess, den er durchlaufen hat, kostet ihn auch die Freiheit, anders zu sein: ungeschlacht und sensibel, roh und poetisch.
Peter Handkes Kaspar unterzieht unsere Vorstellungen von Individualität einer scharfen Kritik: nicht Eigenständigkeit, sondern Leben in vorgegebenen Formen wird von der Gesellschaft belohnt. Was Kaspar auf der Bühne durchmacht, findet tagtäglich statt: sich Anpassen, den anderen aufs Maul schauen um ihnen danach zu reden, sich gleichzeitig selbst behaupten und selbst verleugnen. Auf Facebook-Profilen und in Reality-Shows wird die Frage ‚Wer bin ich?‘ durch Blättern in einem Katalog vordefinierter Charaktereigenschaften beantwortbar.
Veit Kassels Adaption von Handkes modernem Klassiker gibt dem gesellschaftlichen Anpassungsdruck ein Gesicht. Vier Darsteller – ein Gebärdensprachler, eine Tänzerin, eine Schauspielerin und ein Bulgare – werfen sich hier mit ihrer jeweils eigenen Ausdrucksform auf die Bühne. Abwechselnd Gleichmacher und Gleichgemachter, unterziehen sie sich reihum dem Kaspar-Prozess. Die Anpassung wird nicht von außen gefordert, sondern entsteht aus der Mitte dieser kleinen Gemeinschaft, die doch nur eines will – sich verstehen.
Veit Kassel wurde 1982 in Mülheim an der Ruhr geboren. Schon als Jugendlicher tritt er im Jugendclub des Schauspiels Bochum auf. Nach eigenen Regiearbeiten in der Schulzeit und im Rahmen der Regiewerkstatt des Schauspiels Bochum studiert er seit 2005 Schauspielregie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt. In der Spielzeit 08/09 inszenierte er am Stadttheater Gießen die Uraufführung von Andreas Sauter ‚Der Mann im Turm oder das Geheimnis der Zeit‘. Auf dem Heidelberger Stückemarkt 2009 war im Rahmen des Projekts ‚Schiller sehen‘ seine Uraufführung von Kristo Sagors ‚beide.‘ zu sehen. Am Staatstheater Wiesbaden war er bereits im Juni 2009 beim Thementag ‚Erbgut‘ mit der Stückentwicklung ‚Kon.fusion‘ (in Zusammenarbeit mit dem Autor Björn Deigner) präsent. Mit ‚Kaspar‘ schließt Veit Kassel sein Regiestudium ab.
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