Es war einmal...
Es war einmal...
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Grimms Märchen für Eilige
Musik von Fazil Say, Jacques Offenbach u.a.
Großes Haus
Aufführungsdauer 2 Stunden 15 Minuten. Eine Pause.
Choreografie
 
 
Bühne
Kostüme
 
Mit dem Ballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Weshalb regen die Märchenfiguren der Gebrüder Grimm seit dem vorletzten Jahrhundert -2009 war der 150. Todestag vom Wilhelm Grimm - die Phantasiewelten von Kindern und Erwachsenen an? Sind es moralisierende Geschichten für unartige Kinder? Zeigen sie richtige Verhaltensmuster für Menschen in Not? Oder rufen sie zu heldenhaftem Streben nach Glück auf?

Das Märchen vor dem Märchen
Yuki Mori, der den ersten Teil des Ballettabends choreografiert, fasst jenen Zeitpunkt ins Auge, der vor der Entstehung eines Märchens liegt. Die mythische oder unendliche Zeit seiner Bühnensituation liegt vor der Verschriftlichung und Festlegung von logischen Sinneinheiten. Die tänzerische Aktion basiert auf Fragmenten möglicher Handlungsfolgen, Figuren mit wechselnden Identitäten und dunklen Stimmungen des Unfassbaren. Die Choreografie zeigt eine Situation, in der die ursprünglichen Märchenthemen greifbar sind.

Phantasiewelten
In einer ganz anderen Stimmung setzt das zweite Kapitel von ‚Es war einmal…‘ ein. Mirko Guido verlässt in seiner Choreografie das dunkle, archaische Reich, aus dem die Märchen oft ihre Ambivalenz und Faszinationskraft schöpfen, und beleuchtet auf humorvolle Weise den unversiegbaren Reichtum von Phantasiewelten. Guido inszeniert die Begegnung einer Großmutterfigur mit ihrer Enkelin, die sich eine Erzählung wünscht. Die alte Frau, die von Märchen gar nichts hält, zerreißt das Märchenbuch und nimmt das Mädchen mit auf eine Reise in ihre eigene Imagination. In diesem freien Fabulieren, das sich nicht an hergebrachte Erzählmuster hält, entdeckt das Kind und mit ihm das Publikum das eigene erzählerische Potential.

Collage aus den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm
Als hätte Stephan Thoss die von der alten Frau herausgerissenen und durcheinander geratenen Märchenbuchseiten in die Finger bekommen, kappt er im dritten und abschließenden Teil von ‚Es war einmal…‘ die Bänder, die die Figuren an ihr jeweiliges Märchen binden. Hier treffen Frau Holle auf die Prinzen, die Jäger auf die Frösche und Schneewittchen auf Rotkäppchen. In diesem Durcheinander fällt es nicht allen leicht, ihre eigentliche Aufgabe, die ihnen von den Brüdern Grimm zugeschrieben wurde, zu erfüllen. Manche verlieren ihr Ziel aus den Augen und damit ihre ursprüngliche Identität. In dieser Collage der bekanntesten Grimmschen Märchengestalten lässt Stephan Thoss die von der Werbe- und Unterhaltungsindustrie auf Eindimensionalität abgerichteten Figuren zur beschwingten Musik von Jacques Offenbach in einem bunten Reigen auftreten.
Ein begeistertes Publikum, das außerordentlich viel Applaus spendet. Getanzt wird fulminant, witzig und anspielungsreich bis in die Fingerspitzen, die Spitzenschuhe und vor allem in der Mimik, köstlich etwa die Flunsch des Sterntaler-Mädchen, das immer zu spät kommt, wenn gerade mal wieder Gold vom Himmel regnet.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2010


Der Mix ist wild, frech, witzig. Zur Musik von Jacques Offenbach wirbelt das Märchenvolk über die Bühne. Es wird wunderbar getanzt, sogar Schuhplattler und Cancan. Bunt, einfallsreich und bildersatt. Wertung: Sehr gut

Bild Zeitung, 16.02.2010


Drei Choreografen, drei Arbeiten, die sich dramaturgisch steigern, und zwar in eine ungeahnte Komik. Stephan Thoss inszeniert hier erzählerisches Tanztheater mit poppigen Requisiten, schrillen Kostümen – figurativ, konkret. Abstrakt ist das nicht, sondern lustig. Die Arbeiten der beiden Wiesbadener Tänzer bereiten den Boden für diese Art von Humor, indem sie sich mit zwei anderen Aspekten von Märchen auseinander setzen: Yuki Mori beschäftigt sich tänzerisch mit dem Gedanken vom Eintauchen und Versinken in dunkle Märchenwelten und schafft einen mystischen, schwarzen Raum, der zerschnitten wird von den raumgreifenden Bewegungen einer weißen Tänzerin. Mirko Guido greift die Idee des Märchen Erzählens auf – mit der typischen Großmutter, die sich hier allerdings recht renitent ihrer Rolle als Geschichten erzählender Oma widersetzt. Im Zentrum steht bei Thoss die poetische Ausdruckskraft des Körpers, nicht die sportliche. ‚Es war einmal...‘ ist darum sicherlich auch denen zugänglich, denen Ballett immer ein bisschen zu streng daherkommt.

Deutschland-Radio Kultur, 15.02.2010


Auf Till Kuhnerts Bühne mit Brunnen, schiefem Schloss und halbversunkener Riesenkrone tanzt das Ensemble rasant und mit Lust an Detail und Theatralik, passend zu Jacques Offenbachs walzergesättigter Ballettpantomime aus dem Off.

Wiesbadener Kurier / Tagblatt, 15.02.2010


Das ist nicht ernst genommen, das ist ein vergnügliches mit dem Pfund der Märchen wuchern, mit den Kostümen, den Storys, den Charakteren der Figuren – das ist wirklich Tempo im dritten Teil. Fast wie im Trickfilm, der in einer Komprimierung von allem, was man so an Märchenstoffen kennt, die Assoziationen des Publikums fordert und herausfordert zu identifizieren, wer ist was. Thoss spielt in seinem Teil seine komische Ader aus. Die ersten beiden Teile sind poetischer, langsamer, wenn auch nicht ohne Humor. Yuki Mori (1. Teil) ist der reflektierteste, meditierendste, ernsthafteste. Ein ganz rätselhaftes Ding – sehr poetisch, sehr leise. Und der 2. Part dann von Mirko Guido leitet über, da wird’s schon humorvoll. Und im 2. Bild sehr, sehr anrührend zur Musik von Satie, sehr sanft, sehr phantasievoll. Da geht man wieder auf Reisen im Kopf.

HR2 –Kultur, Mikado Frühkritik, 15.02.2010


Mori skizziert eine mystische Welt. Liebe, Hass, Eifersucht, aber auch Versöhnung treiben die Menschen, (...) die sich auf der Suche nach Identität finden und verlieren und sich einer magischen Lichtgestalt beugen. Eine Choreografie, die eindrucksvoll in eine finstere Welt führt. Den Kontrapunkt setzt Mirko Guidos thematisch anschließende Arbeit, die konsequent die vorgeschichtliche Märchenwelt verlässt. Die Choreografie lebt in erster Linie von der Groteske. Umwerfend rasante Arrangements und der immer wieder verblüffende Einsatz schwarzer beweglicher Wände gaukeln Zauberei vor. Ballett-Chef Stephan Thoss krönt den Abend mit einer köstlichen Märchenparade. Eine Megashow der Turbulenzen, tänzerisch höchst fantasievoll, zu Musik von Offenbach und Sumera bis ins Detail effektvoll und präzise umgesetzt.

Frankfurter Neue Presse, 17.02.2010


Yuki Mori zeigt die Eröffnung zu klirrender, vibrierender Musik von Fazil Say. Die dunkle Welt mit ihren gleißenden Lichtzeichen soll den Urgrund der Märchen markieren. Man kann es aber auch einfach als faszinierendes Nachtstück nehmen, in dem mit explosiver Präzision getanzt wird.

Darmstädter Echo, 18.02.2010


Der Wiesbadener Choreograph Stephan Thoss schickt das komplette Märchenpersonal der Brüder Grimm auf die Bühne. Prinzen, Hexe und auch den Froschkönig. Wie ein bunter Comic kommen diese Szenen daher, schrill, bunt, sehr komisch.

Hessenschau, 14.02.2010


Thoss entwarf ein mit Witz und Situationskomik ausgestattetes Märchenland, dessen talentierte Bewohner mit präzisen, perfekten Dreh- und Springfiguren brillieren und nach eleganter Hof-Polonaise mit zauberhaften Pas de deux und Soli, wechselnden Ensembles und sogar Spitzentanz das Publikum begeisterten. Zum Schluss gab’s eine große Fete, auf der alle bis zum Umfallen außer Rand und Band gerieten. Dann schneller Lichtwechsel und blitzartige Erstarrung zum gefrorenen Bild. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Giessener Allgemeine, Alsfelder Allgemeine, Wetterauer Zeitung, www.anstoss-gw.de, 22.02.2010


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