Shoot / Get Treasure / Repeat (Schießen/Kassieren/Wiederholen)
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By Mark Ravenhill
Translated into German by John Birke
Revival
Wednesday, 05.09.2012, 19.30 h
Kleines Haus
Running time 2 hours 30 minutes. One intermission.

We are the good people and we have to bring good to the world.
(‚Shoot/ Get treasure/ Repeat‘, 15. Scene 15, ‚Die Odyssee‘)
In his play ‘Shoot/ Get Treasure/ Repeat’ British author Mark Ravenhill reveals a fascinatingly complex portrait of our contemporary world with its many conflicts and contradictions. While some people are concerned with whether their morning coffee comes from fair trade, others are fighting for Western values in inhospitable regions – and facing devastating rejection from those to whom they are supposed to bring freedom and democracy. Meanwhile, terrorist attacks continue to unsettle the European middle class: ‘Why bomb us? We’re the good guys!’ As concepts such as safety and supposedly eternal values begin to falter, some are left with the desire to close themselves off from the rest of the world. Among these people are a young married couple who decide to ensure their child’s future safety by moving into a ‘gated community’ protected by tight security. Yet this cannot prevent the war from haunting the boy’s dreams.
Ravenhill puts our Western view of freedom and democracy to the test by asking: Whose freedom are we really fighting for? And by what means should democracy be achieved?
His play illuminates these themes in a series of independent episodes named after famous epic poems or dramas (e.g. ‘Women of Troy’, ‘War and Peace’, ‘Fear and Misery’, ‘Paradise Lost’, ‘The Odyssey’ etc). In each scene, Ravenhill interweaves political topics and personal stories; he presents close-up examinations of his characters to show how much of an impact distant political events can have on each of our lives.
Mark Ravenhill, born in 1966, is one of Britain’s most renowned contemporary authors. His first full-length play ‘Shopping and Fucking’ (1996) gained instant success worldwide.
Mark Ravenhills Szenenfolge ‚Shoot / Get Treasure / Repeat (Schießen / Kassieren / Wiederholen)‘ trifft den aufgeklärten westlichen Theaterbesucher an wunden Punkten. Begriffe wie Freiheit, Demokratie, Toleranz, aber auch Wörter wie ‚wir‘ und ‚die‘ werden schal im Verlauf des gut zweieinhalbstündigen Abends, den in Wiesbaden Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer und Dramaturgin Dagmar Borrmann aus dem Material herausgearbeitet haben. Die Wiesbadener erklären dabei mehr als Ravenhill, erteilen ‚Lektionen‘, treffsicher und plakativ und mit elf dauerhaft am Anschlag befindlichen Schauspielern, die sich beim Vornamen nennen und die Texte überhaupt ganz zu ihrer Sache machen. Die politische Deutung, angereichert mit (Film-) Zitaten, ist Theater, aber flottes, gescheites Ich-zeig-dir- was-Theater. Lang und ernst war der Schlussbeifall.

Frankfurter Rundschau, 30.04.2012


Die Wiesbadener Inszenierung bringt ein Spektakel auf die Bühne, das dem Zuschauer im positiven Sinn, kaum Halt bietet: Es zeigt den latenten Rassismus und Sexismus einer sich vor dem Terror verschanzenden Konsumgesellschaft – doch kaum sind so Zweifel an der Wertehoheit des Westens geweckt, lassen Originalaufnahmen aus Syrien einen Kloß im Hals entstehen, ‚Wir können doch nicht einfach nur zusehen‘, sagt ein Darsteller, und man kann nicht anders, als innerlich zustimmen. Also, doch intervenieren? Es ist ein Theaterabend, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Und das ist gut so.

Wiesbadener Kurier, 30.04.2012


Hermann Schmidt-Rahmers Wiesbadener Inszenierung gelingt es, einen hineinzuziehen in eine Vergegenwärtigung unserer Widersprüche. Wir sehen auf der mit einer betongrauen Drehwandtür bestückten, bunkerhaft anmutenden Bühne teuer und schick gekleidete Menschen – Ausstattung: Michael Sieberock-Serafimowitsch –, die sich aufgeklärt, auf der richtigen Seite verortet fühlen. ‚Wir sind doch die Guten‘ rufen sie immer wieder, und sie stellen sich unter dem Eindruck terroristischer Gewalt entsetzt die Frage, warum ‚die‘ das machen. Es wird viel – und ohne den Ruch einer peinlichen Theatertrickserei – das Publikum einbezogen; Videobilder, etwa die ikonografischen von den brennenden Türmen des World Trade Centers, schließen die Bühnenfiguren in jener Weise durch den medialen Filter mit der Welt kurz, wie wir alle sie wahrnehmen. (...) Hermann Schmidt-Rahmer und das ungemein präsente Ensemble zeichnen die Dinge mit einem kräftigen, gar milde satirischen Strich. So unmissverständlich diese plastischen Bilder auch sind, bleiben sie allemal differenziert. Die landläufigen Haltungen der ‚Guten‘ erscheinen naiv. Wir, die wir unseren Wohlstand genießen wollen, stecken alle unentrinnbar mit drin.

die deutsche bühne, Mai 2012


Mark Ravenhills ‚Shoot/Get Treasure/Repeat‘ ist das geglückte Zeitstück. Die Überzeugungskraft der Inszenierung liegt in ihrer fruchtbaren Verunsicherung. Die Szenen mögen ‚politisch korrekt‘ sein, schon der Titel denunziert ja die ‚Bush-Kriege‘ als Egoshooting mit der Hand am Drohnen-Joystick und einem Auge auf den Lohn (‚treasure‘): Öl, Schifffahrtswege, Siegfrieden. Doch strahlt das Stück auch Unbehagen aus und spitzt sich zur Groteske zu.

Frankfurter Neue Presse, 02.05.2012


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