Running time 2 hours 20 minutes. One Intermission.
At a dinner party in his rich father’s home, Gergers Werle meets up with his childhood friend Hjalmar Ekdal. When he discovers that Hjalmar has unwittingly built his life on web of lies, he believes he has found his calling in life: Gregers is determined to open his friend’s eyes to his ‘deluded existence.’
Hjalmar lives a modest life with his wife Gina and her adolescent daughter Hedvig. He spends most of his time on a supposedly groundbreaking new invention that will never be fully realized, while Gina and young Hedvig provide for the family. In the loft of their apartment, Hedvig spends the rest of her time nursing a wounded wild duck, which is her most precious possession.
Gregers Werle tragicomically destroys the little world this family has made for itself with his obsession with truth. Though his intentions seem to be well-meant (living a life without false illusions), his meddling proves to be disastrous.
‘Deprive the average human being of his life-lie, and you rob him of his happiness,’ are the words that Ibsen puts into Dr. Relling’s mouth. ‘The Wild Duck’ was written around 1883/84. This play marks Ibsen’s increased concern with the existential questions of life, which are more clearly investigated here than in his earlier socio-critical texts. The concepts of fantasy and reality as well as the paradox idea that the truth can destroy a whole family are the main questions that Ibsen explores in his subtle and dramaturgically astute way. At the same time, he confers the characters in the Ekdal family with a great deal of emotional strength. The critic Alfred Kerr called ‘The Wild Duck’ a peak example of bourgeois drama.
Artistic Director Manfred Beilharz, who recently took on productions of Odon von Horváth’s plays (‘Faith, Hope and Charity’ and ‘Tales from the Vienna Woods’) as well as Shakespeare’s ‘Othello,’ will direct Ibsen’s masterpiece.
Mit freundlicher Unterstützung der Julius Berger International GmbH und der Bilfinger Berger Ingenieurbau GmbH
Manfred Beilharz' Inszenierung im Kleinen Haus des Staatstheaters macht kurzen Prozess mit diesen für ihre Umgebung so schädlichen Männern. Sein Blick auf Gregers und Hjalmar, aber auch auf deren Väter, ist erbarmungslos und macht aus dieser ‚Wildente‘ ein Fanal gegen eine von innerlich schwachen Machos geprägte Welt. Besonders Michael Günther Bard (Gregers)und Michael Birnbaum (Hjalmar) überzeugen als Unsympathieträger.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2013
In Wiesbaden inszenierte nun Intendant Manfred Beilharz – erstaunlicherweise für einen so alten und fleißigen Theaterfuchs – mit der ‚Wildente‘ seinen ersten Ibsen; in der aufgefrischten, sprachlich modernisierten deutschen Fassung von Peter Zadek und Gottfried Greiffenhagen. Sonst hat Beilharz das Stück in einer vagen Vergangenheit belassen, in der Fotografien noch per Hand retuschiert werden und Männer stolz sind, Leutnant gewesen zu sein.
Bernd Holzapfel beschränkt das Haus des Großhändlers Werle auf ein holzgetäfeltes Büro mit gravitätischem Schreibtisch, öffnet die Bühne zu einer Art Loft, wenn die Szenen bei Ekdals spielen. Deren Möbel sind bescheiden, aber hohe Fenster lassen reichlich Licht rein. Hier bräuchte es nicht schlecht zu gehen. Und geht es auch nicht schlecht, so lange Gregers Werle sich raushält aus dem Leben der Ekdals. (…) Gina Ekdal rückt in dieser Inszenierung – und durch die Darstellerin, Sybille Weiser – ins Zentrum. Sie ist so herrlich praktisch und unaufgeregt, apart mit Kurzhaarschnitt und selbst in den Riesenpuschen, mit denen sie rumläuft, es ist ja schließlich Winter. (…) Sybille Weiser transportiert ihre Gina scheinbar mühelos in die Gegenwart. (…) Michael Birnbaum ist als Hjalmar Ekdal ein gemäßigter, ein einleuchtend durchschnittlicher Dummkopf. Michael Günther Bard als Gregers Werle ein eher einfältiger als fanatischer Moralapostel. Franz Nagler als sein Vater eine erstaunlich offene Figur: Will er was vertuschen, meint er es nur gut?
Manfred Beilharz begleitet in seinem ersten Ibsen die Figuren unaufgeregt und ohne inszenatorische Abschweifungen durch zwei Stunden (plus Pause.)
Frankfurter Rundschau, 04.02.2013
Michael Günther Bard lässt bei aller Sanftmut, die er der Figur schenkt, keinen Zweifel an der Gefährlichkeit des moralischen Tauschhandels, den er predigt. Der Mut zur Wahrheit soll belohnt werden durch die Erhebung zu menschlicher Größe. Und vorerst ahnt nur der Arzt Relling, wie verhängnisvoll dieses Versprechen ist – bei Uwe Kraus ist er ein scharfer Analytiker der Verhältnisse, dem doch das therapeutische Mitgefühl nicht fehlt, und er hat in dieser Inszenierung das letzte Wort, wenn er Gregers’ Fantastereien mit dem trockenen Wort ‚Idiot‘ kommentiert. (…) Die Verführung gelingt nur, weil Hjalmar so verführungsbereit ist: Michael Birnbaum ist in der weinerlichen Selbstgerechtigkeit dieses Pantoffel-Patriarchen ein leichtes Opfer. Die Regie setzt nicht nur auf die Stärke dieses ungleichen Duells zwischen Lüge und Wahrheit, sondern modelliert weitere charakterstarke Figuren, und die Begeisterung des Publikums nach der Premiere am Samstag war groß. (…) Hinreißend gestaltet Magdalena Höfner den Absturz zwischen euphorischer Vaterliebe und tiefer Verzweiflung, als Hjalmar sie zurückweist. Ihr Unglück ist es, dass Gregers Werle die Schwäche spürt und nutzt. Er singt ihr ein Geburtstagslied, hat ein kleines Geschenk parat, schenkt Zuneigung, als wolle er die Verlorene in seine Sekte holen, treibt den Teenager emotional in die Enge. Er wird das Kind zur Strecke bringen und den Tod amEnde noch als Opfer auf dem Weg zur Wahrheit verteidigen.
Darmstädter Echo, 05.02.2013
Die Überraschung des Abends ist Magdalena Höfners liebes-und leidensfähige
kleine Hedwig (...). Ein starker Theaterabend!
Frankfurter Neue Presse, 06.02.2013
Manfred Beilharz hat diese Männerfiguren richtig radikal durchfallen lassen. (...) Das ist ein ziemlich gemeines Verfahren, aber auch ziemlich toll – denn die Schauspieler so in ihren Rollen auszustellen, ohne sie zur Karikatur zu machen, ist schon eine ziemlich hohe Inszenierungskunst.
... was sehr schön ist: es gibt Frauenfiguren in dem Stück, die Manfred Beilharz besonders heraushebt, weil sie dem Leben Sinn geben und weil sie das Leben in den Griff kriegen. (...) 1:0 für die Frauen gegen diese Männerwelt.
Hr2-Frühkritik, 08.02.2013
Michael Birnbaum spielt in raschem Wechsel zwischen liebevollem, zärtlichem Vater und Phrasen dreschendem Totalversager den zu sinnvoller Tätigkeit weder fähigen noch willigen, labilen Hjalmar Ekdal, dessen wirkliche innere Beziehung zu Gina nicht recht deutlich wird, da Sybille Weiser sie mehr als sorgende Hausfrau und gehorsame Dienerin gibt. – Sprachlich wie darstellerisch überzeugend Uwe Kraus als ebenso erfahrener wie zynischer Doktor Relling, den nichts auf dieser miesen Welt mehr erschüttern kann, – Rainer Kühn spielt eindrucksstark den aus der Bahn geworfenen, seelisch wie physisch schwer angeschlagenen alten Ekdal als ‚Gespenst‘, das von Zeit zu Zeit in seine rote Offiziersuniform schlüpft, um den Rest von Achtung vor sich selbst nicht gänzlich zu verlieren. – Großes Lob für Magdalena Höfner als die für fremde Schuld bezahlende vierzehnjährige Hedwig, die ohne je gekünstelt zu wirken von Anfang bis Ende fesselt und berührt.
RheinMainTaunus-Onlinemagazin, 05.02.2013