Ein Winternachstraum (A Winter Night’s Dream)
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19.00 Uhr Einführung im Foyer
 
Ballets by Stephan Thoss and Johan Inger
True or Not True (new creation) / Walking Mad
Premiere
Saturday, 16.02.2013, 19.30 h
Großes Haus
Running time 2 hours 30 minutes. One intermission.

Musical directionWolfgang Ott
Klavier Julia Okruashvili, Waldemar Martynel
 
  Orchester des Hessischen Staatstheaters
Ausführliche Informationen erhalten Sie hier

Auf Grund von mehreren und längerfristigen Verletzungen im Ensemble kann Stephan Thoss' neue Choreografie, der Ballett-Krimi à la Hitchcock True or not True, leider vorläufig nicht gezeigt werden. Der Ballettabend mit Orchester Ein Winternachtstraum wird daher für die Vorstellungen am Freitag, 26. April und Mittwoch, 5. Juni neu zusammengestellt.

Weiterhin auf dem Programm bleibt Johan Ingers legendäre Boléro-Interpretation Walking Mad. Nach der Pause gibt es dann ein Wiedersehen mit Blaubarts Geheimnis, der gefeierten und zweifach für den FAUST-Theaterpreis nominierten Choreografie von Stephan Thoss, die in dieser Spielzeit auf Gastspielen in Deutschland, in der Schweiz und Spanien zu sehen war, aber nicht in Wiesbaden. Wir zeigen den hoch emotionalen zweiten Märchen-Teil zur Musik von Philip Glass, und FAUST-Preisträger Giuseppe Spota tanzt als Blaubart das unvergleichliche Ringen um die Liebe zusammen mit Valeria Lampadova als die junge Judith. Die musikalische Leitung hat Wolfgang Ott.
True or Not True (new creation)
Choreography: Stephan Thoss
Music: Bernard Herrmann, Peteris Vasks, Fazil Say, Alfred Schnittke, György Kurtág, Wojciec Kilar, Johannes Schöllhorn
Stephan Thoss stellt in seiner Uraufführung ‚True or not True‘ die Frage: Gibt es eine Wahrheit? Wie ein Puzzle setzen sich zwei mysteriöse Geschichten aus Figuren, Konflikten, Situationen und Räumen zusammen und kreuzen sich. Als Bezugspunkt und Inspiration für den neuen Ballett-Krimi dient der unvergleichliche Altmeister des Suspense Alfred Hitchcock ─ seine Filme, seine Stories, seine Obsessionen und seine faszinierende Erzählweise. Hitchcocks Thriller haben heute den Status eines kollektiven Bewusstseins erlangt, so einflussreich sind sie auf unsere Wahrnehmung. Aber was passiert, wenn sich ein Choreograf diesem Phänomen im Tanz nähert? Bei ‚Hitch‘ sind die Dinge nie so, wie sie zu Anfang scheinen. Neben den Alltag tritt unvermittelt und scheinbar unerklärlich das Mysteriöse, die Versuchung, das Abseitige – Begegnungen, welche die Protagonisten in ihren Bann schlagen, ihre Realität aushebeln und sie nie wieder freigeben. Da reicht schon eine Vermutung anhand rätselhafter Indizien. Besonders typisch wirkt seine Inszenierung von multiplen Persönlichkeiten, doppelten Figuren oder mysteriösen Phantomfiguren. Tiere sind meist kein gutes Omen und die Auflösung der Geschichte kommt völlig unvorhersehbar. Diese Elemente, die Figurencharakteristik und -Konstellation inspirieren Stephan Thoss zu einem neuen Tanzstück, das leidenschaftlich, facettenreich und voller Spiellust den Charakteren in existentielle und visionäre Situationen folgt. Die Bewegung wird zum Weg ins Innere der Figuren, gibt dem inneren und äußeren Kampf mit dem Unerklärlichen eine neue Sprache. Die Fantasie, ausgelöst durch Hitchcocks Versuchsanordnungen, entfaltet sich im Tanz zu einer neuen Erzählebene und einer expressiven Welt unter der Oberfläche.
Walking Mad
Choreography: Johan Inger
Music: Maurice Ravel and Arvo Pärt
Johan Inger hat seine Interpretation von Maurice Ravels ‚Boléro‘ unter dem Titel ‚Walking Mad‘ 2001 für das Nederlands Dans Theater geschaffen, seither ist das Stück weltweit ein Renner. Neben den Tänzerinnen und Tänzern wird hier eine Bretterwand zum Darsteller. Die Wand, mit deren Hilfe der Bühnenraum strukturiert wird, erweist sich als fantastisches Objekt choreographischer Erfindungen. Sie schafft Raum für horizontale und vertikale Bewegungen, für Sprünge und Stürze, Tänze auf dem Grat ─ Metaphern für jene Beschränkungen des Lebens, die manche von uns in Möglichkeiten zu verwandeln wissen. Clownesk und theatralisch agieren auch die Tänzer in Johan Ingers Choreografie. Warum Frauen und Männer zwar nicht zusammenpassen, aber auch nicht voneinander lassen können, hier ist so vergnüglich gezeigt wie selten. Arvo Pärts Klavierstück ‚Für Alina‘ zeigt im Abschluss noch einmal den tragischen Versuch eines Mannes, eine Frau zu erobern, die doch ihre vorangegangene Liebe nicht vergessen kann.

Johan Inger, in Stockholm geboren, gehört zu den international bedeutendsten Choreografen.
Er begann seine Laufbahn 1985 im Ensemble des Royal Swedish Ballet, wo er 1989 zum Solisten avancierte. Inger folgte ein Jahr später dem Ruf Jiří Kyliáns ans Nederlands Dans Theater (NDT) und entwickelte sich dort zu einem der profiliertesten Tänzer der Kompanie. Nach ersten Choreografien kreierte Inger für das Holland Dance Festival sein erstes eigenes Stück ‚Mellantid‘, das ihm im Jahr 1996 den Philip Morris Finest Selection Award einbrachte. Im Jahr 2001 wurde das Stück für den Laurence Olivier Award in der Kategorie ‚Best New Dance Production‘ nominiert. Es folgten viele weitere Choreographien für das NDT. 2003 verließ Johan Inger das NDT, um die künstlerische Leitung des berühmten und renommierten Cullberg Balletts in Stockholm zu übernehmen. In den folgenden Jahren schuf er eine Vielzahl von Choreografien für diese Kompanie, u.a. ‚Home and Home‘, ‚Phases‘, ‚In Two Within Now‘, ‚As if‘, ‚Negro con Flores‘ und ‚Blanco‘. Mit ‚As if‘ war das Cullberg Ballett 2005 bei den Maifestspielen zu Gast. Zum 40. Geburtstag des Cullberg Balletts kreierte er das Stück ‚Points of eclipse‘ (2007). Im Sommer 2008 legte Johan Inger sein Amt als künstlerischer Leiter nieder, um sich ganz der Choreografie zu widmen. Seit 2009 ist er Associate Choreographer beim NDT, hier entstanden seither ‚Dissolve in This‘, ‚Tone Bone Kone‘ und zuletzt ‚I new Then‘.
zu: True or not True

Filme von Alfred Hitchcock als Inspirationsquelle für eine Choreografie? Warum nicht, besonders wenn der Choreograf der schon immer von Dunkel-Dämonischem angezogene Stephan Thoss ist. Man fühlt sich also momentweise an ‚Vertigo‘ und ‚Die Vögel‘ erinnert im neuen Stück des Wiesbadener Ballettchefs, am meisten aber an ‚Psycho‘ (…). Dass es im Programmheft eine Inhaltsangabe gibt zu Thoss' ‚True or not True‘ sollte freilich nicht dazu verleiten, ihrer Abwicklung auf der Bühne im Einzelnen folgen zu wollen. Besser ist es, das Atmosphärische auf sich wirken zu lassen, die so ganz, expressive, zeitweise hochemotionale Bewegungssprache. Das Orchester des Wiesbadener Staatstheaters spielt unter der umsichtigen Leitung von Wolfgang Ott Teile der schön schaurigen Original-Filmmusik von Bernard Herrmann; dazwischen gefügt hat Thoss unter anderem Kurtág und Schnittke, auch Kompositionen des vor allem als Pianist bekannten Fazil Say. Im Bühnenbild (ebenfalls von Thoss) scheinen Sternschnuppen zu fallen, ohne dass die lichten Streifen auf den dunklen Schiebewänden im Geringsten an eine romantische Nacht denken lassen. Kostümbildnerin Carmen Maria Salomon setzt das Sternschnuppen-Muster auf Anzügen fort, akzentuiert das überwiegende Schwarz mit fahlem Rot. Und einmal kommen Rokoko-Kostüme zum Einsatz, in einem überkandidelten Alptraum des mordenden Muttersohns. Es ist ein unerwarteter (…) Farbklecks in einem knapp anderthalb Stunden langen Stück, das von Verwirrung, Schmerz, Getriebenheit erzählt.

Frankfurter Rundschau, 18.02.2013


Die hohen Wände, die mitunter ihre Anordnungen verändern, beherbergen mehrere Erzählfäden. Ein Paar, er in Schwarz, sie mit brautweißem Rock, findet nie zu einer freundlichen Berührung. Ein anderes Paar, in Blau, tollt erst fröhlich, sie herzen sich. Er will zur Tür, sie geht dazwischen, dann verlässt er sie, sie bleibt allein mit ihrem blauen Köfferchen und weiß nicht wohin. Schließlich gibt es die zwei Männer, die symbiotisch aneinander kleben, sich an den Händen fassen oder immer die Nähe des anderen suchen. Wie zwei seltsame Brüder oder eine einzige gestörte Person. (…) Das bei Choreografen beliebte Manipulieren am anderen Körper jenseits aller Puppenputzigkeit zu diesem Ende zu führen, es als zerstörerisches Machtspiel zu zeigen, ist konsequent. Bravo. (…) Zuweilen entert ein geisterhafter Pulk von Wesen das Geschehen, und eine groteske barocke Traumsequenz unterbricht die Düsternis. Das Spannendste aber sind die Bewegungsqualitäten, die Thoss den Figuren gibt, nein: aus ihnen herausschält. Das wird dann weniger Form, wie man es von ihm kennt, und wirkt menschlicher, berührender. Ein Lichtblick.

Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 18.02.2013


Ehrgeizige Choreografen prägen zunehmend mit persönlichen Kreationen die regionale Tanzszene. Der Wiesbadener Ballettchef Stephan Thoss wagt sich nun mit ‚True or not True‘ in kriminalistische und psychische Abgründe. (…)Thoss entwirft dabei ein verwirrendes Puzzle düsterer Machenschaften rund um Mord und eine ominöse Perlenkette, um vertauschte Leichen, Kofferraub, Liebe und Eifersucht. Dazu taucht immer wieder der Fluch der bösen Tat auf. Das Mordopfer nimmt Besitz von der Seele des Täters, der fortan als gespaltenes Wesen durchs Leben gehen muss. Es entspinnt sich ein wilder Ballettkrimi in ebenso schnell wechselnden Lokalitäten.

Frankfurter Neue Presse, 18.02.2013


Stephan Thoss nennt sein neues, fast abendfüllendes Werk für seine bestens aufgelegte Company ‚True or not True‘. Laut Programmheft bezieht es sich auf Hitchcock-Filme, das Orchester spielt teilweise auch deren Kompositionen (…). Statt einer Geschichte splittert er vor den sich verschiebenden hohen Wänden mehrere Geschehen auf. Die Rahmen- oder Haupthandlung zeigt zwei Tänzer, hintereinander gestellt, an den Händen gefasst oder zumindest in trauter Nähe wie zueinander verdammte Brüder. Der eine tanzt höflich reihenweise mit Frauen, dann übernimmt das Alter Ego, das sie behandelt wie manipulierbare Gegenstände. (…) Zuweilen kraucht eine kleine Meute geisterhafter Wesen herbei, die Räume blockiert und Menschen verschiebt. Für deren Gefühle und Einbildungen findet Thoss mit seinen dreiundzwanzig Tänzern aber auch ganz unterschiedliche, bislang ungesehene Bewegungsqualitäten: von zerbrechlich bis nervös-aktivistisch, blind rotierend, bleistiftspitz in Luftlücken kratzend. (…)

Die Deutsche Bühne, Februar 2013


Das lohnt, denn die Thoss-Compagnie ist tanztechnisch einer der besten im Südwesten, ihr Repertoire an interessanten und intensiven Figuren reich.

Rhein-Zeitung, 19.02.2013


zu: Walking Mad

Das kurze Stück setzt den i-Punkt auf den Abend. (…) Im ‚Boléro‘ ist eine Dynamik, die ruft nach Gestalten durch Körper und Tanz, (…) das hat Johan Inger wirklich toll gemacht mit seinem ‚Walking Mad‘ (Verrückt laufen). Es sind sechs Tänzer und drei Tänzerinnen, die in fast slapstickartiger Weise um eine Wand herum und mit einer Wand tanzen. Die Wand kann Dinge, mit denen man nicht rechnet. Sie kippt teilweise, sie hat Türen, sie ist überraschend, als wäre sie ein Labyrinth. Die Tänzer zeigen wieder einmal: Das Wiesbadener Ballett hat ein sehr, sehr hohes Format. Sie sind artistisch, sie sind elegant, sie sind kraftvoll und überzeugend.

HR2, 18.02.2013


Johan Inger hat mit Giuseppe Spota, Valeria Lampadova und Kihako Narisawa die besten Solisten für die Hauptpartien ausgewählt, um seinen vor Witz sprühenden Boléro zu servieren. Giuseppe Spota tanzt die Rolle des unwiderstehlichen Liebhabers. Eine flexible Wand schiebt sich vor und zurück, ist Balancestange, Klettergerüst, Mauer oder Sprungschanze für waghalsige Stürze in einer wunderlichen Komödie. Vor der Mauer, über ihr und unter ihr verlieben sich Männer derweil in Frauen und umgekehrt. Sie kämpfen mit kleinen und großen Missverständnissen und damit, dass sie einfach zu verschieden sind. Inger choreografiert das Beziehungskarussell so lustig, dass man sich auf die Schenkel klatschen möchte (…)

SWR 2


Lauter verrückte Szenen entwickeln sich, eine angesäuselte Partytruppe mit Hütchen erscheint, verschwindet. Teile der Wand klappen herunter, werden zur Minibühne für einen stillen Paartanz, dann zum Floß. Der Mann wird mal verdoppelt, mal versechsfacht zur Gruppe. Sie quillen aus Türen, hocken auf der Oberkante, reiben sich wie Tiere an der Wand, hüpfen wild. Die Frau findet sich einsam vor einer öden Ecke wieder. Dieses ‚Irre gehen‘ ist ein unsentimentaler Taumel mit Witz und Effekten und kurzatmigem Tanz, der die hervorragenden Wiesbadener fast unterfordert. Dazu spielt das Orchester des Staatstheaters Maurice Ravels ‚Bolero‘. Clevere Idee: Seine Erotik ist hier Utopie, jenseits des Realitätszaunes. Diesseits verfehlen Mann und Frau einander. Immerhin auf fantasievolle Weise. (…)

Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 18.02.2013


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